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Weltwindmarkt

Erde überlastet, IEA fordert Erneuerbare, Windmarkt zerfällt

Weltweit wird wegen Covid-19 ein Zusammenbruch des Windmarkts um bis zu 20 Prozent erwartet. In Amerika gehen 150.000 Jobs in Wind und Solar verloren.

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Der 3. Mai war der Erdüberlastungstag. In Deutschland haben wir bereits an diesem Wochenende alle Ressourcen, die sich im Laufe des Jahres regenerieren könnten, aufgebraucht und mehr Schäden angerichtet, als der Planet tragen kann. "Für ein ‚Weiter wie bisher‘ in Deutschland bräuchte es drei Planeten", sagt Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von Misereon: "Darüber kann auch die Atempause für Klima und Umwelt durch die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nicht hinwegtäuschen." Kommende Konjunkturprogramme müssten als Chance genutzt werden für Maßnahmen, die sich am Gemeinwohl orientieren, das allen Menschen weltweit zugutekommt. Zugleich sollten sie als Leitplanken die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens zum Ziel haben.

IEA drängt auf Einsatz Erneuerbarer

Der gerade von der Internationalen Energieagentur IEA vorgestellte „Global Energy Review 2020“ drängt in aller Deutlichkeit zum Ausbau erneuerbarer Energien. Die IEA ruft die Regierungen der Welt auf, zur Bewältigung der Krise jetzt in saubere Technologien wie Erneuerbare, Effizienz, Batterien und Wasserstofftechnologien zu investieren

Während auf dem amerikanischen Kontinent mehr als 150.000 Jobs aus Wind und Solar wegbrechen könnten, verweist GWEC darauf, dass die Regenerativbranche ein Jobmotor sein könnte. Demnach könnte der Global Green New Deal bis zu 170 Millionen Jobs bringen.

Windmarkt Lateinamerika

Gleichwohl, derzeit leiden die Windmärkte weltweit. Die Inter-American Development Bank (IDB) erwartet für 2020 weltweit ein Schrumpfen des Windmarkts um 15 bis 20 Prozent wegen Covid-19. Dabei wurde berücksichtigt, dass für dieses Jahr in China und den USA ein großes Wachstum erwartet wurde, jetzt aber beide Nationen schwer mit Corona zu kämpfen haben. Für Lateinamerika und die Karibikstaaten müssen laut internationaler Windvereinigung GWEC für 2030 die Prognosen erneuert werden. Diese sahen bisher 43 Gigawatt (GW) an Neuinstallationen vor. Für Lateinamerika wird eine Beeinträchtigung der Energieversorgung durch Corona nicht ausgeschlossen. Geplante Regenerativ-Energieinvestments könnten zudem wegen höherer Risiken wegbrechen.

New York State Offshore

Die New York State Public Service Commission hat den Plan für die Förderung von einem Gigawatt Offshore-Wind 2020 zwar bestärkt, aber das Vorhaben hängt auch vom Ausbau von Hafenbereichen ab, was sich wiederum zu Coronazeiten verzögern könnte.

New York will bis 2030 70 Prozent seiner Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen realisieren und bis 2035 eine Offshore-Windleistung von neun Gigawatt installiert haben. Damit hat der Staat die ambitioniertesten Ziele von allen US-Staaten und er ist wegen seiner Klimastrategie entscheidend auf Meereswindkraft angewiesen. Verzögerungen durch Corona würden sich aber nicht auf die US-Windzahlen 2020 auswirken, weil das erste Offshore-Projekt ohnehin erst 2022 online gehen sollte. Nur ein Demoprojekt von Ørsted und Dominion Energy mit zwölf MW war für 2020 vorgesehen. Und das wird wahrscheinlich trotz Corona in Virginia umgesetzt. Zumindest sind die zwei Siemens-Gamesa-Anlagen mit je sechs MW schon im Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada, angekommen.

Von 2022 auf 2023 verschoben hat Ørsted derweil den Bau eines 120-MW-Offshoreparks in Maryland wegen Genehmigungsverzögerungen. Auch ein 130-MW-Projekt des Planers in South Fork könnte sich auf nach 2022 verzögern. So auch die folgenden Projekte: Ocean Wind (704 MW), Revolution Wind (1,100 MW) und Sunrise Wind (880 MW). Darum hat GWEC den Ausblick für 2022 im US-Offshore-Geschäft von 283 MW to 163 MW reduziert.

Indien

In Indien hat das Ministerium für Neue und Erneuerbare Energie (MNRE) bekanntgegeben, dass der Lockdown wegen Corona den Regenerativausbau bremsen kann. Projekte mit 1,8 GW, die für das erste bis zweite Quartal vorgesehen waren, verzögern sich. 0,7 bis 1,1 GW, die für das vierte Quartal vorgesehen waren, verschieben sich auf 2021. 8,7 bis 9,8 GW werden nur noch bis 2022 erwartet.

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