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SPE: Erneuerbare mit Speichern halbieren Betriebskosten fürs Stromsystem in Europa

Der weitere Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion inklusive Batteriespeicher kann die Betriebskosten für das Stromsystem in Europa bis 2030 um die Hälfte senken. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung durch die Analyst:innen des Branchenverbandes Solarpower Europe (SPE). Voraussetzung ist, dass der Zubau von Photovoltaik, Windkraft und Speichern drastisch erhöht wird. Bei der weiteren Entwicklung wie bisher sinken die Kostenvorteile für den Betrieb des Stromsystems.

Ökostromanteil auf 68 Prozent steigern

Dieser beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien – hier primär Photovoltaik und Windkraft – bedeutet, dass der Anteil des Ökostroms an der Gesamtversorgung auf 68 Prozent steigt. Zum Vergleich: Bei dem derzeitigen Ausbautempo würde nur ein Ökostromanteil von 62 Prozent im Netz erreicht. Die Herausforderung ist, dass vor allem durch den Ausbau der Photovoltaik die Strompreise an den Börsen tief ins Minus rutschen. Das ist zwar für die Stromkund:innen positiv, hauptsächlich für die Industrie. Es ist aber unattraktiv für Investoren in die Solarenergie, da sie damit ihre Kraftwerke nicht refinanzieren können.

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Deshalb haben die Analyst:innen des Marktforschungsinstituts Rystad Energy im Auftrag von SPE einen optimalen Bereich gefunden, in dem der Ausbau so gestaltet werden kann, dass sowohl die Verbraucher:innen von sinkenden Strompreisen profitieren als auch die Investor:innen weiterhin ihre Solaranlage refinanzieren können.

Speicher mit mehr Volumen werden gebraucht

Entscheidend sind hier die Stromspeicher, die die Einspeisung von Sonnen- und Windstrom auf Zeiten verlagern, in denen er gebraucht wird. Dies reduziert die Preisschwankungen und sorgt sowohl für niedrige Preise als auch für ausreichend Erlöse für die Kraftwerksbetreiber. Dazu müssten Speicher mit einer Gesamtleistung von 171 Gigawatt aufgebaut werden, die zusammen 598 Gigawattstunden zwischenlagern können.

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Diese Daten zeigen, dass die Dauer, über die die Speicher die volle Leistung liefern können, länger werden müsste. Beim beschleunigten Ausbau – SPE nennt dieses Szenario Solar+ – müssten sie im Durchschnitt die Leistung über 3,5 Stunden bringen, während im normalen Szenario 2,3 Stunden ausreichen würden. Derzeit liegt die durchschnittliche Dauer, über die Speicher ihre volle Leistung bereitstellen, bei 1,9 Stunden.

Mehr Flexibilität ermöglichen

Sonja Risteska, Leiterin der Battery Storage Europe Platform, sieht in dem derzeit schon zügigen Ausbau von Batteriespeichern, der sich in den nächsten Jahren noch weiter beschleunigen wird, ein Zeichen, dass diese Systeme in der Energiewende eine wichtige Rolle spielen. „Der Ausbau tatsächlich 171 Gigawatt mit fast 600 Gigawattstunden in unserem Solar+‑Szenario zeigt einen echten Fortschritt hin zu einer größeren Systemflexibilität“, sagt sie. „Doch selbst dieses Szenario reicht nicht aus, um den Speicherbedarf zu decken, den Europa letztlich benötigt. Das unterstreicht die dringende Notwendigkeit stärkerer politischer Unterstützung, um Flexibilität in größerem Maßstab zu ermöglichen. Nur wenn diese Lücke geschlossen wird, können erneuerbare Energien den Verbrauchern in vollem Umfang Energiesicherheit, Versorgungsstabilität und bezahlbaren Strom bieten.“

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Strompreise sinken mit Erneuerbaren

Der beschleunigte Ausbau inklusive Speicher und Flexibilität aus der Sektorkopplung würde die Day-Ahead-Preise an den Strombörsen im Jahr 2030 um durchschnittlich 14 Prozent reduzieren, zeigt die Analyse. In Deutschland wäre der Strom an der Börse sogar um 25 Prozent günstiger. Gleichzeitig sinken die Stunden mit negativen Strompreisen auf unter 500 pro Jahr, was Sicherheit für die Investor:innen bedeutet.

55 Milliarden Euro pro Jahr einsparen

Zusätzlich würde der Ausbau in diesem Szenario – SPE nennt es Solar+ – die Betriebskosten für das gesamte europäische Stromsystem ab 2030 um 55 Milliarden Euro jährlich senken. Dies wäre ein Rückgang um 49 Prozent im Vergleich zu den heutigen Kosten. Getrieben wird die Kostensenkung vorwiegend durch vermiedene Importe fossiler Brennstoffe. Geht der Ausbau in dem Maße wie bisher weiter, sinken die Kosten für das Stromsystem nur um 33 Milliarden Euro ab 2030. „Ein Stromsystem auf Basis von erneuerbaren Energien ist erheblich kosteneffizienter als eines, das auf volatilen Preisen und dem Verbrennen von fossilen Brennstoffen beruht“, fasst Walburga Hemetsberger, Geschäftsführerin von SPE, die Ergebnisse zusammen. „Die Investition in Erneuerbare, Speicher und nicht-fossile Flexibilität lohnt sich in den kommenden Jahren, während Investitionen in fossile Brennstoffe Europas Stabilität und Unabhängigkeit aufs Spiel setzen“, warnt sie.

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Politik muss endlich handeln

Deshalb muss die Flexibilitätsstrategie der EU inklusive einer konkreten Batteriespeicherstrategie endlich beschlossen werden. Dabei müssen die Flexibilität bei der Netzausbauplanung, bei der Anpassung des Designs des Energiemarktes und bei den Regularien die entscheidende Rolle spielen. Außerdem müssen auf EU-Ebene Entscheidungen getroffen werden, um die Investitionen in Batteriespeicher abzusichern, fordert SPE.

Zur Flexibilitätsstrategie gehört auch die schnelle Elektrifizierung anderer Sektoren des Energiesystems. Diese muss Industrie, Verkehr und Gebäude umfassen, die ihren Energieverbrauch unter anderem über Preissignale steuern. Zusätzlich müssen endlich die preislichen Verzerrungen zwischen Strom und fossilen Brennstoffen beseitigt werden, fordert der Verband.

Den kompletten Bericht „Solar+: an EU pathway to achieve renewable targets, price affordability, and energy security“ finden Sie auf der Webseite von SPE zur Download.