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Finanzierungsstrategien für Versorger

Die Modernisierung von Strom-, Wärme-, Wasser- und Abwassernetzen erfordert in den kommenden zwei Jahrzehnten Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe. Für viele kleine und mittlere Versorger stellt sich die drängende Frage: Wie lässt sich das finanzieren?

Die Kreditaufnahme über regionale Hausbanken ist begrenzt, auch Fördermittel decken den Bedarf nur teilweise. Das Eigenkapital wird damit zum entscheidenden Hebel. Doch ohne eine Eigenkapitalquote von 20 bis 25 Prozent erhalten sie größere Darlehen nur schwer und zu deutlich schlechteren Konditionen.

Alternative Finanzierungslösungen für Versorger

Da Kommunen den Versorgern nur begrenzte Mittel bereitstellen können, sind alternative Eigenkapitalquellen nötig. Beteiligungskapital privater Investoren, etwa in Form von Instrumenten ohne Gesellschafterstimmrechte wie Nachrangdarlehen, stille Einlagen oder Genussscheine, kann zu einem Stabilitätsanker werden. Allerdings sind diese Instrumente preisintensiver als klassisches Fremdkapital, was sich in den Entgelten für Strom- und Wärmekunden niederschlagen würde.

Damit diese Belastungen begrenzt bleiben, ist eine staatliche Flankierung notwendig. Hier setzt der kürzlich beschlossene Infrastrukturfonds an. Er soll privates Kapital bündeln und über standardisierte, hybride Finanzierungsinstrumente zur Stärkung des Eigenkapitals an die kommunalen Versorger vergeben. Einheitliche Governance-Strukturen, klare Regeln und integrierte staatliche Förderanteile sollen diese Instrumente sowohl skalierbar als auch für Investoren attraktiv machen und gleichzeitig die Belastung der Abnehmer begrenzen.

Zusätzlicher Spielraum entsteht durch Verbriefungen: Erwartete Einnahmen wie Netzentgelte werden an eine Zweckgesellschaft verkauft und dort am Kapitalmarkt refinanziert. Das Risiko wird auf neue Investoren übertragen und der Finanzierungskreis erweitert. Der Versorger erhält sofort zusätzliche Liquidität, ohne dass sich die Eigenkapitalquote verändert.

Auch SPV-Strukturen (Special Purpose Vehicle) können Kapital mobilisieren. Dabei wird ein Projekt in einer eigenen Zweckgesellschaft finanziert, allerdings meist weiterhin bilanziell dem Versorger zugeordnet. Ihr Vorteil besteht weniger in der Bilanzwirkung als darin, dass sich die Finanzierung stärker an der Ertragskraft des Projekts orientiert und die Bonität des Versorgers dabei weniger im Vordergrund steht.

So werden Versorger für Investoren attraktiv

Private Investoren erwarten Transparenz und klar abgegrenzte Cashflows, insbesondere bei den Netzentgelten. Dazu gehören ein weiterentwickeltes Controlling und, wo sinnvoll, die Auslagerung von Netzbereichen in eigene Gesellschaften, um Erlösströme rechtlich und organisatorisch abzusichern. Zudem legen sie Wert auf skalierbare und standardisierte Strukturen mit einheitlichen Vertrags-, Governance- und Reportingstandards, wie sie Programmatic Joint Ventures bieten, da sie Projekte schnell und effizient umsetzbar machen.

Jetzt strategisch handeln

Stadtwerke und kommunale Versorger müssen jetzt Eigenkapitalbasis, Finanzierungswege und interne Strukturen strategisch weiterentwickeln, um die Finanzierung moderner Infrastruktur ermöglichen und die Transformation vor Ort mitgestalten zu können.

Wir stehen Versorgern bei der kaufmännischen, rechtlichen und steuerlichen Umsetzung zur Seite und beraten sie zu staatlichen Förderungen.

Autoren:
Alexandra ­Sausmekat und Heinrich ­Thiele, ­
Baker Tilly