Ocean Breeze Energy (OBE) betreibt den ersten deutschen Offshore-Großwindpark Bard Offshore 1. OBE entwickelt auch dessen Technik fort. Ein Gespräch mit der Führung.
Ihr Ziel der Generalüberholung von Bard Offshore 1 von 2015 an ist, ihn aufs langjährig verlässliche Stromerzeugen zu trim-men. Welche Ergebnisse brachte das 2025?
Jean Huby: Zehn Jahre später läuft alles nach Plan – wobei zur Normalität dieses 15-jährigen Windparks die Überraschung gehört. Eine erste Überraschung im Jahr 2025 war ein Kabelschaden, der im Mai festgestellt wurde. Das löste ein Rennen gegen die Uhr aus, da wir das Kabel unbedingt vor den Herbststürmen tauschen wollten. Das ist uns auch gelungen, sodass sich die wirtschaftlichen Konsequenzen in Grenzen hielten. Wir konnten die Ursache des einmaligen Schadens identifizieren und für die Zukunft ähnliche Vorfälle ausschließen.Eine weitere Überraschung im letzten Jahr war der Komplettausfall des Jack-Up-Schiffes, welches wir von einem langjährigen Partner für Großkomponententausche gebucht hatten. Wir mussten deshalb den 2017 begonnenen Tausch von Großkomponenten für ein Jahr unterbrechen. Weil wir jahrelang immer tüchtig Großkomponenten ausgewechselt hatten, fielen im Winter nur drei Anlagen wegen dieser Unterbrechung aus. Und unser selbst entwickeltes Peak-Power-Uprate mit dem unsere Anlagen bis 5,5 MW bei Volllast produzieren können, hat den Minderertrag weitgehend kompensiert.
Joachim Arndt: Unterm Strich erreichten wir 2025 fast 90 Prozent Energie-Verfügbarkeit, wenn wir die kabelbedingten Stillstände herausrechnen und nach einem schwachen Frühjahr rund 3.000 Volllaststunden.
Mit dem Peak-Power- Uprate meinen Sie, dass Sie durch das Neuberechnen des Designs die 5,0-Megawatt-Anlagen für 5,5 MW Höchstbetrieb zertifizieren konnten?
Jean Huby: Genau. Dadurch können wir bei Volllast ausgefallene Anlagen kompensieren. Das Peak-Power-Uprate ist seit Ende 2023 aktiv.
Joachim Arndt: Um die Windturbinen mit zehn Prozent höherer Nennleistung zu betreiben, mussten alle Systeme der Anlage erneut nachgewiesen werden. Diese Leistungen wurden fast alle inhouse erbracht.
Sie bereiten gedanklich vor, den Betrieb um zehn Jahre über die Standardlaufzeit zu verlängern. Erstaunt Sie das selbst?
Jean Huby: Eigentlich nicht. Es war uns auch von Anfang an klar, dass das Design der ersten kommerziellen Meereswindparks wie Bard Offshore 1 sehr konservativ war und Reserve für Lebensverlängerung bot.
Joachim Arndt: Zum Beispiel das Stützkreuz des Tripiles. Das ist das Verbindungsstück zwischen dem Turm und den drei Piles. Der Zertifizierer forderte wegen Fehlern in den tragenden Schweißnähten in den Stützkreuzen, dass wir einmal jährlich in Summe sechs Kilometer Schweißnahtstrecke per Ultraschall untersuchen. Die Kosten dafür kletterten 2016 auf mehr als eine Million Euro, mit der Inflation wären es heute zwei Millionen Euro jährlich geworden. Der Eigentümer hatte sogar eine Reparatur der fehlerhaften Schweißnähte in Betracht gezogen. Wir haben uns gleich für einen anderen Weg entschieden und etablierten ein zerstörungsfreies NDT-Verfahren mit dem die Ungänzen in den Schweißnähten bildlich dargestellt wurden. Damit konnten wir über drei Jahre nachweisen, dass die Fehlstellen sich von Jahr zu Jahr nicht entwickelt hatten. Mit den erarbeiteten Daten berechneten wir die Betriebsfestigkeit auf 30 Jahre für alle Stützkreuze. Durch diese Nachweisführung konnten wir uns von der Auflage der wiederkehrenden NDT-Prüfungen befreien. (tw)