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Neue Fraunhofer-Studie

EEG-Umlage und Stromsteuer behindern die Sektorkopplung

Eine Verschiebung der Abgabenlast auf Ökostrom für Wärmepumpen und Elektroautos kann den Umstieg auf diese Technologien unterstützen. Denn die bisherigen Regelungen führen zu einem unfairen Wettbewerb zugunsten der fossil angetriebenen Technologien.

Schon lange bemängelt der Bundesverband Wärmepumpe die ungleiche Belastung der einzelnen Energieträger Strom und Gas beziehungsweise Öl zur Wärmeproduktion. Während die fossilen Brennstoffe nahezu ohne Abgaben relativ preiswert zum Endkunden kommen, müssen diese im Falle einer elektrisch betriebenen Wärmepumpe mit einer hohen Abgabenlast rechnen. Das behindert den Zubau von Wärmepumpen erheblich, während die Kosten für die Umweltbelastung der derzeitigen Konkurrenztechnologie Gas-Brennwertkessel nicht vom Endkunden getragen werden müssen.

Wie diese Behinderung der Sektorenkopplung genau aussieht, haben die Forscher des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung konkret ausgerechnet. In ihrer Studie mit dem Titel „Auswirkung klima- und energiepolitischer Instrumente mit Fokus auf die EEG-Umlage, Stromsteuer und CO2-Preis“ haben verschiedene Szenarien der Verlagerung von Preisbestandteilen des Stromverbrauchs – Stromsteuer und EEG-Umlage mit unterschiedlichen Anteilen – auf fossile Brennstoffe in den Sektoren Wärme und Mobilität.

Elektromobilität auf dem Vormarsch

So zeigen die Ergebnisse, dass beispielsweise Elektroautos in absehbarer Zukunft auch ohne die Belastung von Benzin und Diesel mit einem zusätzlichen CO2-Preis oder einer Energiesteuer bei gleichzeitiger Verringerung oder Abschaffung von Stromsteuer und EEG-Umlage wirtschaftlich werden. Den Grund sehen die Forscher vor allem in den sinkenden Batteriepreisen, die die Anschaffungskosten verringern.

Photovoltaik im Tank senkt die Kosten

Diese Investitionskosten wiederum sind in der Elektromobilität die derzeitigen finanziellen Hürden. Denn schon jetzt fahren die Autos mit Strom zur geringeren Verbrauchskosten als mit Benzin oder Diesel. Allerdings hat hier eine Untersuchung der Marktforscher EuPD Research jüngst ergeben, dass steigende Stromkosten diesen Vorteil zunichte machen, wenn die Autos mit Energie aus dem Netz betankt werden. Deshalb ist die preiswerteste Alternative, die Autos direkt mit selbst erzeugten Solarstrom zu betanken.

Klimaschäden einpreisen

Das sieht im Falle der Wärmeversorgung anders aus. Denn vor allem kleine Wärmepumpen kämpfen mit ebenfalls hohen Anschaffungskosten im Vergleich zum Konkurrenten Gas-Brennwertkessel. Diese sinken allerdings potenziell nicht so schnell wie die der Elektroautos. Zudem ist die Steuerbelastung von Erdgas geringer als die von Benzin und Diesel. Die Verlagerung der EEG-Umlage und der Stromsteuer des erneuerbaren Wärmepumpenstroms hin zu einer höheren Steuerbelastung oder einer CO2-Abgabe für das Erdgas würde zu einem fairen Wettbewerb zwischen Wärmepumpe und Gas-Brennwertkessel führen.

Haushalte entlasten

Das würde allerdings die Wärmekosten für einen Teil der Verbraucher nach oben treiben. Das betrifft vor allem solche, die weiterhin mit Erdgaskesseln heizen müssen, wie Wohnungsmieter: Denn diese können in der Regel nicht selbstbestimmt auf eine Wärmepumpen- oder eine andere mit Ökostrom betriebene Heizung umsteigen. Sie sind vielmehr auf das Engagement der Vermieter angewiesen sind.

Vor allem Haushalte mit hohem Raumwärmebedarf – etwa weil die Gebäude energetisch noch nicht auf dem Stand der Technik sind – oder mit niedrigem Einkommen sind hier am stärksten betroffen. Die Wissenschaftler schlagen deshalb entsprechende finanzielle Ausgleichsmaßnahmen vor. „Insgesamt ist jedoch auch zu sagen, dass nicht nur die Zusatzbelastung problematisch ist, sondern die betrachteten Musterhaushalte aktuell bereits einen hohen Anteil ihres Einkommens für Energie ausgeben müssen”, schränken die Autoren der Studie die Auswirkungen ein. Zudem wäre ohne eine großflächige Umstellung der Wärme und des Verkehrs auf Technologien, die mit Ökostrom angetrieben werden, die Klimaschutzziele nicht erreichbar.

Industrie ist der Gewinner

Für die Industrie und das Gewerbe wiederum würde sich die Situation verbessern. Denn vor allem energieintensive Unternehmen werden unterschiedliche Entlastungen bei der Zahlung von Energiesteuer, EEG-Umlage und Stromsteuer gewährt. Das wirkt sich positiv auf die Bilanz aus, wenn die EEG-Umlage und Stromsteuer für den Ökostrom als Energiequelle für Wärme und Mobilität zu Lasten der Energiesteuern auf fossile Brennstoffe verschoben wird.

Sie finden die vollständige Studie auf der Internetseite des Fraunhofer ISI zum kostenlosen Download.

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