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Kommentar

Die Erde retten - oder doch lieber einen neuen Planeten finden?

Auch 50 Jahre nach der ersten Mondlandung fasziniert uns die Raumfahrt. Geld spielt scheinbar keine Rolle. Anders sieht es beim Klimaschutz aus.

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Warum sollen wir uns nicht einfach mal darüber freuen, dass wir die Größten, Stärksten, Tollsten sind auf dem Planeten Erde? Und - wer weiß - vielleicht im ganzen Universum. Der Mensch hat es geschafft, sie die Erde Untertan zu machen. Spätestens mit der Mondlandung vor 50 Jahren war klar, dass wir nicht bloß ein Teil der Schöpfung sind, sondern uns weit über diese erhoben haben. Der Blick auf die Erde aus dem All hat die Menschen in den Bann gezogen: der blaue Planet, dieser schöne, bunte Ball.

Dass wir nur ein winziger Teil des Ganzen sind, dass wir zeitlich wie räumlich eine unbedeutende Randerscheinung sind - das wollen wir nicht gern hören. Schöner ist es doch zu sagen: Wir sind der Mittelpunkt und gestalten die Erde nach unseren Ideen. Aber die Wahrheit ist, dass der Mensch sich auf der Erde benimmt, wie eine Gruppe von Partytouristen am Ballermann auf Mallorca: Fressen, saufen, kotzen und am nächsten Tag das große Handtuch am Pool ausbreiten. Die Mallorcina haben jetzt die Nase voll. Sie haben keine Lust mehr auf diese Plage.

Inseln versinken im Meer

Und irgendwann - so sieht es derzeit aus - wird auch die Erde sich vom Menschen erholen. Denn als winziger Punkt auf der Zeitachse unsere Planeten haben wir diesen in rasantem Tempo so verändert, dass es schwer für uns wird in den nächsten 100 Jahren. Wir sehen die Zerstörung allerorts. Der Klimawandel, lange ignoriert, fängt langsam an wehzutun. Inseln versinken im Meer, Überschwemmungen und Dürren in Asien und Afrika, die Hitze fordert längst auch in Europa ihre Todesopfer. Doch anstatt endlich die Kehrwende einzuleiten, wird beim Thema Klimaschutz wieder nur ergebnislos getagt, wichtige Entscheidungen werden vertagt.

Lieber gibt sich der Mensch naiven Träumereien hin: Die Mondlandung, das war damals etwas Tolles. So etwas brauchen wir wieder. Und derjenige, der uns diese Unschuld zurück bringt, der muss ein großer Politiker sein.

20 Milliarden für die Mondlandung

US-Präsident Donald Trump kalkuliert jedenfalls so. Die Nasa soll bis 2024 Astronauten zum Mond senden. Weniger als 20 Milliarden US-Dollar soll das kosten. Immerhin, Lernkurve, der damalige Präsident Kennedy gab der Nasa 25 Milliarden. Man lässt sich den Traum etwas kosten. Indien hat gerade für 130 Millionen Euro eine Sonde auf den Weg zum Mond gebracht.

Seltene Erden und Edelmetalle

Aber natürlich geht es so kühl kalkulierenden Wirtschaftsbossen und Ingenieuren wie Jeff Bezos und Elon Musk bei ihren Mondflugprogrammen auch um Geschäfte. Bezos möchte auf dem Mond Seltene Erden und Edelmetalle abbauen, außerdem soll es langfristig weiter gehen zum Mars. Dort könnte man eine neue Heimat für die Menschen finden, wenn der Planet Erde zerstört ist, so die Idee der Chefs von Amazon und Tesla.

Pathos um die Mondlandung

Das Ganze wäre lustig oder zum Kopfschütteln, je nach Laune, wenn es nicht mit einer solchen Ernsthaftigkeit verfolgt würde: Viele Milliarden Dollar werden jährlich für die Raumfahrt ausgegeben. Während - und das ist der springende Punkt - beim Klimaschutz geknausert und auf die Bremse getreten wird. Glaubt wirklich irgend jemand, dass es angenehmer sein könnte, auf dem Mars zu leben als auf der Erde? Ich jedenfalls kann den Pathos um die Mondlandung nicht mehr sehen. Ein großer Schritt für die Menschheit wäre in meinen Augen, wenn wir den Klimawandel aufhalten würden.

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