Foto: hagedorn

Rückbau und Recycling

Alter Windkraftturm wird Schotterpiste

Wer seine Altanlage zurückbauen will, sollte sich vorher gut informieren. Gerade beim Turm kann man Geld sparen.

Nicole Weinhold

Ralf Voßhenrich, bei der Firma Hagedorn Leiter des Bereichs Windkraft, gibt Tipps zu Fundamentrückbauten, Demontage und Flügelentsorgung.

Welche Vorkehrungen müssen für den Rückbau getroffen werden?

Ralf Voßhenrich: Im Normalfall wird die Anlage genauso zurückgebaut wie sie aufgebaut wurde. Zu den Vorbereitungen für den Rückbau gehört das Organisieren von Entsorgungswegen. Die eigentliche Demontagearbeit kaufen wir als Abrissunternehmen derzeit noch zu. Da gibt es Firmen, die sind auf Enercon spezialisiert, andere auf Dewind und so weiter.

Wie kann der Betreiber Kosten sparen?

Ralf Voßhenrich: Gerade wenn wir von großen Parks sprechen, kann man da einiges tun. Wenn ich einen Park mit 15 Anlagen habe, dann fällt eine riesige Menge Betonaufbruch an. Da kann man im Vorfeld schon eruieren: Kann ich das als Recyclingmaterial für den Wegebau für die Neuanlagen im Repowering verwenden? Dann ist es oftmals sinnvoll, erst die Altanlage abzubauen, das Material für den Wegebau der Neuanlage zu nutzen und diese dann erst zu errichten. Im schlimmsten Fall fahren Sie sonst teuren Schotter für die Neuanlage an, bauen danach die Altanlage ab und fahren dann eigentlich guten, recycelbaren Bauschutt weg und entsorgen diesen teuer.

Aber kann Beton von Fundament und vor allem Turm trotz der Beschichtung so verwendet werden?

Ralf Voßhenrich: Das ist regional sehr unterschiedlich. In den Ballungsgebieten, Ruhrgebiet oder so, zahlen Sie 20 Euro die Tonne, und je mehr Sie in den Norden kommen, wo Naturschotter fehlt, wo Mittelgebirge mit ihren Steinbrüchen nicht in der Nähe sind, wo Schotter aus Skandinavien per Schiff kommen muss, sind die Nutzungsvorgaben nicht so streng. Was schadet der Natur mehr? Abbau und Verschiffung oder ein Beton, der recycelt und selbstverständlich gemäß RC-Richtlinie oder LAGA-Richtlinie analysiert und wiederverwendet wird. Ein Rechenbeispiel: Zehn Anlagen E-66 auf einem 88-Meter-Betonturm: Da sprechen wir von 27.000 Tonnen Beton. Das sind 1100 Lkw-Ladungen. Man muss sich also Gedanken machen, was mit dem Material passieren soll, bevor ich dann pro Tonne zehn Euro oder mehr dafür zahlen muss. Es ist Aufgabe des Betreibers, dieses Rechenexempel vorher durchzugehen und zu sagen: Vielleicht schalte ich meine Anlagen doch ab, bevor die neuen Maschinen aufgebaut werden. Dann habe ich zwar weniger Stromertrag, aber gutes Material für den Bau von neuen Parks. Das sollte man im Vorfeld überlegen. Wenn am Ende das Material vor Ort liegt, dann ist die Frage, wie viel Zeit man noch hat, bis die Behörden sagen, das muss weg.

Welchen finanziellen Unterschied macht es, ob man einen Stahl- oder Betonturm zurückbaut?

Ralf Voßhenrich: Auch wenn ich den Stahlturm und die Gondel verkaufe, kostet der Rückbau immer noch einiges. Der Betonturm kostet aber mehr. Das kann ein Delta sein von bis zu 150.000 Euro. Das kommt auf das Rückbauverfahren des Betonturms an: Ob ich ihn Segment für Segment zurückbauen muss, ob ich ihn sprengen kann oder mit einer Abrissbirne runterbringe. Wie teuer der Rückbau insgesamt ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Zum Beispiel variiert auch der Schrottpreis stark. Derzeit sind es 200 Euro pro Tonne, es waren aber auch schon 400 oder auch 90 Euro.

Was muss bei der Wahl des Verwertungsdienstleisters beachtet werden?

Ralf Voßhenrich: Es sollte ein Fachunternehmen sein. Sprich: Es sollte als Abfallentsorger auch auftreten dürfen und entsprechende Zertifikate vorweisen. Der Betreiber sollte am Ende des Tages eine Wiegekarte vorweisen mit korrekter Abfallschlüsselnummer. Denn das wollen später auch die Behörden sehen. Hessen hat jetzt angefangen, Abbruchgenehmigungen einzufordern. Das war vorher nicht üblich. Wenn Teile verkauft wurden, muss man dafür einen Kaufvertrag vorlegen können. Wo ist das Öl, wo das Schutzgas geblieben? Von uns kriegt der Betreiber ein Entsorgungstagebuch. Eine tabellarische Aufschlüsselung, was wo in der Endverwertung über die Waage gegangen ist.

Es gibt ja jetzt eine Vereinigung, die für den Aufbau von Standards plädiert. Sinnvoll?

Ralf Voßhenrich: Ich bin mit im Vorstand. Was soll ich sagen? Der RDR Wind ist eine gute Idee. So werden Standards und Sicherheit geschaffen. Man kann den normalen Abbruch nicht auf Windkraft übertragen. Es gibt eine DIN-Norm für normalen Abbruch und genauso brauchen wir so etwas für die Windkraft.

Rückbau, Verwertung und Recycling von Windenergieanlagen heißt ein BWE-Seminar am 19. Juni in Berlin. Dort wird Ralf Voßhenrich von der Firma Hagedorn wichtiges Wissen rund um diese Themen vermitteln. Hier weitere Infos.

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