Foto: SONO Motors

Crowdfunding

Geld als Motor für saubere Technologie

Mit grünen Kapitalanlagen können private Investoren die Energiewende gestalten, sagt Matthias Willenbacher, Gründer Wiwin GmbH & Co.KG.

Inhaltsverzeichnis

Matthias Willenbacher

Bndlich keine Stromrechnung mehr von Kohlekonzernen wie RWE, Eon und EnBW. Eine unabhängige und CO2-freie Energieversorgung mit Strom und Wärme wünschen sich viele klimabewusste Menschen. Mit Picea von Home Power Solutions (HPS) wird genau das möglich. Die Picea speichert Sonnenstrom im Sommer als Wasserstoff und macht ihn im Winter mittels einer Brennstoffzelle als Strom und Wärme nutzbar. Bisherige Produkte mit diesem Nutzen haben die Entwicklungsstufe Proto­typ nicht überschritten und waren weit entfernt vom wirtschaftlichen Betrieb. Die Picea ermöglicht Hausbesitzern nun erstmals vollkommene Autarkie – und das sogar wirtschaftlich. Was haben aber integrierte Systeme zur Speicherung und Nutzung von Solarstrom nun mit grünen Geldanlagen zu tun? Finanziert werden Entwicklung und Produktion von Picea durch Investitionen über eine Online-Plattform für nachhaltige Kapitalanlagen. Immer mehr Privatpersonen nehmen ihre Geldanlage selbst in die Hand und achten dabei auf Nachhaltigkeit. Bei transparenten Online-Plattformen sehen Anleger genau, wohin ihr Geld fließt, und können gezielt entscheiden, welches Projekt sie unterstützen wollen. Bei einem Investment in ein nachhaltiges Start-up wie HPS hat das Geld obendrein einen großen Nutzen für die Umwelt.

Den Trend zur klimafreundlichen Investition belegt der aktuelle Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG): 2017 wuchs der nachhaltige Anlagemarkt in Deutschland um 9 Prozent auf ein neues Rekordhoch von rund 171 Milliarden Euro. Noch stammten über 90 Prozent des Geldes von institutionellen Anlegern wie beispielsweise Versicherern oder Fondsgesellschaften und nur knapp 10 Prozent von Privatinvestoren. Doch auch private Anleger entscheiden sich für nachhaltige Geld­anlagen. Laut einer Umfrage im Auftrag von Union Investment aus dem Jahr 2018 kommt für 40 Prozent der deutschen Sparer eine Anlage in nachhaltige Investmentfonds ganz sicher oder wahrscheinlich infrage. Knapp die Hälfte der Befragten (46 Prozent) hält nachhaltiges Anlegen für attraktiv – ein Anstieg um 12 Prozentpunkte gegenüber dem Vergleichswert 2013. In Zeiten niedriger Zinsen stellen nachhaltige Kapitalanlagen für viele Investoren also eine interessante Alternative dar. Durch innovative Fintech-Unternehmen und den digitalen Wandel wird es zugleich immer einfacher für Anleger, selbstständige Investitionsentscheidungen zu treffen.

Klimawandel

Bei einem Geldvermögen privater Haushalte von fast sechs Billionen Euro ist ein steigender Anteil grüner Investitionen ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Konventionelle Geldanlagen fließen teilweise in Unternehmen mit hoher CO2-­Intensität, zweifelhaften Arbeitsbedingungen oder Beteiligungen an Rüstungsexporten. Grüne Anlagestrategien konzentrieren sich besonders auf solche Unternehmen und Projekte, die auf nachhaltiges Wirtschaften setzen, die Energie- oder Mobilitätswende voranbringen oder ein besonderes soziales Engagement zeigen. Eine Studie des Umweltbundesamts (UBA) zeigt, dass klimafreundliche Investitionen, die gezielt in die Bereiche Energie, Transport und Gebäude fließen, dazu beitragen, die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen. Denn sie ermöglichen die Kompensation von Treibhausgasemissionen: Um die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad zu verlangsamen, dürfte jeder Deutsche laut UBA nur eine Tonne CO2 pro Jahr ausstoßen. Der deutsche Durchschnitt liegt allerdings bei mehr als elf Tonnen. Genau diese Menge wird durch eine Investition von 10.000 Euro in Windkraft durch erneuerbare Stromerzeugung eingespart.

