Die Wind Energy Hamburg wird vom 22. bis 25. September 2026 erneut zum zentralen Networking-Hub für Experten, Unternehmen und Investoren aus der ganzen Welt.
Leitmesse Wind Energy Hamburg verbindet Innovationen für On- und Offshore, digitale Lösungen, Jobs und den Blick auf Weltmärkte.
Nicole Weinhold
Wenn sich die internationale Windindustrie vom 22. bis 25. September in Hamburg trifft, geht es um weit mehr als neue Turbinen, Komponenten und Dienstleistungen. Die Windenergy Hamburg will die gesamte Wertschöpfungskette der Branche zusammenbringen – von Projektentwicklung, Finanzierung und Produktion über Installation, Netzanbindung und Betrieb bis hin zu Digitalisierung, Speicherung und Personalgewinnung. Mehr als 1.600 Ausstellende aus rund 40 Ländern werden erwartet. Die Messe versteht sich damit als Ort, an dem Unternehmen, Politik, Wissenschaft und Verbände Lösungen für die drängenden Fragen der Energiewende entwickeln.
Die Herausforderungen sind gewachsen: Lieferketten bleiben angespannt, Kosten und Zinsen belasten Investitionen, Genehmigungsverfahren dauern vielfach zu lange, während der Ausbau der Stromnetze mit dem Tempo beim Zubau erneuerbarer Energien Schritt halten muss. Zugleich ist der Bedarf an klimafreundlichem, möglichst unabhängig erzeugtem Strom größer denn je. Die Hamburger Messe setzt deshalb auf einen breiten Ansatz:
Innovationen in den Hallen, Debatten auf den Bühnen und direkte Begegnungen zwischen etablierten Marktführern, Start-ups, Investoren sowie Nachwuchskräften sollen die Branche handlungsfähiger machen.
Die Messe als Schaufenster für die Windindustrie von morgen
Im Zentrum der Windenergy Hamburg steht die Frage, wie sich Windenergie effizienter, verlässlicher und wirtschaftlicher ausbauen lässt. Dabei zeigt sich zunehmend, dass die Energiewende nicht allein mit größeren Anlagen gelingt. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus leistungsfähiger Hardware, intelligenten Netzen, Speichern und digitalen Werkzeugen. Erstmals erhält das Thema Energiespeicherung mit der Energy Storage Area einen eigenen Schwerpunkt. Dort stehen Technologien im Fokus, die schwankende Erzeugung besser in das Energiesystem integrieren und Windstrom dann verfügbar machen sollen, wenn er gebraucht wird.
1600 ausstellendeUnternehmen aus 40 Ländern, davon 60 Prozent Onshore, 40 Prozent Offshore, werden in diesem Jahr in Hamburg erwartet. 30 Nationenpavillons sind geplant.
Ein zweites Schlüsselthema ist künstliche Intelligenz. In einem eigenen Bereich in Halle A3 präsentieren Unternehmen Anwendungen für datengetriebene Wartung, präzisere Windprognosen, effizientere Parksteuerung und automatisierte Fehleranalyse. Solche Systeme sollen helfen, Anlagenzustände frühzeitig zu bewerten, Stillstände zu vermeiden und die Stromausbeute zu steigern. Der japanische Aussteller Blue WX etwa setzt auf Deep Learning für standortspezifische Windvorhersagen. Mes H Engineering will mit einer KI-gestützten Parkregelung Strömungsverluste zwischen einzelnen Anlagen verringern. Andere Anbieter konzentrieren sich auf die Auswertung technischer Dokumentationen oder auf die Analyse von Sensor- und Kameradaten.
Die Digitalisierung verändert damit nicht nur einzelne Arbeitsschritte, sondern den Betrieb von Windparks grundlegend. Akustische Sensoren können Schäden an Rotorblättern erkennen, bevor sie sich zu kostspieligen Reparaturen auswachsen. KI-Systeme identifizieren ungewöhnliche Temperaturverläufe oder Leistungseinbrüche und unterstützen Servicekräfte bei Diagnose und Einsatzplanung. In der Produktion helfen computerbasierte Prüfverfahren, sicherheitskritische Montageschritte zu kontrollieren. Die Messe zeigt somit, wie aus großen Datenmengen konkrete betriebliche Vorteile entstehen können – vorausgesetzt, Betreiber, Hersteller, Zulieferer und Softwareunternehmen arbeiten eng zusammen.
