Der Druck auf die Bundesregierung wächst: Während das Kabinett noch um einen Entwurf fürs Windenergie-auf-See-Gesetz ringt, schlägt die Offshore-Windkraft-Branche Alarm und fordert schnelle gesetzliche Änderungen, um einen drohenden Stillstand beim Ausbau der Windkraft auf See abzuwenden. Auslöser ist die Gefahr, dass bereits vergebene Offshore-Flächen ohne Baustarts über Jahre blockiert bleiben könnten.
Der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) fordert nun einen Mechanismus, mit dem Unternehmen Offshore-Flächen freiwillig zurückgeben können. Diese sollen schnell neu ausgeschrieben werden, damit Ausbauziele und Netzanschlüsse nicht festhängen. Gemäß BWO könnten 16 Gigawatt (GW) blockiert sein. In damaligen Ausschreibungen hatten Unternehmen teils milliardenschwere Gebote abgegeben, um Flächen in der See zu sichern. Das Auktionsdesign setzte stark auf hohe Zahlungszusagen an den Staat. Dabei tragen die Projektierer erhebliche Risiken selbst – durch verzögerte Netzanschlüsse oder steigende Kosten in der Lieferketten. Diese Kombination entwickelt sich offenbar zum Problem.
Eine journalistische Recherche von NDR und Süddeutsche Zeitung ergab, dass die Ölkonzerne BP und Total Energies, die 2023 mit Rekordgeboten von insgesamt 12,6 Milliarden Euro große Flächen ersteigerten, beim Umsetzen zögern. Tatsächlich drängte Total Energies branchenintern auf die Rückgabeoption. BP soll sein Hamburger Projektbüro schließen.
Im März hatten deutsche Meereswindparks erstmals die Schwelle von 10 GW Einspeisekapazität überschritten. Das offizielle Ziel von 30 GW bis 2030 wird wohl frühestens 2032 erreicht. Zuletzt erhielt der 927-Megawatt-Ostseewindpark Gennaker im April von der Europäischen Investitionsbank eine Finanzierungszusage für 700 Millionen Euro. Gennaker soll gemäß Absprache mit Netzbetreiber 50 Hertz vom Jahresanfang 2028 ans Netz. (nw/tw)