Foto: KfW

PV-Schienenverkehr

Billiger Sonnenstrom boomt in Indien

Der Preisverfall der Photovoltaik sorgt in Indien für einen Boom. In Städten bringen Erneuerbare auch den Nahverkehr auf Trab.

Oliver Ristau

Einer überholt rechts, ein anderer weicht nach links aus: Artistisch schlängeln sich Rikschas und Motorräder durch den verstopften Verkehr von Nagpur. Wie in vielen indischen Millionenstädten ist die Luft in den Straßen schwer von Abgasen. Die Fahrer der Zweiräder schützen sich mit Atemmasken.

Künftig wird die Photovoltaik (PV) in der zentralindischen Stadt für bessere Luft sorgen. Denn sie soll Bahnstrom produzieren und so die erste Metrolinie von Nagpur antreiben. In der mehr als zwei Millionen Einwohner großen Industriestadt gibt es mit Ausnahme weniger Busse bisher keinen öffentlichen Nahverkehr. Das soll sich ab 2020 ändern, wenn die Züge täglich auf rund 1.000 Stelzen aus Stahl und Beton hoch über dem übrigen Verkehr entlangrauschen und 380.000 Passagiere befördern.

Für die strategische Planung des Viadukts bei der regionalen Verkehrsgesellschaft Maha Metro ist Subramaniam Ramnath verantwortlich. Auf dem Werksgelände in der Innenstadt steht das Modell einer bunten Lokomotive im gleißenden Sonnenlicht. Direkt daneben: eine Schautafel, auf der die Funktionsweise der PV erklärt wird. „Mit der Solarenergie werden wir 65 Prozent unseres gesamten Energiebedarfs decken“, sagt er. Dafür wird auf jedem Dach der 38 Bahnhöfe ein Solarkraftwerk mit je gut 130 Kilowatt (kW) Leistung aus indischer Produktion installiert. Zusammen mit Solarmodulwänden entlang der Bahnstrecke will Maha Metro so zunächst 14 Megawatt (MW) an PV-Leistung aufbauen, die später auf 25 MW erweitert werden. Dabei übernimmt ein externer Dienstleister Installation und Betrieb. Maha Metro werde für den Solarstrom umgerechnet fünf Eurocent je Kilowattstunde zahlen, rechnet Ramnath vor. Das sei deutlich weniger, als sie für den übrigen Strom zahlen müsse, den sie aus dem Netz beziehe. Der kostet rund zwölf Cent.

Für die Regierung in Neu-Delhi ist die Metro von Nagpur ein Vorzeigeprojekt, um die Pläne umzusetzen, 100 Städte im Land in Smart Cities zu verwandeln, also mit intelligenten Lösungen Energie effizient und sauber zu erzeugen.

Die geplante Solarbahn ist ein Vorreiter. Nur in der Hauptstadt selbst gibt es ein Vergleichsprojekt. Die Metro der 15-Millionen-Metropole Delhi hat bereits 20 MW Solarenergie installiert und baut auf 50 MW aus. Die Anlagen sollen bis 2021 auf Flachdächern der Stationen, der Fahrzeugdepots und sonstiger Gebäude installiert werden, erklärt das Unternehmen. Darüber hinaus plant die Delhi Metro Rail Corporation (DMRC), Solarstrom von Parks mit circa 500 MW im Land zu beziehen, um den gesamten Energiebedarf bis 2025 CO2-neutral decken zu können.

Indien braucht erneuerbare Energien, um weiteres Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum nicht auf Kosten des Klimas und der Gesundheit der Stadtbevölkerung zu erkaufen. Deshalb hat die amtierende Regierung den Ausbau von Wind und PV zur Chefsache erklärt. Seit 2014 haben sich die.

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