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Kommentar zu Wind im Wald

Umfrage gegen Waldwindkraft

Windturbinen im Wald werden von 79 Prozent der Befragten einer neuen repräsentativen Emnid-Umfrage abgelehnt. Auftraggeber ist (mal wieder) die Deutsche Wildtier Stiftung mit Fritz Vahrenholt. Mein Vorschlag: Die Menschen bitte auch über den Unterschied zwischen Fichtenmonokultur und Naturwald informieren!

DNR - Windräder im Wald
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Die Umfrage der Windtier Stiftung ist durch die Medien gewandert wie ein Aufschrei! Auf die Frage: "Für den Ausbau der Windenergie sollten generell keine Waldgebiete verschwinden oder zerschnitten werden", antworteten 79 Prozent der Befragten: "Dem stimme ich zu!" Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung, kommentiert das Umfrageergebnis: "Die Menschen in Deutschland wollen nicht, dass der Wald einer eindimensionalen Klimapolitik geopfert wird." Was für eine Frace! Und eine solche Umfrage gilt als repräsentativ. Schon allein die Fragestellung ist zweifelhalft gefärbt.

Darum an dieser Stelle ein bisschen Aufklärungsarbeit für diejenigen, die gegen Windkraft im Wald sind: Es gibt nicht "den Wald". Man muss unterscheiden! In Deutschland gibt es nur noch kleinste Reste von naturbelassenem Urwald, der selbstverständlich geschützt werden muss und in dem natürlich keine Windkraft gebaut wird. Die meisten Wälder dagegen werden seit Jahrhunderten bewirtschaftet.

Weihnachtsbaum-Monokultur

Häufig ist Waldwirtschaft aber nicht naturnah. Viele Wälder bestehen nur aus Nadelbäumen, die in Reih und Glied gepflanzt sind. Solche Wälder nennt man Monokultur. Das bedeutet, dass hier nur eine einzige Baumart wächst. Nadelbäume haben für den Waldbesitzer große Vorteile: Sie wachsen schnell und können gut verkauft werden - zum Beispiel als Weihnachtsbäume oder für Ikea-Möbel. Nachteil: In ihnen können sich Schädlinge rasch verbreiten und sie sind sturmanfällig.

Auf natürliche Weise aber würde in Deutschland meistens Mischwald mit einem hohen Anteil von Buchen wachsen. Mischwälder sind robuster und langlebiger als Nadelwälder. Außerdem leben dort viel mehr verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Aber Laubbäume brauchen eben auch viel mehr Zeit zum Wachsen als ein Nadelbaum. Für den Waldbesitzer bedeutet das, dass er länger warten muss, bevor er die Bäume aus seinem Wald fällen und verkaufen kann.

Standortuntersuchungen und Ausgleichsmaßnahmen

Windpark Harzkopf 2013
Windpark Harzkopf 2013
Windpark Harzkopf 2013 - Windpark Harzkopf in Hessen.
Windpark Harzkopf in Hessen.
Nordex SE

Windturbinen werden nicht in Naturwald, sondern vor allem in Nadelbaum-Monokultur, also Nutzwald mit keinerlei ökologischem Wert, errichtet. Davon gibt es sehr viel in Deutschland. 98 Prozent des deutschen Waldes wird von angepflanzten Monokulturen aus Fichten oder Kiefern sowie meist intensiv bewirtschafteten Misch- oder Laubwäldern dominiert. Nachtrag: Ein Leser wies mich darauf hin, dass im Barnim/Brandenburg 261 Hektar Buchen-Eichen-Nadel-Mischwald im Naturparks Barnim von einer Windpark-Planung betroffen sind. Es sollte natürlich auch nach meiner Ansicht besser nur Monokultur oder Sturmschadengebiet genutzt werden. Zudem hat der Leser Recht, dass auch die Monokultur als Wald dahingehend noch einen Wert hat, dass er CO2 bindet, kühlt und die Luft befeuchtet. Dazu fällt mir dann aber auch noch ein, dass es natürlich schlechter ist, die Windkraft auf zehn Kilometer von Wohngebieten zu verbannen und somit praktisch in Richtung Wald zu treiben.

Schade, dass es so einfach ist, die Bevölkerung gegen die Windkraft aufzuwiegeln! Tatsächlich ist es so - das weiß Herr Vahrenholt als Ex-Windkraftfirmen-Chef - dass jeder Planer heute strenge Standortuntersuchungen machen lassen muss, bevor es eine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz gibt. Vogelzählungen inklusive. Und es werden nur Standorte für die Windkraft ausgewiesen, die eben keine wertvollen Naturwälder enthalten. Darüber hinaus sind stets Ausgleichsmaßnahmen für die Natur fällig - etwa Mischwald- oder Heckenpflanzung, Vogelhäuser, Fledermaushöhlen...

Außerdem geht es darum den Klimawandel durch Effizienz, Energiesparen und erneuerbare Energien zu stoppen. Der Klimawandel durch die Verbrennung von Kohle und Öl sorgt für ein Artensterben.So kommt eine globale Modelluntersuchung zu dem Ergebnis, dass schon bis 2050 ein erheblicher Teil der heutigen auf dem Land lebenden Arten dem Klimawandel zum Opfer gefallen sein könnte ("Extinction risk from climate change"). Bei einer mittleren Änderung des Klimas könnten das 24 Prozent, bei einer geringen Änderung 18 Prozent und bei einer stärkeren Änderung des Klimas 35 Prozent sein. Und wenn es um das Wohl und Weh seltener Vogelarten geht: Heute ist übrigens die Landwirtschaft der größte Feind für die Vogelwelt.

Kommentar Nicole Weinhold
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(Nicole Weinhold)