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Großkomponentendienst auf See: „Parkübergreifende Troubleshooter“

Herr Berge Olsen, sie wechselten als hochrangiger Manager vom erste Planskizzen anfertigenden Projektentwickler zum turbinenherstellerunabhängigen Unternehmen für Instandhaltungsdienste an Meereswindparks jenseits der Gewährleistungsphase – warum war es jetzt Zeit, auf die andere Seite der Wertschöpfungskette zu wechseln?

Achim Berge Olsen: Das hat für mich nichts mit dem Zeitpunkt zu tun. Mit einem Teil meines Herzens bin ich immer noch Entwickler. Und der mag besonders die Momente, in denen die Wettbewerber nicht entwickeln und an der Wirtschaftlichkeit neuer Projekte zweifeln. Wäre ich jetzt noch Entwickler, wäre ich also in allerbester Stimmung: Gute vorentwickelte Projekte ließen sich günstig kaufen, wer jetzt handelt, könnte sich auf den Märkten breit machen, weil andere zögern. Im Gegenteil wäre deshalb jetzt der Zeitpunkt in Projektarbeit zu investieren – gegenläufig zum Trend.

Sie wurden CEO der Offshore-Sparte von Deutsche Windtechnik – die gemäß der Unternehmensmitteilung die internationale Offshore-Präsenz ausbauen und operative Effizienz sowie finanzielle Stärke absichern soll. Deshalb braucht es jetzt dort Sie?

Achim Berge Olsen: Ich hatte Lust auf Neues, die Offshore-Windkraftwelt von einer anderen Perspektive kennenzulernen. Ich war Geschäftsführer mehrerer operativer Windparks und kannte die Deutsche Windtechnik als Dienstleister. Nun will ich gerne überlegen, welche Entwicklung hier in der Offshore-Windpark-Instandhaltung möglich ist. Weil Deutsche Windtechnik Offshore nun Bedarf an ein bisschen breiterem Management hat, hat mich WPD-Gesellschafter und Deutsche-Windtechnik-Gründer Klaus Meyer eben gefragt, ob ich mit meiner Offshore-Erfahrung in diese Position gehen will. Meine Hauptaufgabe ist - mehr noch als internationale Präsenz anzustreben - vor allem die Unternehmensentwicklung.

Woran arbeiten Sie da konkret?

Achim Berge Olsen: Ich arbeite also am Business Development daran, ob die von uns angebotenen Produkte die für die Kunden richtigen sind. Oder wie wir sie so ändern können, dass sie besser zur Nachfrage der Kunden passen. Erst als zweite Frage zählt dann, in welchen Märkten diese Dienstleistungen gefragt sind. Wir haben mittlerweile die Möglichkeit, eine umfassende Dienstleistung nicht nur im Bereich Wartung, sondern auch im Bereich Großkomponententausch anzubieten. Großkomponententausch hatten wir auch bisher schon im Programm, dabei aber immer von Projekt zu Projekt gearbeitet, auf eine einzelne Kundenanfrage hin ein Team zusammengestellt, ein Schiff gesucht. Jetzt haben wir eine eigene Abteilung für den Großkomponententausch, mit eigener Leitung, eigenen Ingenieuren –fürs Designen der Tools und für Work Methods für diesen Tausch - und einem eigenen operativen Team an Bord der Spezialschiffe, die dann die einzelnen Hebevorgänge vorbereiten und durchführen. Nun schmieden wir eine Partnerschaft mit einem erfahrenen Akteur im Bereich der Spezialschiffe.

Ein erfahrener Partner in der Kranschifftechnik?

Achim Berge Olsen: Ja, genau. Wir selbst haben die Leute, die den Lift machen können, wir haben das Turbinenteam, aber wir brauchen ein Schiff. Wir glauben, dass wir auf der Hamburg Wind diese Partnerschaft werden präsentieren können. Und genau das ist der richtige Anspruch für diesen Markt: Dass die Kunden sich von der bisherigen Einzelproblemlösung zu Service-Rahmenverträgen bewegen, die den Großkomponententausch für einen bestimmten Zeitraum, zum Beispiel für drei bis fünf Jahre, abdecken. Verbunden ist das mit einer bestimmten Mindestabnahme von Tauschaktionen pro Jahr oder einem bestimmten Zeitraum pro Jahr, während dem sie Team und Schiff fest einbuchen und wir dann als Dienstleistung egal in welchem Projekt oder in welcher Turbinentechnologie und für welche Turbine diesen Großkomponententausch vornehmen können.