Vorsicht: Nachhaltigkeits-Mogelpackung

Das wachsende Interesse an grünen Investmentmöglichkeiten bringt auch ein wachsendes Angebot mit sich. So bietet von der Bank bis zum Fonds­anbieter nahezu jedes Unternehmen „nachhaltige Produkte“ an. Doch der Blick hinter die grüne Fassade lohnt sich, denn Nachhaltigkeit ist kein geschützter Begriff. Deshalb sollten sich Anleger bei Angeboten im Bereich nachhaltige Geldanlagen genau mit dem Produkt beschäftigen. Im Portfolio von so manchem als nachhaltig beworbenen Anlageprodukt finden sich zweifelhafte Werte. So wurden beispielsweise schon „grüne“ Aktienfonds aufgelegt, die Aktien namhafter Mineralölunternehmen ins Portfolio gemischt hatten.

Anleger sollten sich daher für alternative Anbieter entscheiden, die ausschließlich nachhaltige Produkte im Sortiment haben und bereits über entsprechende Erfahrung verfügen.

Crowdinvesting: Macht der Menge

Nicht nur das Interesse an nachhaltigen Kapitalanlagen, auch der Crowdinvesting-Markt ist kontinuierlich gewachsen. Laut crowdinvest.de betrug das Transaktionsvolumen im gesamten Segment Schwarmfinanzierung 2018 681,1 Millionen Euro.

Generell bietet die Schwarmfinanzierung den Vorteil, dass sich viele Menschen schon mit relativ kleinen Geldbeträgen an konkreten Projekten beteiligen können. Meist waren diese früher finanzstarken Investoren vorbehalten oder wären ohne die finanzielle Unterstützung der Privatanleger niemals realisiert worden. Abhängig vom Projekt kann bereits ab Anlagebeträgen von 100 Euro investiert werden.

Ein Beispiel für erfolgreiches Crowdinvesting ist das junge Münchner Start-up Sono Motors. Mit ihrem Sion wird 2019 das erste serienmäßig produzierte Elektroauto an den Start gehen, das seine Batterie zusätzlich durch in die Karosserie integrierte Solarzellen lädt. Größe, Reichweite und Ausstattung sowie ein Car- und Ridesharing-System machen das Auto alltagstauglich, durch seinen Preis von 16.000 Euro exklusive Batterie wird Elektromobilität erschwinglich. Finanziert werden Entwicklung und Produktion ebenso wie Picea über die Online-Plattform Wiwin. Mehr als 5.000 Anleger haben über die Plattform über 54 Millionen Euro in nachhaltige Projekte investiert. Über 48 Millionen Euro wurden bereits in Form von Zinsen und Tilgung zurückgezahlt. Alle abgeschlossenen Projekte sind erfolgreich verlaufen, sodass es zu keinem Ausfall von Tilgungen oder fest vereinbarten Zinszahlungen gekommen ist.

Höhere Verzinsung

Crowd-Investoren wird oft eine deutlich höhere Ver­zinsung angeboten als bei klassischen Geldanlageformen. Dafür muss auch das Risiko anders bewertet werden, da die Möglichkeit des Zinsausfalls oder gar des Verlusts des eingesetzten Kapitals besteht. Dieses Risiko ist je nach Projekt oder Unternehmen unterschiedlich hoch. Es ist daher empfehlenswert, derartige Kapitalanlagen als eine Beimischung zu einem breiten und gut diversifizierten Anlage-Portfolio zu nutzen. So wie man bei Aktien nicht alles auf ein Unternehmen setzen sollte, sind Anleger auch bei der Schwarmfinanzierung gut beraten, wenn sie ihr Kapital streuen, das heißt in verschiedene Projekte aus unterschiedlichen Branchen investieren. Über das Geschäftsmodell des Projekts, in das sie investieren möchten, sollten sich Anleger ausführlich informieren, um die Chancen und Risiken zu verstehen. Ebenso gilt es, gesellschaftliche Veränderungen und Trends in die Anlagestrategie mit einzubeziehen. Ein persönliches Geldanlage-Protokoll hilft, den Überblick über die getätigten Kapitalanlagen zu behalten.

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