Datenplattformen erhalten ihre Daten häufig über Netz- und Messstellenbetreiber.
Wie Daten Anlagenbetreibern dabei helfen, den Überblick über die kaufmännische Betriebsführung und die Geschäftsmodelle zu behalten.
Fabian Kauschke
Komplexe Aufgaben erfordern leistungsfähige Lösungen. Als die ersten erneuerbaren Energien ans Netz gingen, bestand durch die Vergütungsregeln Klarheit darüber, wie die Erlösmechanik funktionierte. Versorger erhielten für jede erzeugte und eingespeiste Kilowattstunde eine vom Gesetzgeber garantierte Vergütung. Mit der zunehmenden Komplexität des Energiemarktes sehen sich Anlagenbetreiber von Wind- und Solarenergie einem Dschungel aus Vermarktungsmöglichkeiten, behördlichen Anforderungen, bürokratischen Prozessen und vielen weiteren Regeln gegenüber, die ihren Betrieb prägen. Somit wächst die Herausforderung, diese Prozesse abzubilden. Ein Portfolio mit 200 Anlagen bei verschiedenen Direktvermarktern und aus unterschiedlichen EEG-Zeiträumen ist nur schwer zu überblicken. Dennoch muss die Lösung dieses Problems für Betreiber nicht so komplex sein.
Über das Marktdatenstammregister und weitere Schnittstellen werden alle wichtigen Daten einer Anlage sichtbar.
Erfassung vom Standort bis zur Vermarktung
Die Lösung ist Software. Node Energy hat sich mit dem Optinode Cockpit darauf spezialisiert, die Prozesse von Wind- und Solarenergieanlagen mithilfe von Daten für Betreiber sichtbar sowie nachvollziehbar zu machen und mit realen Marktdaten anzureichern. Dies umfasst das Auslesen der Informationen aus dem Stammdatenregister und grundlegenden Eigenschaften der Anlagen – vom Standort bis zur Spannungsebene – sowie die konkrete Analyse von Erzeugungs- und Vermarktungsdaten, Redispatch und Abregelungen. Diese Messwerte werden dafür tagesaktuell im Viertelstundenrhythmus aus Messstellen wie Stromzählern ausgelesen. Ein Prozess, der im Normalfall automatisiert abläuft. Treten Datenlücken auf, greift das erfahrene Energiedatenmanagment-Team korrigierend ein. Die Datenplattform liefert außerdem Preisdaten und berechnet Kostenfaktoren wie die Stromsteuer oder kommunale Beteiligungen automatisiert. Zudem werdenregulatorische Anforderungen integriert. Das Ergebnis: ein präzises Erlösmonitoring und eine wirtschaftliche Betriebsführung, die auf belastbaren Daten fußen. Gleichzeitig werden Fehlerquellen vermieden, die bei der Berechnung auftreten können. „Auch ohne böse Absicht passieren aufgrund der Komplexität bei Direktvermarktern und Netzbetreibern immer wieder Abrechnungsfehler, die bares Geld kosten“, weiß Matthias Karger, Geschäftsführer von Node Energy. „Eine Schattenabrechnung läuft im Hintergrund auf den realen, abrechnungsrelevanten Daten“ und „versetzt den Anlagenbetreiber in die Lage, auch Forderungen geltend zu machen, die ihm ansonsten einfach durchrutschen würden.“ Außerdem erspart die automatische Umsetzung über eine Datenplattform im Vergleich zu fehleranfälligen, über Jahre hinweg gewachsenen Excel-Tabellen effektiv Zeit, um auf Prozesse reagieren zu können.
Erneuerbarenerzeugung drückt Strompreis
Konkret unterstützen die Daten Betreiber dabei, ihre Geschäftsmodelle erfolgreich umzusetzen. „Es kommt nicht mehr auf das Volumen, sondern auf den Wert der Kilowattstunde an“, erklärt Matthias Karger. Dabei steht insbesondere die Marktwertkannibalisierung im Vordergrund, die sich durch den zunehmenden Anteil erneuerbarer Energien verschärfen könnte. Das bedeutet: Je mehr Photovoltaik- und Windkraftanlagen zeitgleich Strom erzeugen, desto stärker wirken sie auf das Preisniveau. Bei einer installierten Leistung von rund 200 Gigawatt aus erneuerbaren Energien in Deutschlandund einer maximalen Nachfragespitze von etwa 80 Gigawatt ist es vor allem wichtig, das Energiesystem in Richtung Flexibilität weiterzuentwickeln. Möglichkeiten, diese Flexibilität auszubauen, bestehen dabei auf Angebots- und Nachfrageseite. Ein großes Potenzial besteht im Smart-Meter-Rollout. Bei flächendeckender Verfügbarkeit würde dieser es ermöglichen, besser auf Markt- und Preisdynamiken zu reagieren. Für Erzeuger rücken bei der Frage nach Flexibilität Geschäftsmodelle in den Fokus, die es ermöglichen, Strom zu speichern, wenn das Netz voll ist, und ihn zeitversetzt zu verkaufen. Daten helfen dabei, die konkreten Preisunterschiede zwischen der Mittagsspitze und der abendlichen Nachfrage zu ermitteln und auf dieser Grundlage Geschäftsentscheidungen zu treffen.
Es kommt nicht mehr auf das Volumen, sondern auf den Wert der Kilowattstunde an.
Zugänglichkeit der Daten
Datenplattformen spielen bereits eine große Rolle, um die Komplexität des Energiesystems zu überblicken. Node Energy sieht jedoch noch eine weitere Baustelle in der Zugänglichkeit der Daten. Die IT-Systeme und Datenbereitstellungsprozesse der Verteilnetz- und Messstellenbetreiber seien noch nicht auf dem benötigten Niveau. Zusammen mit der Bundesnetzagentur konnten in den letzten Jahren zumindest einige Standards etabliert werden.
Eine weitere Herausforderung sind die aktuellen energiepolitischen Entwicklungen. „Dieses Gegeneinander-Ausspielen von volkswirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und Energiewende ist meines Erachtens ein schlimmes Narrativ, das gebrochen werden sollte“, sagt Matthias Karger. Nicht helfen würden dabei die geleakten Ideen des Netzpakets aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Zwar müsse das System kosteneffizienter werden, jedoch würden die Maßnahmen rund um den Redispatch-Vorbehalt zu einem Einbruch des erneuerbaren Ausbaus führen. „Es gibt gute Ideen, wie der Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Netzausbau in Einklang gebracht werden könnte“, schließt Karger ab.
Was jetzt passieren muss!
In diesem Podcast gehen wir der Frage nach, welche Ideen und Lösungen ein nachhaltiges Energiesystem voranbringen.
Das ganze Interview mit Matthias Karger von Node Energy hören Sie in der aktuellen Folge. Überall, wo es Podcasts gibt.
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