Interessant. Eine neue Form der Dienstleistung in bestimmten Jahresabschnitten der Windparks, in denen Großkomponentenaustausch häufiger ansteht?

Achim Berge Olsen: Statistisch gesehen gibt es natürlich bestimmte Phasen mit häufigeren Großkomponentenschäden. Allerdings können die immer auftreten: auch in sehr jungen Windparks, wo es vielleicht einen Produktionsfehler gab, und das macht man dann lieber schnell als später.

Großkomponententausch als eingeplanter Wartungsdienst nach den ersten Betriebsjahren also?

Achim Berge Olsen: Wir kommen damit dem Bedarf von Großkunden nach, die mehrere Offshore-Windparks in verschiedenen Phasen betreiben. Statistisch gesehen fallen bei denen jedes Jahr Großkomponentenschäden an – und dafür sichern sie sich eine spezielle Troubleshooting-Einheit, die mit einer spezialisierten Großkomponententausch-Mannschaft immer rausfährt, sobald Bedarf ist. Das können auch Buchungen mal für drei Monate sein, in denen wir bereitstehen und auf Abruf zu einem Windpark zum Beispiel nach England für den Tausch zweier Hauptlager rausfahren oder zum Beheben eines Betriebsschadens in der belgischen Nordsee.

Ein auf die Nordsee konzentriertes Angebot?

Achim Berge Olsen: Der Großteil der Projekte ist natürlich in der Nordsee errichtet. Doch das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass wir Hebe- und Tausch-Instrumente für alle möglichen Turbinentypen wie im Standard-Wartungsdienst zeitlich von hinten nach vorne entwickeln. Einfach gesprochen: Wir hatten Werkzeuge und Wissen für die ältesten Anlagen zuerst – und arbeiten uns jetzt eben in die moderneren Turbinen vor. Und parallel bringen wir als Deutsche Windtechnik unsere Technologiefähigkeit auch in einem zweiten für uns wichtigen Bereich auf den immer neusten Stand: Wir übernehmen in der Regel Windparks mit der Vollwartung nach einigen Jahren vom Hersteller, manchmal auch von anderen unabhängigen Service-Providern, und müssen unsere Kompetenzen modernisieren. Hierfür fragen die Betreiber jetzt nach Lösungen – daneben auch bezogen auf Windparks, die nun das Laufzeitende ihrer höheren Vergütung erreichen und daher nun kostengünstige Instandhaltungskonzepte finden müssen. Auch hier müssen wir uns neu aufstellen.

Internationale Präsenz, operative Effizienz und finanzielle Stärke: Welche der drei zu Ihrem Amtsantritt genannten aktuellen Ziele für Deutsche Windtechnik erfordert denn am meisten eine neue Organisation ihres Offshore-Wartungsdienstes?

Achim Berge Olsen: Wir haben insgesamt das Management internationalisiert: Wir arbeiten weniger in den nationalen Organisationen, als dass wir uns nun international stärker vernetzen – damit wir nach Bedarf auch Experten zwischen den Ländern hin- und herbewegen können. Und speziell das Ziel neuer finanzieller Stärke zielt natürlich einerseits auf die nun notwendigen Investitionen in beispielweise Technik und Instrumente für unseren Großkomponententausch-Dienst – und andererseits darauf, etwa mittels Partnerschaften ein Schiff exklusiv am Markt anbieten zu können. Dabei wird sich zeigen, ob wir ein Schiff finden, das eine möglichst große Bandbreite an Turbinen anfahren kann. Oder ob wir uns mit einem Partner verbinden, der verschiedene Schiffe für verschiedene Jobs bei verschiedenen Turbinen bereitstellen kann.

Dieses Interview ist Teil 1 eines Gespräches, das ERNEUERBARE ENERGIEN im Rahmen einer Reportage führte. Sie stellt den Wartungsdienst auf der Insel Borkum am Trianel-Windpark Borkum dar, der im Rahmen eines ungewöhnlich langen, zehnjährigen Instandhaltungsvertrages stattfindet. Die Reportage wird in der nächsten Ausgabe unseres Magazins erscheinen. Teil 2 des Interviews veröffentlichen wir kurz nach Erscheinen des Heftes in zwei Wochen.