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55 Millionen Fahrzeuge in Deutschland

Biosprit einzige Chance zur CO2-Reduktion im Pkw-Bestand

CO2-Reduktion im Verkehr ist bisher nicht gelungen. E-Mobilität und Wasserstoff sind die Zukunft, Biosprit die Brücke dorthin.

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Teller-Tank, Monokultur – Biosprit hat keinen allzu guten Ruf in Deutschland. Welche Rolle spielen Agrodiesel und Ethanol in der Mobilitätswende? AEE-Pressereise, Busfahrt nach Schwedt: Dort hat Verbio seine Biokraftstoffproduktion. Während der Fahrt strahlen uns immer wieder knallgelbe Rapsfelder an. Raps ist die am häufigsten eingesetzt Ackerfrucht für Agrosprit.

Monokultur in Gelb: Biosprit aus Raps

Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Biokraftstoffindustrie, versichert, Raps werde nur alle drei bis vier Jahre auf derselben Fläche angebaut, um den Boden nicht zu sehr auszulaugen. Fest steht aber auch, dass die Zahl der Insekten deutlich größer war, als die Bauern für Brachflächen von der EU bezahlt wurden. Der Anbau für Biosprit hat wie die Lebensmittelindustrie mit ihren Pestiziden und ihrer Landnahme zum Insektensterben beigetragen. Und was die Konkurrenz zur Nahrungsmittelindustrie anbelangt, so ist bekannt, dass anderen Faktoren eine enorme Rollen spielen, Raps aber nicht: Preistreiber für Getreide am Weltmarkt sind vor allem Börsenspekulationen. Globale Verschiffung von Getreide wird vor allem von der Fleischindustrie gepuscht, die in der Massentierhaltung vor allem Soja verfüttert.

Brückentechnologie zur CO2-Reduktion im Straßenverkehr

Ohnehin sieht selbst Verbio Biosprit nur als eine Brückentechnologie in der Mobilität, bis E-Fahrzeuge und Wasserstoff so weit sind, diese Rolle auszufüllen. Die EU hat sich schon vor Jahren gegen eine Ausweitung von Agrokraftstoffen entschieden.

Aber wie soll die Mobilitätswende gelingen? Der Ausstoß von Klimagasen ist im deutschen Straßen-, Schienen-, Luft- und Seeverkehr seit 2012 um zehn Prozent gestiegen – auf 163 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. 2018 waren es magere fünf Tonnen weniger. Dafür stieg der Biospritabsatz um 160.000 Tonnen. „Effizienzgewinne werden in der Mobilität sofort wieder durch Rebound-Effekte verschlungen“, so Baumann. Sprich: Die Menschen fahren immer größere SUV, der Flugverkehr hat drastisch zugenommen, insgesamt nimmt der Individualverkehr immer weiter zu. Den größten Anteil in der EU hat der Straßenverkehr mit 82 Prozent, aber der Flugverkehr hat sich seit 2014 verdoppelt.

14 Prozent Erneuerbare in der Mobilität bis 2030

Baumann verweist aber auch darauf, dass es längst ein europäisches Regelwerk gibt, um die Mobilität in eine saubere Richtung zu lenken. „Derzeit wird der CO2-Preis auch im Verkehr diskutiert, dabei gibt es schon einen Klimaschutzplan. Es gibt den Emissionshandel und das Effortsharing.“ In diesem Plan werden Landwirtschaft, Gebäude und Verkehr Ziele zugewiesen. So soll der Regenerativanteil bis 2030 auf 14 Prozent steigen. Bis 2020 sollten es zehn Prozent Erneuerbare im Verkehr sein. Das schaffen nur Schweden und Österreich. Biosprit wird für das Erreichen des 2030-Ziels nur eine untergeordnete Rolle spielen, denn 2018 ist die EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie verabschiedet worden, die unter anderem festlegt, dass der Anteil aus konventionellem Biosprit ab 2021 nur einen Prozent höher liegen darf als 2020. Zunehmen darf der Anteil von Sprit aus Reststoffen wie Abfall und Stroh, sowie E-Mobilität. Auch Verbio produziert schon Sprit aus Stroh, und ist gerade dabei, sich auf diesem Gebiet breiter aufzustellen.

Flottengrenzwerte sinken rasant

Gleichzeitig sinken die Flottengrenzwerte in der EU. Neu zugelassene Pkw dürfen nicht mehr als 95 g CO2 pro Kilometer ausstoßen. Und aufgepasst: 2025 müssen 15 Prozent weniger sein, 2030 sogar 37,5 Prozent. „Drastisch“ nennt Baumann das: „Das wird nur durch einen steilen Anstieg der Elektromobilität zu schaffen sein.“

Bis 2014 gab es eine Förderung für Biokraftstoffe. Jetzt wird danach gefragt, wie viel CO2 der Biokraftstoff einspart. „Man wird heute keinen Biokraftstoff mehr los, der weniger als 60 Prozent weniger CO2 produziert als fossiler Kraftstoff“, so Baumann. Zudem sind die Biokraftstoffe seit 2011 zertifiziert, das heißt, sie sollten nicht aus Palmöl sein, für das illegal Regenwälder gerodet wurden. Aber die Kontrollen gestalten sich schwierig.

Ambitionierterer Anteil Erneuerbarer im Verkehr gefordert

Heute kommt Deutschland auf sieben Prozent Agrosprit. Baumann fordert ein ambitionierteres Biokraftstoffziel als die 14 Prozent bis 2030. Er sieht Biosprit als wichtige Übergangstechnologie. Denn: In Deutschland sind derzeit 55 Millionen Fahrzeuge unterwegs, davon 44 Millionen Pkw. Auch 2030 werden es immer noch rund 40 Millionen Pkw mit Verbrennungsmotor sein. Man müsse den Bestand ansprechen, so Baumann, wenn man einen deutlichen Anteil Dekarbonisierung bei Fahrzeugen erreichen will. Denn weder E-Mobilität noch Wasserstofffahrzeuge werden so schnell einen nennenswerten Anteil erreichen.

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