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Effizienz

Energieverbrauch soll bis 2050 um 50 Prozent sinken

Bundesregierung beschließt Energieeffizienzstrategie. Derweil sinkt seit 2008 der Energieverbrauch, zuletzt auch, weil die Konjunktur lahmt. Der Anteil der Erneuerbaren steigt.

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Katharina Wolf

Klimaschutzziele sind in Deutschland bislang nicht unbedingt in Stein gemeißelt - das Ziel 2020 wird jedenfalls verfehlt.

Und auch die Ziele ab 2030 sind nicht unbedingt trockenen Tüchern - der schleppende Ausbau der erneuerbaren Energien, das nachgebesserte, aber dennoch schwache Klimapaket, wenig Fortschritte beim Verkehrsemissionen sowie die erwartete Steigerung des Energiebedarfs durch Digitalisierung verlangen nach entschlossenerem Handeln der Politik.

Ziel: energieeffizienteste Volkswirtschaft weltweit zu werden

Nun hat die Bundesregierung noch kurz vor Weihnachten die Energieeffizienzstrategie verabschiedet. Die Idee: Je weniger Energie verbraucht wird, desto einfacher ist es auch, Treibhausgase zu minimieren und den Anteil der Erneuerbaren zu erhöhen. Das Ziel: Bis 2050 soll Deutschland den Primärenergieverbrauch im Vergleich zu 2008 (knapp 14.380 Petajoule(PJ)) halbieren, dabei die Verbraucher vor zu hohen Energierechnungen schützen und zur energieeffizientesten Volkswirtschaft weltweit werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt die Bundesregierung auf drei Elemente:

  • Die Festlegung eines Effizienzzieles - zunächst auf 30 Prozent weniger Energieverbrauch bis 2030.
  • Den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE 2.0), der Effizienzmaßnahmen für die Dekade 2021-2030 bündelt.
  • Die „Roadmap Energieeffizienz 2050“. Gemeinsam mit Verbänden der Wirtschaft und Zivilgesellschaft, den Bundesländern und Vertretern der Wissenschaft sollen in diesem Prozess Wege zur Halbierung des Primärenergieverbrauchs bis 2050 analysiert und die dafür erforderlichen Maßnahmen und Instrumente entwickelt werden.

Seit 2008 ist der Primärenergieverbrauch leicht rückläufig

Bundeswirtschaftminister Altmaier lobte die Entwicklung bereits vorab: „Schon in den letzten Jahren ist es uns gelungen, unser Wachstum vom Energieverbrauch zu entkoppeln“, so Altmaier.

In der Tat ist der Primärenergieverbrauch in Deutschland laut Umweltbundesamt seit 2008 leicht rückläufig. 2019 erreichte er nach vorläufigen Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen) eine Höhe von 12.815 PJ. Das entspreche einem Rückgang um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Verantwortlich dafür sei neben Verbesserungen bei der Energieeffizienz und Substitionen im Energiemix ein Rückgang des Energieverbrauchs in der Industrie wegen Abflauens der Konjunktur.

Minus Kohle plus Erneuerbare = weniger CO2

Rückläufig war laut AG Energiebilanzen der Verbrauch von Stein- und Braunkohle (je gut -20 Prozent), gestiegen ist der Erdgasverbrauch (+3,6 Prozent) und der Mineralölverbrauch (+1,7 Prozent). Verantwortlich dafür war vor allem der gestiegene Verbrauch von leichtem Heizöl (+17,4 Prozent). Die erneuerbaren Energien legten deutlich im Anteil zu (+ 4 Prozent). Die Windkraft erhöhte ihren Beitrag um 15 Prozent. Bei der Wasserkraft gab es einen Zuwachs von 4 Prozent. Die Solarenergie legte nur leicht um 1 Prozent zu. Die Biomasse, auf die mehr als 50 Prozent des gesamten Aufkommens im Bereich der Erneuerbaren entfällt, verbuchte ein Plus von 2 Prozent.

Das hat positive Effekte für den CO2-Azusstoß: Die AG Energiebilanzen geht von einem merklichen Rückgang (bereinigt um Temperatureffekte und Lagerbestandsveränderungen) um gut 7 Prozent oder reichlich 50 Millionen Tonnen aus.

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