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Ertrag und Naturschutz im Wald kombinieren

Nicole Weinhold

Wir haben derzeit relativ schwierige Rahmenbedingungen für die Planung. Dadurch, dass die Vergütung im Wettbewerb steht, stellt sich die Frage: Ist Wind im Wald überhaupt noch darstellbar? Die Umsetzung ist ja tendenziell etwas teurer. Wie sieht es bei Statkraft aus – haben Sie bereits Erfahrungen mit Wind im Wald gemacht?

Martin Vollnhals: Gerade in Süddeutschland sind sehr viele unserer Projekte im Wald verortet. Das ist auch topografisch bedingt: Die höchsten, windhöffigen Erhebungen liegen häufig innerhalb von Waldgebieten an den Gemeindegrenzen. Wenn wir als Projektierer in Süddeutschland Projekte realisieren wollen, kommen wir am Wald gar nicht vorbei. Rheinland-Pfalz hat zum Beispiel einen ­Waldanteil von über 40 Prozent. Wenn Waldflächen grundsätzlich ausgeschlossen würden, würde sich das Potenzial für Windenergie deutlich verringern.

Mit welchen Einnahmen und welchen ­Vertragsmodellen können Waldbesitzer in der Praxis realistisch rechnen?

Martin Vollnhals: Wir schließen die Verträge mit den jeweiligen Eigentümern. Das sind langfristige Verträge mit Festlaufzeiten über 20 bis 25 Jahre und individuell vereinbarten Pachtkonditionen. Branchenüblich – und auch bei uns – ist ein Modell aus einer garantierten Mindestpacht, also einem gewissen Mindestbetrag, und einer prozentualen Beteiligung an den Erlösen des Windparks über den gesamten Zeitraum.

Das können individuelle Pachtmodelle sein, es gibt aber auch sogenannte Poolpachtmodelle. Zusätzlich werden weitere notwendige Eingriffe kompensiert, beispielsweise für die Verlegung von Kabeltrassen, Ausgleichsmaßnahmen und Ähnliches.

Der Pool kommt zum Tragen, wenn ­mehrere Waldbesitzer ­zusammengefasst werden müssen?

Martin Vollnhals: Genau. Die Flächen fließen dann mit einem definierten Verteilungsschlüssel in die Pacht ein, die anschließend unter den Eigentümern aufgeteilt wird – abhängig von Standort, Rotorüberflug und ähnlichen Faktoren.

Bei Freiflächen mussten die Verpächter durch die sinkende Vergütung ­Ertragseinbußen akzeptieren. Ist das im Wald ähnlich?

Martin Vollnhals: Ja, das ist exakt gleich, wir sehen keine Unterschiede. In den letzten 24 Monaten haben sich die Pachtpreise deutlich verändert – das folgt den gestiegenen Kosten und den gesunkenen Erlösen.

Die teils astronomischen Pachten der vergangenen Jahre werden heute nicht mehr vereinbart, und bestehende Verträge müssen in der Branche nachverhandelt werden. Man erinnere sich an das prominente Beispiel des Zuschlags bei Hessen-Forst mit rund 400.000 Euro pro Anlage. Früher lagen wir an besonders windhöffigen Standorten bei über 250.000 Euro – heute bewegen wir uns eher im fünfstelligen Bereich, an sehr guten Standorten vielleicht im niedrigen sechsstelligen. Es ist also deutlich zurückgegangen.

Herr Wagner, wie gehen Sie bei der ­Standortbewertung vor Ort vor?

Andreas Wagner: Für uns ist es zunächst entscheidend, dass wir uns den Wald vor Ort sehr genau anschauen und in den Austausch mit den relevanten Akteuren gehen: mit den Eigentümern, mit den Forstbehörden, den Revierförstern vor Ort und den Naturschutzbehörden. Wir schauen uns die Waldstruktur sehr genau an: handelt es sich um Fichten- oder Kiefernkulturen, um laubholzreiche Bestände? Gibt es einzelne Bäume oder Bereiche mit besonderem Schutzstatus? Diese klare Bestandsaufnahme machen wir, bevor wir überhaupt mit der Planung beginnen. Alle Informationen, die wir frühzeitig aufnehmen, verhindern spätere Überraschungen.

Häufig decken sich hier die Interessen von Naturschutz, Waldbesitzern und Forstbehörden mit unseren eigenen. Wir wollen keine große Flächeninanspruchnahme, weil das erhebliche Kosten für den Anlagenaufbau, Kranstellflächen und so weiter auslöst. Deshalb orientieren wir uns bei der Infrastrukturplanung sehr genau daran, die Flächeninanspruchnahme so stark wie möglich zu minimieren und planen bevorzugt auf bestehenden Forstwegen und Kalamitätsflächen. Wir brauchen windstarke Standorte, wollen aber die forstlichen und naturschutzrechtlichen Belange gleichermaßen berücksichtigen.

