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„Stand-alone-PV ist kaum noch darstellbar“

Nicole Weinhold

André Pasemann, Abteilungsleiter Energynious - Hybridprojekte PV/Batteriespeicher & Individuelle Energielösungen bei VSB, spricht auf der Smarter E Europe in München über die Lage der Solarprojektierer und die Chance der Co-Location :

Herr Pasemann, auf der Messe heißt es, PV-Freiflächen stünden teils noch schlechter da als die Windsparte. Stimmt das?

André Pasemann: Der Zubau war enorm – über 16 Gigawatt PV im letzten Jahr und über 17 GW im Jahr davor. Das ist grundsätzlich super. Aber wir haben dadurch viele kleine und wenige große Anlagen in den letzten Jahren dazu gebaut. Neue große Anlagen werden bei negativen oder niedrigen Preisen abgeregelt, kleinere PV-Anlagen meistens nicht. Dadurch haben wir sehr viel Erzeugung zur selben Zeit, und das drückt die Preise massiv. Sind die Preise negativ, gibt es keine Vergütung. Wir können den Strom auch nicht am Markt verkaufen, weil wir dann sogar noch draufzahlen müssten. Viele Projekte sind dadurch nicht mehr wirtschaftlich – ganz viele PV-Projekte sterben derzeit weg.

Bis zu 20 bis 25 Prozent der Erzeugungsmenge fallen quasi in negative Stunden und sind damit nichts wert.

Woran liegt das im Kern?

André Pasemann: Zum einen an den Gestehungskosten: Material, Module, alles ist wieder teurer geworden. Zum anderen am Thema negative Stunden. Wir haben eine solche Überkapazität an PV im deutschen Strommarkt, dass wir Zeiten haben, in denen der Strompreis negativ ist und die Erzeugung des PV-Parks nichts mehr wert ist. Bis zu 20 bis 25 Prozent der Erzeugungsmenge fallen quasi in negative Stunden und sind damit nichts wert. Ein PV-Projekt allein, stand-alone mit eigenem Netzanschluss, ist aus unserer Sicht sehr, sehr schwer darstellbar.

Was ist die Antwort darauf?

André Pasemann: Co-Location. Wir teilen uns den Netzanschluss mit einem Windpark und ergänzen einen Speicher. Dadurch können wir den Strom aus den derzeit negativen Stunden zwischenspeichern und später wieder ausspeichern – und das Gesamtsystem optimieren, auf der Erlös- wie auf der Capex-Seite. Ein Vier-Stunden-Speichersystem macht hier Sinn. Unsere Strategie ist, alles in den Blick zu nehmen, was geht: PV unter einem gemeinsamen Netzanschluss zu bündeln und unsere Netzverknüpfungspunkte so vorzubereiten, dass wir dort Speicher bauen können.

Wie wichtig ist es, Wind- und Solarstandorte zu teilen und Speicher mitzudenken?

André Pasemann: Sehr wichtig. Bei PV ist es ausgesprochen sinnvoll, einen Speicher dazuzubauen – und das wird irgendwann auch Windkraftanlagen treffen, weil auch dort zunehmend Stunden anfallen, in denen nichts verdient wird. Entscheidend ist auch der Netzanschlussvertrag, gerade für Batterien: Dass man etwa Zeiten akzeptiert, in denen man nichts beziehen oder einspeisen darf, aber zu den anderen Stunden im Jahr flexibel arbeiten kann, wäre eine pragmatische Option. Die Möglichkeit gibt es für Netzbetreiber, aber es ist keine Pflicht. Manche kleine Netzbetreiber sind superschnell und akzeptieren beispielsweise Überbauung und flexible Netzanschlussverträge, andere sind sehr vorsichtig – da muss man viele Runden drehen. Auch hier gilt: digitalisieren und flexibilisieren.

Manche kleine Netzbetreiber sind superschnell und akzeptieren Überbauung und flexible Netzanschlussverträge, andere sind sehr vorsichtig.

Wie verändert sich die Vermarktung?

André Pasemann: Die Vermarktung wird sich anders gestalten. Nächstes Jahr kommen die Contracts for Differences, die CfDs, und wir werden mehr und mehr Richtung PPA-Vermarktung gehen müssen. Was wir am Markt sehen: Projektentwickler, die nur PV machen, können das hocheffizient – aber auch sie sind preisbedingt unter Druck und kommen mit unseren kombinierten Projekten nicht mit. Die Entwickler, die alles kombinieren können – Wind, PV, Speicher –, haben den langen Atem, weil sie die Synergien heben in den Kosten wie in der zukünftigen Vermarktung.

Ein Schwerpunkt liegt auch auf der Agri-PV.

André Pasemann: Insgesamt sehen wir, dass Standorte deutlich besser genutzt werden – und Agri-PV ist dabei ein wichtiges Thema. Es ermöglicht, die Landwirtschaft weiter zu betreiben, und die meisten Landwirte finden das sehr gut: Es ist ein guter, abwechslungsreicher Ansatz, der uns eine weitere Flächenkulisse eröffnet. Wir benötigen langfristige Nutzungskonzepte, über 20 bis 30 Jahre. Das heißt aber auch, dass der Landwirt diese 20 bis 30 Jahre mit uns gehen muss – das macht die Gespräche nicht immer einfach. Aber es sind sehr spannende Projekte dabei, die wir bereits durch die Genehmigung gebracht haben. Co-Location und Agri-PV sind für uns die entscheidenden Hebel, um Flächen und Netzanschlüsse intelligenter zu nutzen und Projekte wieder wirtschaftlich zu machen.

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