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Energiebarometer zeigt: Fossiles Energiesystem ist Auslaufmodell

Knapp zwei Drittel der Bundesbürger:innen sehen, dass ein Energiesystem, das auf fossilen Brennstoffen wie Erdgas, Kohle und Öl basiert, langfristig nicht konkurrenzfähig ist. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des aktuellen Energiebarometers, das der Energieversorger Vattenfall veröffentlicht hat. Dazu haben die Marktforscher:innen von Statista im Auftrag von Vattenfall bundesweit 1.000 Personen befragt.

Demnach stimmen 65 Prozent der Aussage zu, dass ein fossiles Energiesystem langfristig nicht wettbewerbsfähig ist. Nur noch 35 Prozent teilen diese Ansicht nicht. „Fossile Brennstoffe wie Erdöl, LNG oder Steinkohle sind in Deutschland und Europa deutlich teurer als in anderen Erdteilen, weil sie importiert werden müssen“, begründet Robert Zuwarski, Deutschlandchef von Vattenfall, das Ergebnis. „Daher bin ich überzeugt: Nur ein dekarbonisiertes Deutschland und Europa werden langfristig wettbewerbsfähig sein – und zudem auch unabhängiger und resilienter“, betont er.

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Milliardenschwere Importe behindern Unabhängigkeit

Die Vorbehalte in der Bevölkerung gegenüber den fossilen Brennstoffen sind nicht unbegründet. So gibt Deutschland laut KfW jedes Jahr zwischen 60 und gut 100 Milliarden Euro für Importe fossiler Brennstoffe aus. Dieser Wert hat sich seit 2008 nicht wesentlich verändert – mit Ausnahme der Jahre der Corona-Pandemie, als die Importe bei gut 40 Milliarden Euro lagen, und der Energiekrise aufgrund des Überfalls Russlands auf die Ukraine. Damals stiegen die Importe auf schwindelerregende 146 Milliarden Euro, was die Notwendigkeit von mehr Resilienz eindrücklich zeigt. „Wenn wir es schaffen, stattdessen mehr Geld in Erneuerbare, Netze und Speicher zu investieren, liefert uns das nicht nur einmalig Energie, sondern Unabhängigkeit, langfristig günstigere Preise sowie eine hohe Verfügbarkeit von Energie und eine Infrastruktur für viele Jahre“, sagt Robert Zurawski.

Deutschland soll bis 2045 klimaneutral sein

Entsprechend groß ist die Unterstützung der Energiewende in der Bevölkerung. So geben 78 Prozent der Befragten an, dass es für Deutschland wichtig oder sehr wichtig sei, bis 2045 Klimaneutralität zu erreichen. Lediglich 22 Prozent halten dies für weniger oder nicht wichtig. „Viele Menschen spüren: Weniger Energiewende kann sich Deutschland langfristig nicht leisten“, fasst Zurawski die Ergebnisse zusammen. „Deshalb brauchen wir weiterhin einen konsequenten und schnellen Ausbau von Wind- und Solarenergie, flexiblen Speichern und Netzen sowie mehr Flexibilität auch auf der Nachfrageseite.“

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Unklare politische Vorgaben in der Kritik

Die Bundesbürger:innen kritisieren zudem den Schlingerkurs der Bundesregierung als einen relevanten Grund, dass die Energiewende nicht so schnell vorankommt, wie es notwendig wäre. So bemängeln 49 Prozent der Befragten die unklaren politischen Vorgaben. Schwerwiegendere Bremsen sehen sie in den hohen Kosten für Industrie und Konsumenten sowie in zu viel Bürokratie und Regulierung. An diesen Punkten sehen 59 und 58 Prozent die höchsten Hürden.

Lange Genehmigungsprozesse und verschlafener Netzausbau

Für 46 Prozent der Befragten sind auch die langen und komplexen Genehmigungsprozesse von Energiewendeprojekten ein entscheidender Faktor, warum der Umstieg auf Erneuerbare in allen Sektoren nicht schnell genug vorangeht. „Auch aus Sicht von Vattenfall sind das konkrete Herausforderungen, an denen die Politik arbeiten muss“, fordert Zurawski. „Denn Energiewende-Investoren wie Vattenfall brauchen in erster Linie Planungssicherheit.“
Außerdem sehen 42 Prozent den zu langsamen Ausbau der Stromnetze als Hindernis für die Energiewende. Aber auch lokaler Widerstand gegen Projekte der Energiewende verhindert, dass Deutschland unabhängiger von teuren fossilen Importen wird. Immerhin 35 Prozent der Befragten sehen dieses Problem.

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Förderungen sollen erhalten bleiben

Die weitere Förderung von grünem Strom unterstützen 80 Prozent der Befragten. Nur 20 Prozent sprechen sich für ein Ende der Förderung aus. „Unsere Solarparks und Offshore-Windparks bauen wir heute schon größtenteils ohne direkte staatliche Förderungen. Zugleich brauchen wir auch weiterhin einen verlässlichen Investitionsrahmen, um das Ausbautempo für einen Erneuerbaren-Anteil von 80 Prozent am Strommix im Jahr 2030 halten zu können“, beschreibt Zurawski die Situation auf Investorenseite.

Haushalte bei der Stromsteuersenkung übergangen

Kritik üben die Bundesbürger:innen auch an dem nicht gehaltenen Versprechen der Bundesregierung, die Energiepreise für alle zu senken. So sind 70 Prozent der Befragten der Ansicht, dass alle Haushalte von einer Absenkung der Stromsteuer auf das EU-Mindestmaß profitieren sollten. Laut aktueller Regelung profitieren davon hauptsächlich das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft.

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Schnellere Energiewende in Verkehr und Gebäuden

Dabei gönnt die Mehrheit der Befragten der Industrie die Rabatte bei der Stromsteuer. Nur 26 Prozent sind der Ansicht, dass davon vor allem Haushalte profitieren sollten. Dennoch ist der Unmut groß, dass die Bundesregierung die Haushalte übergangen hat. Zumal eine Absenkung der Stromsteuer direkt auf das Konto der Energiewende einzahlen kann. „Gerade für klimafreundliche Mobilitäts- und Wärmelösungen wäre eine Reduzierung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß für alle Verbraucher sinnvoll“, kritisiert der Deutschlandchef von Vattenfall die aktuelle Regelung. „Günstigere Strompreise würden der Elektromobilität und der Nachfrage nach Wärmepumpen einen deutlichen Anschub geben“, ist er sicher.

Ambivalent sehen die Bundesbürger:innen die Unterstützung der Industrie mit der Gießkanne. Sond sind 28 Prozent der Befragten der Ansicht, dass vor allem Unternehmen weniger Stromsteuer zahlen sollten, die in energieeffiziente Technologien investieren. Mit 27 Prozent sprechen sich fast genauso viele für eine pauschale Entlastung aller Unternehmen bei der Stromsteuer aus.