Wie sieht es mit Ausgleich und der Neupflanzung resilienterer Baumarten aus?

Andreas Wagner: Das ist ein sehr spannendes Thema, weil es auch erklärt, warum wir bei Forsteigentümern zunehmend als Partner zur Mitplanung gesehen werden. Diese Eigentümer haben über Jahrzehnte ihre Gewinne aus dem Forstbetrieb erwirtschaftet. Jetzt stehen sie durch Borkenkäfer, Klimawandel und Stürme vor einem oft sehr schlechten Waldzustand und vielen Kalamitätsflächen. Sie müssen diese Wälder für die nächsten Generationen erhalten – und das ist eine forstliche wie finanzielle Herausforderung, denn niemand weiß genau, welche Baumarten in 30 oder 100 Jahren mit dem Klima zurechtkommen. Aus dem normalen Forstbetrieb lässt sich der Umbau der Wälder und Wiederaufforstung kaum finanzieren. Die Pachteinnahmen aus der Windkraft sind daher häufig der Schlüssel, um diese Wälder überhaupt zu erhalten.

Martin Vollnhals: Gleichzeitig gibt es natürlich Anhaltspunkte dafür, welche Baumarten künftig besser mit veränderten klimatischen Bedingungen zurechtkommen könnten. Ein Blick in den Süden kann dabei Orientierung geben. Entsprechend kann Pflanzmaterial künftig eher aus dem mediterranen Raum stammen als aus Baden-Württemberg.

Andreas Wagner: Wir denken Ausgleichsmaßnahmen direkt mit. Es gibt Gebiete, in denen wir Ersatzaufforstung außerhalb des Waldes vornehmen. In anderen ist das nicht möglich – wenn eine Gemeinde in Baden-Württemberg 80 Prozent Waldfläche hat, schlägt der Bürgermeister die Hände über dem Kopf zusammen, wenn Sie weitere Flächen aufforsten wollen. Dann setzen wir auf Waldumbaumaßnahmen im Bestand, etwa den Umbau von Kiefernbeständen zu Laubholzbeständen. Der Wirtschaftsforst soll auf jeden Fall auch als Naherholungsgebiet erhalten bleiben.

Nach welchen Kriterien bewerten Sie Standorte, wenn sowohl Energieertrag als auch Naturschutz berücksichtigt werden müssen?

Martin Vollnhals: Standorte müssen technisch, wirtschaftlich und ökologisch tragfähig sein. An ­erster Stelle steht die Umsetzbarkeit. Die Topo­grafie ist sehr wichtig: Ein stark bewegtes Gelände bedeutet einen größeren Eingriff in den Naturhaushalt. Ebenso zählen Flächenzuschnitt, Erschließ­barkeit und die Abstände zur Wohnbebauung. Immer wichtiger wird der Netzanschluss: Waldstandorte liegen häufig abseits bestehender Infra­strukturen und die Entfernung zum geeigneten Netzanschlusspunkt kann entsprechend größer sein. Frühzeitig beziehen wir Belange des Natur- und Artenschutzes ein und prüfen, wo etwa Vögel oder Fledermäuse zu beachten sind. In der Regel bietet es sich an, auf Kalamitätsflächen zu gehen, also auf bereits vorgeschädigte Bereiche. Hochqualitative Waldbestände versuchen wir konsequent auszuschließen.

Welche Faktoren haben sich als ent­scheidend erwiesen, um Genehmigungsverfahren für Waldwindparks effizient und erfolgreich abzuschließen?

Andreas Wagner: Nachdem wir die Flächen gesichert haben, steht die Erstellung des Genehmigungsantrags an – ein Prozess, der etwa ein bis anderthalb Jahre dauert. Um gut vorbereitet in das Genehmigungsverfahren zu gehen, nutzen wir die Zeit davor intensiv für technische Studien und Natur- und Artenschutzuntersuchungen. So wissen wir genau, welche Bedingungen wir vorfinden und berücksichtigen müssen. Genauso wichtig ist der frühe Austausch mit den Menschen vor Ort, um Vertrauen aufzubauen und die Anforderungen aller Stakeholder – Eigentümer, Förster, Naturschutz und Vertreter weiterer Belange – frühzeitig einzubinden. So lassen sich Konflikte, die sonst erst spät im Genehmigungsverfahren aufpoppen würden, ­deutlich früher lösen.

Martin Vollnhals,
Director Business Development Germany, Statkraft

Foto: Statkraft

Andreas Wagner,
Head of Project Management West, Statkraft

Foto: Statkraft

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