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Windkraft

Neue Nutzungskonzepte für Turbinen

Auf dem Knoten, einem 600 Meter hohen Berg im hessischen Westerwald, soll demnächst ein Windpark mit vier Turbinen entstehen. Viele Anwohner in Greifenstein und Umgebung waren dagegen, weil sie Nachteile für Landschaftsbild und lokalen Tourismus befürchteten. Hinzu kamen Einwände, die den Schutz von Vogelarten und die Lärmemission betrafen. Die neu gegründete Bürgerinitiative klagte vor dem Verwaltungsgerichtshof – allerdings ohne Erfolg.

Um den Anwohnern die Windräder doch noch schmackhaft zu machen, beschlossen der Investor Hermann Hofmann Erneuerbare Energien GmbH und Co. KG aus Greifenstein und die Kommune dann, einen Wettbewerb für Architekturstudenten auszuloben. Das Ziel des Wettbewerbs bestand darin, die Windenergieanlagen besser in das Landschaftsbild des Hügels einzufügen oder ihnen durch neue Nutzungsmöglichkeiten einen Mehrwert zu geben. „Da es zurzeit wenige Ansätze gibt, Windkraftanlagen harmonisch in das Erscheinungsbild der Umwelt einzufügen, betraten die Studierenden mit dieser Aufgabe Neuland“, sagt Prof. Jean Heemskerk von der Fachhochschule Frankfurt/Main. Er leitet das Projekt gemeinsam mit den Professoren Wolfgang Dunkelau und Erich Schöndorf.

Seit dem 29. Februar werden nun elf eingereichte Entwürfe im Dorfgemeinschaftshaus in Greifenberg/Beilstein ausgestellt. Für die besten drei Entwürfe statt gab es bereits Preise und ein Preisgeld von insgesamt 3.500 Euro. Das zahlt der künftige Anlagenbetreiber. In der Jury saßen die Bürgermeister der zwei angrenzenden Gemeinden, zwei freie Architekten sowie der ehemalige Landrat, der den Windpark initiiert hatte.

Die Ergebnisse zeigen verblüffende Chancen für touristische Kollateralnutzen des Windparks auf. Der erste Preis, der mit 1.500 Euro dotiert ist, ging an Aaron Albinus von der Hochschule Rhein-Main für ein Übernachtungskonzept an einem dort liegenden wichtigen Weg für Radwandertourismus – zusammengesetzt aus Modulen, die an die Anlagen gehängt oder daneben gestapelt werden. Den zweiten Preis erhielt Dominik Stöckl von der FH Frankfurt für seine „Grüne Meile“: einem Baumwipfelpfad, der vom Wald aufs freie Feld reicht, wichtige Aussichtpunkte berührt und ein Beleuchtungskonzept beinhaltet, dass den „Energiefluss“ der Windräder nachbildet. Den dritten Platz belegt das Gemeinschaftsprojekt von Ahu Yancar und Kai Schütz, beide von der FH Frankfurt, das eine fächerförmige Bebauung rund um die Windkraftanlage vorschlägt. „Die gestalterische Einbindung spielt gerade für die Identifikation mit solchen Anlagen eine wichtige Rolle. Die Aufgabe ist also genau das Richtige für ein interdisziplinäres Projekt mit Studierenden der Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung“, erklärt Heemskerk.

(Regine Krüger)