Onshore und Offshore: Zwei Märkte, ein gemeinsames Ziel
An Land bleibt Windenergie die tragende Säule des weltweiten Ausbaus Erneuerbarer. Der überwiegende Teil der neu installierten Windkraftleistung entfällt auf Onshore-Projekte, denn sie lassen sich immer noch schneller und kostengünstiger realisieren als Anlagen auf See. Auf der Windenergy Hamburg ist diese Gewichtung sichtbar: Rund 60 Prozent der Ausstellenden ordnen sich dem Onshore-Segment zu. Dennoch geht es längst nicht nur um den Neubau. Gerade in Ländern mit knappen Flächen und begrenzten Netzkapazitäten wird Repowering zum entscheidenden Hebel. Alte Anlagen werden durch moderne, deutlich leistungsstärkere Turbinen ersetzt, die mit größeren Rotoren und höheren Nabenhöhen mehr Energie am selben Standort erzeugen können.
Hersteller wie Enercon oder Nordex stehen beispielhaft für diesen Trend zu leistungsfähigen Anlagen der neuen Generation. Moderne Onshore-Turbinen sollen nicht nur an windstarken Küstenstandorten, sondern auch in Schwachwindregionen wirtschaftlich arbeiten. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an die Integration ins Stromsystem. Flexible Betriebsweisen, digitale Steuerung, Speicheranbindung und die Abstimmung mit dem Netz werden für Projektierer und Betreiber wichtiger. Onshore-Wind steht daher für eine vergleichsweise kostengünstige Stromquelle, aber auch für die Aufgabe, Genehmigungen, Akzeptanz und regionale Wertschöpfung besser miteinander zu verbinden.
Zudem wird die Kombination von Wind, PV und Speicher immer wichtiger. Uniper Renewables (Stand A3.561) gestaltet flexible Energielösungen. Das Unternehmen plant nicht nur Projekte, sondern bringt sie verlässlich zur Umsetzung und investiert gezielt in Solar- und Onshore‑Windprojekte sowie Co-Location-Speicherlösungen in ausgewählten europäischen Kernmärkten. Ziel ist es laut Uniper, erneuerbare Energie skalierbar, kosteneffizient und systemrelevant voranzubringen sowie die nächste Phase der Energiewende durch Systemintegration aktiv mitzugestalten.
43 Tausend Teilnehmende aus rund 100 Ländern kommen in diesem Jahr in den Hamburger Messehallen auf 83.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in elf Hallen, davon drei doppelgeschossig, zusammen.
Offshore-Wind bringt andere Dimensionen und andere Risiken mit sich. Die Anlagen auf See liefern hohe Erträge und können einen wichtigen Beitrag zur Versorgung großer Industrieregionen leisten. Doch die Projekte sind technisch komplex: Fundamente, Spezialschiffe, Hafeninfrastruktur, Kabelsysteme, Umspannplattformen und Netzanschlüsse müssen präzise ineinandergreifen. Hinzu kommen hohe Investitionssummen, lange Entwicklungszeiten und ein Marktumfeld, das durch gestiegene Kosten sowie unsichere politische und regulatorische Rahmenbedingungen belastet ist. Gerade deshalb gewinnt ein ganzheitlicher Blick auf den gesamten Lebenszyklus eines Projekts an Bedeutung.
Die Windenergy Hamburg will diese Schnittstellen sichtbar machen. Reedereien, Installationsspezialisten, Kabelverleger, Zertifizierer, Netzbetreiber und Projektentwickler treffen auf Hersteller und öffentliche Akteure. Beispiele wie der geplante Windpark Gennaker in der Ostsee verdeutlichen, wie viele internationale Unternehmen bei einem einzigen Großprojekt zusammenwirken. Für die Branche geht es nicht nur darum, neue Kapazitäten zu errichten, sondern auch darum, industrielle Kompetenzen in Europa zu sichern, Lieferketten widerstandsfähiger zu gestalten und die Netzanbindung schneller voranzubringen. Onshore und Offshore folgen dabei unterschiedlichen Logiken – doch beide sind auf verlässliche politische Leitplanken, qualifizierte Fachkräfte und funktionierende Infrastruktur angewiesen.
Recruiting Days: Die Energiewende braucht Fachkräfte
Technologie allein baut keinen Windpark. Für die ambitionierten Ausbauziele werden Fachkräfte in nahezu allen Bereichen gesucht: in Planung und Projektsteuerung, in Elektrotechnik und Mechatronik, in Logistik und IT, im Anlagenservice, in der Finanzierung sowie in Genehmigungsbehörden. Die Recruiting Days am 24. und 25. September in Halle B3 richten sich deshalb gezielt an Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Studierende sowie Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger. Sie sollen die Möglichkeit erhalten, direkt mit Unternehmen und Verbänden ins Gespräch zu kommen und berufliche Perspektiven in der Windbranche kennenzulernen.
