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Lichtquellen locken nachtaktive Insekten magisch an – entsprechend auch deren Jäger wie etwa Fledermäuse. Nun wurde die Anlockwirkung von Windrädern untersucht.

Naturschutz

Windkraft kein nächtlicher Insektenkiller

Naturkundemuseum Karlsruhe veröffentlicht Studie zur  Anlockwirkung von Windenergieanlagen auf nachtaktive Insekten.

Vor gut zwei Jahren heizte eine Untersuchung des DLR die Diskussion über negative Wirkung von Windkraftanlagen auf die Natur an. Die Untersuchung zeigte, dass viele Insekten an Windkraftanlagen sterben. Damals fehlte jedoch die Einordnung der Insektenverluste an Windkraftanlagen: Was sind „viele“ Insekten? Wie viele Insekten sterben im Vergleich zur Windkraft im Straßenverkehr, in der Landwirtschaft oder an Gebäuden? In der Zeitschrift Biological Conservation wurde zeitgleich eine Studie veröffentlicht, die vor allem die Ausweitung der intensiven Landwirtschaft für das Insektensterben verantwortlich machte. So klang die Diskussion allmählich ab und auch geforderte Anlagenabschaltungen zum Schutz von Insekten blieben aus.  

Auf einer Windenergieanlage bei Karlsruhe wurden derweil bereits 2018 von Biologen in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe Untersuchungen mit Lichtfallen durchgeführt, um die Anlockwirkung dieser Anlagen auf nachtaktive Insekten zu untersuchen. Bei insgesamt neun Beprobungen zeigte sich, dass die Menge der auf der Anlage in etwa 100 m Höhe nachgewiesenen Insekten ausgesprochen gering war. Eine Ausnahme bildete eine windstille Untersuchungsnacht im Juni, in der 267 Exemplare auf Kanzelhöhe nachgewiesen wurden. Das entspricht zwei Dritteln der im Laufe der Beprobung auf der Windturbinen-Gondel insgesamt nachgewiesenen 353 Individuen. In der Referenzfalle am Boden waren dagegen die 4.104 festgestellten Tiere im jahreszeitlichen Verlauf nahezu normal verteilt.

Geringe Gefahr für nächtliche Prädatoren wie Fledermäuse

Eine aus reicherem Nahrungsangebot in windstillen Nächten möglicherweise resultierende erhöhte Anlockwirkung solcher Anlagen auf nachtaktive Prädatoren wie etwa Fledermäuse dürfte somit weniger problematisch sein. Denn solche Nächte sind mit einer geringen Gefahr für die Prädatoren verbunden, Schlagopfer zu werden, da der Rotor der Windenergieanlagen dann nicht in Bewegung ist. Eine zur Überprüfung der geringen Fangzahlen auf der Anlage eingesetzte Klebefalle in den Monaten Juni und Juli sowie die Verlängerung der Beprobungszeiträume auf etwa eine Woche ab dem Monat August bestätigten die geringe Insektenaktivität auf der Windenergieanlage. Auch die Betrachtung längerer Zeiträume ab August zeigt, dass nicht zufällig Tage mit geringer Aktivitätsdichte beprobt wurden.

Windkraft keine Bedeutung hinsichtlich Insektenschwund

Die in dieser Untersuchung erzielten Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass Windturbinen keine Bedeutung hinsichtlich des aktuellen Phänomens des Insektenschwundes zukommt. Hinsichtlich der Zusammensetzung der nachgewiesenen Insekten in etwa 100 m Höhe und am Boden zeigen sich deutliche Unterschiede. So waren auf der Anlage sehr viele Kleininsekten von max. 2 bis 5 mm Größe besonders der Gruppe der Gleichflügler (Homoptera, Ordnung Hemiptera, Schnabelkerfe) und der Familie Kurzflügler (Staphylinidae, Ordnung Coleoptera, Käfer) vertreten. Am Boden bildeten hingegen Nachtfalter (Lepidoptera) die Hauptmenge der nachgewiesenen Insekten. 

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