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Monitoringbericht vorgestellt

5 Fakten: Der Klimawandel ist in Deutschland angekommen

Bundesregierung legt zweiten Monitoringbericht vor: Die mittlere Lufttemperatur hat um 1,5 Grad erhöht. Die Folgen spüren wir alle.

Inhaltsverzeichnis

Katharina Wolf

Die globale Erwärmung ist immer stärker spürbar. Das belegt der zweite Monitoringbericht, den das Umweltministerium heute vorgestellt hat. Diese fünf Fakten belegen, dass der Klimawandel in Deutschland angekommen ist.

1. Steigende Durchschnittstemperaturen

Laut Monitoringbericht hat sich die mittlere Lufttemperatur in Deutschland von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht. Allein in den letzten fünf Jahren stieg diese um 0,3 Grad an. „2018 war bei uns das bisher wärmste Jahr seit 1881“, sagt Tobias Fuchs, Leiter Klima-und Umweltberatung des Deutschen Wetterdienstes.

2. Mehr heiße Tage

Die Erhöhung der mittleren Temperatur ist auch mit einer höheren Anzahl „Heißer Tage“ verbunden – dies sind Tage, an denen die Temperaturen über 30°C steigen. Diese ist laut Bericht seit 1951 von etwa drei auf derzeit etwa zehn Tage pro Jahr gestiegen. Nach der Hitzewelle 2018 überschritten im Juli dieses Sommers die Temperaturen an drei aufeinanderfolgenden Tagen an zahlreichen Messstationen des Deutschen Wetterdienstes die 40°C-Schwelle-mit einem neuen Temperaturrekord von mehr als 42°C. Gleichzeitig ist die Zahl der Eistage seit 1951 um 40 Prozent zurückgegangen.

3. Mehr Tote als Folge der Hitze

Hitzewellen setzen auch den Menschen zu, vor allem in den Städten. Erstmals enthält der Monitoringbericht 2019 bundesweite Aussagen zu hitzebedingten Todesfällen: Demnach sind in den drei großen Hitzesommern seit der Jahrtausendwende Tausende Menschen aufgrund der Hitze verstorben. Im Jahr 2003 starben 7.500 Menschen mehr als ohne Hitzeperiode zu erwarten gewesen wäre. In den Jahren 2006 und 2015 gab es jeweils 6.000 zusätzliche Todesfälle.

4. Grundwasserspiegel sinkt, Meeresspiegel steigt

In den letzten zehn Jahren gab es laut Monitoringbericht immer häufiger niedrige Grundwasserstände, die in einigen Gemeinden bereits zu Problemen mit der Trinkwasserversorgung führten. Zunehmende Trockenheit und häufiger werdende Niedrigwasserstände in Flüssen beeinträchtigen die Ökosysteme, führen zu eingeschränkter Schifffahrt und gefährden die Versorgung von Kraftwerken und Industrie mit Kühlwasser.

Auch Land- und Fortwirtschaft sind betroffen: So hat in den letzten 50 Jahren das verfügbare Wasser in landwirtschaftlich genutzten Böden deutlich abgenommen. Im Jahr 2018 verursachten Hitze und Trockenheit in der Landwirtschaft Schäden in Höhe von 700 Millionen Euro.

Gleichzeitig stiegen an den Pegeln in Nord- und Ostsee die Wasserstände seit 1981 um durchschnittlich 10,2 Zentimeter.

5. Längere Vegetationsphase, Flora und Fauna verändern sich

Jahres- und Vegetationszeiten verschieben sich – so stieg die Dauer der Vegetationsperiode von 222 Tagen (1951-1981) auf 232 Tage (1988-2017). Tier- und Pflanzenarten aus wärmeren Erdregionen breiten sich aus, darunter zum Beispiel die Sardine oder die Sardelle in der Nordsee oder die Asiatische Tigermücke an Land. Diese kann bislang in Deutschland nicht auftretende Krankheiten wie Chikungaya- oder Dengue-Fieber verbreiten.

Wirtschaftliche Schäden als Folge der Hitze

Die Folgen der Erderwärmung treffen auch die Wirtschaft, denn diese ist abhängig von funktionierenden Straßen, Häfen oder Wasserwegen. Diese Infrastrukturen werden vor allem durch extreme Wetterereignisse wie Stürme und Starkregen geschädigt. Im Jahr 2018 entstanden so zum Beispiel an Häusern, Kraftfahrzeugen, Hausrat, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft Versicherungsschäden in Höhe von etwa 3,1 Milliarden Euro. Laut Versicherungswirtschaft gehörte 2018 zu den vier schwersten Sturmjahren der letzten 20 Jahre.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will der Erderhitzung mit vorsorgendem Klimaschutz und konsequenter Anpassung an den Klimawandel begegnen. „Dies bedeutet zum Beispiel, sich bei allen Bau- und Infrastrukturprojekten besser vor Beeinträchtigungen durch Hitze, Starkregen oder Hochwasser zu wappnen“, sagte sie bei der Vorstellung des Berichts. Das gelte auch für die Gestaltung von städtischen Wohngebieten mit begrünte Dächer und Gebäudefassaden, Wasserflächen und verschattete Plätzen.

Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA), forderte ein von Bund und Ländern getragenes und finanziertes Sonderprogramm Klimavorsorge, um das Monitoring zu verbessern und den Folgen besser begegnen zu können. „Die Botschaft des Monitoringberichts lautet: Die Zukunft hat uns bereits erreicht. Deutschland steckt mittendrin in der Erderhitzung, mit weitreichenden Folgen für Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit.“

Daten aus 2018 und 2019 noch nicht komplett ausgewertet

Im Monitoringbericht 2019 sind nach Angaben des UBA die Daten aus den Jahren 2018 und 2019 noch nicht systematisch berücksichtigt. Ziel des fortlaufenden Monitorings im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie sei weniger eine Darstellung der jeweils aktuellen Entwicklung, sondern die systematische Beobachtung von Klimawirkungen und Anpassung aufgrund statistisch fundierter Zeitreihen. Wo schon möglich werde in den Berichtstexten eine erste Einschätzung auf die Entwicklungen in 2018/19 gegeben.

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