Im Recruiting Forum können sich Arbeitgeber in kurzen Präsentationen vorstellen, Ausbildungswege erklären und konkrete Einstiegsmöglichkeiten aufzeigen. Ergänzt wird das Angebot durch eine digitale Jobwall mit aktuellen Stellenausschreibungen. Unternehmen wie Skyborn Renewables, Nordex und Deutsche Windtechnik wollen die Vielfalt der Berufsbilder sichtbar machen – vom technischen Service über kaufmännische Tätigkeiten bis zu internationalen Projektrollen. Die Botschaft dahinter: Windenergie braucht nicht nur Ingenieurinnen und Ingenieure, sondern Teams mit sehr unterschiedlichen Qualifikationen und Erfahrungen.
Für Nachwuchskräfte verbindet die Branche berufliche Entwicklung mit einem gesellschaftlichen Nutzen. Wer an Windenergieprojekten arbeitet, gestaltet die Energieversorgung der Zukunft mit und leistet zugleich einen Beitrag zum Klimaschutz. Die Messe schafft dafür auch informellere Begegnungsräume. Bei der Career Happy Hour am Donnerstagabend können Talente und Personalverantwortliche abseits klassischer Bewerbungsgespräche miteinander ins Gespräch kommen. Gerade in einer Branche mit starkem Fachkräftebedarf kann dieser persönliche Kontakt entscheidend sein – sowohl für Unternehmen auf der Suche nach Mitarbeitenden als auch für junge Menschen, die einen sinnstiftenden Berufsweg suchen.
Global Markets Theatre: Internationale Perspektiven für den Ausbau
Der globale Charakter der Windenergy Hamburg wird besonders im Global Markets Theatre deutlich. Die Bühne im Obergeschoss der Halle B1 richtet den Blick auf die politischen, wirtschaftlichen und technologischen Rahmenbedingungen, unter denen Windenergie weltweit wächst. Im Mittelpunkt stehen nicht nur etablierte Märkte in Europa, Nordamerika oder Asien, sondern auch Regionen, in denen der Ausbau erst an Fahrt gewinnt. Damit wird die Bühne zum Forum für Unternehmen, die neue Partnerschaften, Absatzmärkte oder Investitionsmöglichkeiten suchen.
Diskutiert werden Themen wie Netze und Elektrifizierung, Finanzierungsmodelle, Genehmigungsprozesse, Offshore-Ausbau, Repowering, Bürgerbeteiligung und der Umgang mit Anlagen am Ende ihrer Laufzeit. Auch KI-gestützte Anwendungen und Fragen der Projektumsetzung gehören dazu. Vertreterinnen und Vertreter von Regierungen, Projektentwicklern, Investoren, Technologieunternehmen und Branchenverbänden sollen globale Trends mit konkreten Marktkenntnissen verbinden. Für die Teilnehmenden geht es damit nicht nur um allgemeine Zukunftsdebatten, sondern um praktische Antworten auf die Frage, wie Projekte unter sehr unterschiedlichen politischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Bedingungen realisiert werden können.
Das Global Markets Theatre ergänzt die technische Ausstellung um die strategische Ebene. Denn Windenergie ist längst ein globaler Wettbewerb um Investitionen, industrielle Kapazitäten, Rohstoffe, Fachkräfte und politische Verlässlichkeit. Hamburg bietet hierfür einen passenden Rahmen: Die Messe wird zur Schnittstelle zwischen regionalen Projekten und internationalen Märkten, zwischen technologischer Innovation und energiepolitischer Strategie. Der Anspruch ist hoch – die Windindustrie soll nicht nur mehr Anlagen bauen, sondern zugleich resilientere, bezahlbare und sichere Energiesysteme schaffen.
Weitere Informationen: windenergyhamburg.com
Open Stage
In Kooperation mit Partnern wie GWEC, Wind Europe, VDMA sowie BWE und dem World Forum Offshore bietet die Messe ein Konferenzprogramm auf sechs Open Stages.
Eigene Halle für Speicher
Präsentiert werden auf rund 3.600 Quadratmetern in Halle A2 unter anderem Batteriegroßspeicher und wegweisende Technologien zur intelligenten Steuerung.
Startups
Die Wind Energy Hamburg 2026 öffnet ihre Türen für die nächste Generation visionärer Unternehmen: Neben den „Young Innovators“ aus Deutschland präsentieren sich in Halle A3 auch internationale Start-ups mit ihren Ideen und Lösungen für die Energiebranche.
Foto: Michael Zapf
Es wird wieder viel Technik zu sehen sein, wie hier ein Getriebe von Winergy.
Foto: Hamburg Messe und Congress/ Rene Zieger
Auch in diesem Jahr wird es wieder eine Recruiting Area geben, wie auf der Wind Energy 2024. Fachkräfte werden weiter gesucht.
Foto: Hamburg Messe und Congress / Alexander Wöckener
Der Energy Transition Stage auf der Windenergy Hamburg ist die zentrale Plattform für aktuelle Debatten und zukunftsweisende Impulse rund um die globale Energiewende.
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