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Gondelmonitoring holt Erträge zurück

Warum ist das Thema Abschaltalgorithmen für Betreiber gerade jetzt so relevant?

Simon Ghanem: Weil wir uns von pauschalen Auflagen zu datenbasierten Algorithmen hinbewegen müssen. In den meisten Genehmigungsverfahren werden zum Schutz von Fledermäusen vorsorglich Abschaltzeiten festgesetzt – basierend auf festen Zeitfenstern, pauschalen Windgeschwindigkeiten von sechs oder sieben Metern pro Sekunde und allgemeinen Temperaturgrenzwerten. Aus Vorsorgesicht ist das nachvollziehbar, führt aber in der Praxis zu vermeidbaren Verlusten: Anlagen stehen still in Situationen, in denen man vor Ort keine relevante Fledermausaktivität messen würde. Das Potenzial einer standortspezifischen Optimierung bleibt ungenutzt.

Wie läuft ein solches Monitoring in der Praxis ab?

Simon Ghanem: Es handelt sich um ein bioakustisches Monitoring. Wir installieren zertifizierte Ultraschall-Rekorder in der Gondel. Die Geräte erfassen die Rufe der Fledermäuse im Rotorraum. Die Systeme sind per Mobilfunk vernetzt, wir haben Fernzugriff, prüfen täglich, ob alles läuft und sichern so eine lückenlose Datenqualität.

Rechnet sich der Aufwand für den Betreiber?

Simon Ghanem: Ja. Ein Rechenbeispiel: Eine Fünf-Megawatt-Anlage verliert durch gesetzliche Fledermausabschaltungen rund zwei bis drei Prozent Ertrag – schnell 20.000 Euro im Jahr. Dem stehen die zweijährigen Monitoringkosten gegenüber. Danach läuft die Anlage 16 bis 18 Jahre optimiert weiter. Die Amortisation erfolgt relativ schnell, wenngleich standortabhängig.

Welche Systeme kommen zum Einsatz?

Simon Ghanem: Verschiedene marktverfügbare Rekorder. Das RENEBAT-Projekt und die Software ProBat geben klare Vorgaben – es sind nur bestimmte Rekordertypen zugelassen. Diese Standardisierung sorgt für Vergleichbarkeit zwischen den Windparks und für wissenschaftliche Belastbarkeit.

Wann beginnt Ihre Arbeit – erst nach Inbetriebnahme?

Simon Ghanem: Teilweise früher. Wir begleiten Projekte oft vor der Errichtung mit Empfehlungen zu Anlagenkonfiguration oder Rotortiefpunkten. Bei Repowering-Planungen nutzen wir oft Altdaten. Das eigentliche Gondelmonitoring startet im ersten Betriebsjahr und läuft zwei Jahre. Häufig können wir bereits nach dem ersten Erfassungsjahr Anpassungen empfehlen.

Was ist der zentrale Hebel bei der Optimierung?

Simon Ghanem: Die Fledermausaktivität verteilt sich weder homogen über das Jahr noch über die Nachtstunden. In den Randmonaten April, Mai und Oktober ist sie meist niedrig, im Juli und August extrem hoch. Nächtlich liegt die Hauptaktivität in der ersten Hälfte. Zudem fliegen bei schwachem Wind deutlich mehr Tiere als bei starkem. Wer nun von April bis Oktober pauschal bei sechs Metern pro Sekunde abschaltet, wird den realen Bedingungen einfach nicht gerecht.

Sie arbeiten mit sogenannten Nachtzehnteln. Was steckt dahinter?

Simon Ghanem: Man nimmt die durchschnittliche Nachtlänge eines Monats und teilt sie durch zehn – das ergibt ein Nachtzehntel. So lässt sich die Abschaltung statt starrer Stunden über zehn Intervalle pro Nacht ansteuern. Für jedes Nachtzehntel berechnen wir die spezifische Abschaltwindgeschwindigkeit. Der Betreiber erhält eine fertige Tabelle zur direkten Einpflege in die Steuerung.

Bleibt das Schutzniveau erhalten?

Simon Ghanem: Ja, das ist entscheidend. Ob man pauschal über einen langen Zeitraum abschaltet oder gezielt nach Nachtzehnteln – die Schlaggefährdung für die Tiere steigt nicht. Wir verschieben die Abschaltung dorthin, wo sie tatsächlich wirkt.

Wie gewährleisten Sie die Akzeptanz bei den Genehmigungsbehörden?

Simon Ghanem: Die Akzeptanz ist sehr hoch, weil wir auf ein wissenschaftlich basiertes, anerkanntes System zurückgreifen. ProBat bietet zudem Möglichkeiten, die Berechnungen behördenprüfbar zu machen. Hinter der Methodik steht eine BMU-Studie mit über 65.000 Erfassungsnächten aus verschiedenen Windparks – mit diesem Datensatz wird ständig abgeglichen. (NW)

Dr. Simon Ghanem,
Environmental Consultant, KS Umweltgutachten GmbH

Foto: Kathleen Waak

Kontakt

KS Umweltgutachten GmbH, Volker Kelm,
Sanderstraße 28, 12047 Berlin
Vkelm@ks-umweltgutachten.de
Tel: 0163 306 1306

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