Mit Blick auf die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die Energiewende zu bremsen, fordern Wirtschafts- und Verbraucherverbände, dass Solaranlagen auf Dächern weiterhin eine Einspeisevergütung bekommen.
Die Photovoltaik sichere Wirtschaftsunternehmen sowie Verbrauchern dauerhaft günstige Strompreise durch ihre preisdämpfende Wirkung an der Strombörse, begründen die Verbände in ihrem offenen Brief die Forderung. Außerdem ermögliche die eigene Photovoltaikanlage Millionen Bürgern eine aktive Teilnahme an der Energiewende und genieße höchste Akzeptanzwerte in der Bevölkerung.
Voraussetzungen für systemdienlichen Ausbau schaffen
Zu den Unterzeichnern des Appells gehören führende Verbände des Mittelstands, der Wohnungswirtschaft, des Verbraucherschutzes, der Umwelt, der Elektro- und Digitalindustrie, des Elektrohandwerks, der Energiedienstleistungen und des Contractings, der Bürgerenergie und Energiegenossenschaften sowie der erneuerbaren Energien und Speicherbranche. Sie sprechen sich für eine Beibehaltung der Ausbauziele für erneuerbare Energien aus.
Energiedialog: Staatssekretär spricht über EEG-Pläne und Kraftwerksstrategie
Die Verbände fordern eine Nachjustierung, statt stumpf auf Einschnitte im Förderrahmen für die Photovoltaik zu setzen. Das Bundeswirtschaftsministerium sollte primär daran arbeiten, geeignete Voraussetzungen für einen systemdienlichen Solarausbau zu schaffen.
Marktrückgang befürchtet
Die Unterzeichner des Appells gehen davon aus, dass sich ohne einen attraktiven Förderrahmen der Photovoltaikzubau im Heimsegment mehr als halbieren dürfte. Dies geht aus einer Umfrage von Yougov im Auftrag des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) unter privaten Immobilienbesitzern hervor.
EU-Kommission nickt Reiches Gaspläne ab – auf Kosten der Stromverbraucher
Dieses zeigt, dass nur noch zwölf Prozent derjenigen, die eine Investition in die Photovoltaik beabsichtigen, dies auch ohne oder mit geringerer Vergütung tun würden. Bei Mehrfamilienhäusern würden die Ausbauzahlen auf niedrigem Niveau stagnieren. Dies würde die Klimaziele gefährden und die Abhängigkeit von teuren fossilen Energieträgern verlängern, warnen die Verbände.
Privatsegment ohnehin schon geschwächt
Aus Analysen des BSW-Solar von Zahlen der Bundesnetzagentur geht hervor, dass die private Nachfrage nach Solardächern im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ohnehin schon um rund 25 Prozent gesunken ist. In einer derartigen Marktlage wäre eine weitere Verschlechterung der Rahmenbedingungen zwangsläufig Gift, warnt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Verbands.
80 Prozent verlangen schnelleren Solarausbau
Das Bundeswirtschaftsministerium würde mit der Abschaffung der Einspeisevergütung für Solarstrom zudem gegen den Willen der Bevölkerung handeln. Denn rund 80 Prozent der Bundesbürger:innen gaben in einer Befragung an, dass die aktuelle Bundesregierung den Ausbau der Solarenergie eher beschleunigen oder auf aktuellem Niveau weiterführen soll. Dabei gab es keine großen Unterschiede zwischen den Wählern der Regierungsparteien CDU/CSU (86 %) oder SPD (88 %).
Solarzubau in Deutschland bleibt 2025 stabil bei 17,5 Gigawatt
Verbände vertreten 20 Millionen Bundesbürger:innen
Zu den Erstunterzeichnern des Verbändeappells zählen neben dem BSW-Solar auch die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV), der Immobilienverband Haus & Grund (H&G), der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI), der Bundesverband der Energie-Abnehmer (VEA), der Verband für Energiedienstleistungen, Effizienz und Contracting (VEDEC), der Bundesverband Wärmepumpe (BWP), der Deutsche Naturschutzring (DNR) als maßgeblicher Dachverband der Umweltverbände in Deutschland, der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) und das Bündnis Bürgerenergie (BBEn). Diese Verbände vertreten zusammen über 20 Millionen Einzelmitglieder, darunter über 50.000 Unternehmen.
Den Verbändeappell „Gebäude-Photovoltaik muss zentrale Säule der Energiewende bleiben“ finden Sie unter anderem auf der Internetseite des BSW-Solar.