Gerade hatte ich Gelegenheit, an der großen Offshore-Exkursion von Tennet, Husum Wind und weiteren Partnern teilzunehmen. Für 13 Stunden ging es hinaus in die Nordsee, vorbei an Helgoland, an zahlreichen Offshore-Windparks, auch solchen der ersten Stunde wie Alpha Ventus, und an Konverterplattformen, die längst zum unverzichtbaren Rückgrat der Energiewende gehören. Der Blick auf Nordlicht 1, den entstehenden größten deutschen Offshore-Windpark von Vattenfall, war möglich – und damit auf das Titelmotiv dieser Ausgabe.
Spitzentechnologie und persönlicher Einsatz
Die See war rau. Sehr rau. Über weite Strecken war ich, wie vermutlich viele der rund 500 Mitreisenden, ausgesprochen seekrank. Doch gerade diese Erfahrung hat die Dimension dessen, was draußen auf See geleistet wird, noch einmal spürbar gemacht. Offshore-Windenergie ist kein abstraktes Ausbauziel und keine Zahl in einer Statistik. Sie entsteht unter anspruchsvollsten Bedingungen – durch Spitzentechnologie, präzise Logistik, viel Know-how und den persönlichen Einsatz unzähliger Menschen. Umso unverständlicher ist der Schlingerkurs der Bundesregierung beim weiteren Offshore-Ausbau und beim Windenergie-auf-See-Gesetz.
Vattenfalls Windchefin Catrin Jung beschreibt im Interview, warum Nordlicht für die Branche mehr ist als ein weiteres Großprojekt. Die Investitionsentscheidung sende ein wichtiges Signal an Lieferketten, Hersteller und Wettbewerber: Offshore-Wind lässt sich bauen. Und er lässt sich zunehmend nachhaltiger bauen – etwa mit emissionsarmem Stahl. Das ist ein ermutigendes Zeichen in einer Zeit, in der Kosten, Finanzierung und politische Rahmenbedingungen viele Projekte unter Druck setzen. | 50
Doch die Energiewende entscheidet sich nicht allein auf See. Sie braucht starke Onshore-Märkte. Die Bundespolitik, vor allem die Pläne für das EEG 2027 und das Netzpaket bremst derweil diesen Markt ebenso wie alle anderen Regenerativmärkte. Wenn der Redispatch-Vorbehalt in der vorgesehenen Weise kommt, muss für ein wirtschaftliches Projekt noch genauer geplant werden. Dafür gilt es, Ertrag, Schall, Schatten und Artenschutz im Vorfeld genau zu analysieren. | 46
Moderne Netze, leistungsfähige Speicher und ein professioneller Betrieb der Anlagen sind ebenfalls elementar. Unsere Sonderstrecke zum Windparkbetrieb zeigt, wie Betreiber auch bei sinkenden Erlösen und wachsenden Anforderungen Ertragspotenziale erschließen können: durch bessere Daten, optimierte Betriebsweisen, Speicher, Direktvermarktung und ein genaueres Verständnis dessen, was im Park und im Netz tatsächlich geschieht. | 34
Wie eng Erzeugung, Netze und Flexibilität inzwischen zusammengehören, verdeutlicht auch unser Beitrag über den Batteriespeicher der Stadtwerke Hünfeld. Speicher sind längst ein eigenständiger Baustein eines Stromsystems, das erneuerbare Energien zuverlässig und wirtschaftlich integrieren muss. | 84
Wind Energy Hamburg
Und natürlich richtet sich der Blick in dieser Ausgabe nach Hamburg: Vom 22. bis 25. September trifft sich die internationale Windbranche auf der Wind Energy Hamburg. Dort geht es nicht nur um neue Anlagen und Komponenten, sondern um die großen Fragen unserer Zeit: Wie sichern wir Lieferketten? Wie beschleunigen wir Genehmigungen und Netzausbau? Wie nutzen wir Digitalisierung sinnvoll? Und wie schaffen wir die nötige Flexibilität für ein Erneuerbare-Energiesystem? | 16
Wir freuen uns, Sie dort auch persönlich zu treffen: Besuchen Sie uns in Halle 2A, Stand 112. Bis dahin wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre – und stets eine handbreit Wasser unter dem Kiel.