Foto: DOTI 2010 / alpha ventus

Studie des HWWI

Rückbau offshore: Chance für deutsche Häfen?

Eine Marktanalyse ermittelt ein großes Rückbau-Potenzial in der Nordsee schon in den nächsten Jahren. Wie können Häfen und Branche diese Chance nutzen?

Inhaltsverzeichnis

Katharina Wolf

Die Offshore-Windenergie ist - gerade auch in Deutschland - ein noch junge Industrie. Trotzdem sollte sich die Branche bereits jetzt Gedanken um Rückbau und Entsorgung der Anlagen machen. Bis 2023 müssen in der Nordsee mehr als 200 Turbinen zurückgebaut werden, ermittelte eine jetzt vorgestellte Marktanalyse des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI).

Die ersten Anlagen müssen 2020 zurückgebaut werden

Windenergieanlagen sind in der Regel auf eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren ausgelegt. deshalb scheint der Zeitpunkt ihres Rückbaus noch weit entfernt. Aber das täusche, so die Hamburger Wissenschaftler. Der Marktanalyse zufolge wird die Anzahl infrage kommender Windkraftanlagen ab 2020 stetig zunehmen. „Die Zahl der betroffenen Anlagen ist unerwartet groß“, sagt Mirko Kruse, Ökonom am HWWI. Denn die Analyse zeige, dass 22 Offshore-Windturbinen im Jahr 2020, 80 Turbinen 2022 und 123 Turbinen 2023 ausgewechselt oder zurückgebaut werden müssen.

Jetzt können Standards gesetzt werden

Und darin liegt ein Chance: Europa als Pionier der Offshore-Windenergie besitzt die ältesten Anlagen. Es bestehe die Möglichkeit, den globalen Standard zum Rückbau dieser Anlagen zu setzen, heißt es in der Analyse. Voraussetzung für eine erfolgreiche Abwicklung seien neben abgestimmten logistischen Prozessen und neuartigen Recycling-Verfahren für Verbundmaterialien in den Flügeln auch eine entsprechende Infrastruktur.

Norddeutschland kann Anlaufstellen schaffen

„Insbesondere Norddeutschland kann mit seinen Seehäfen wichtige Anlaufstellen für zukünftige Aktivitäten in diesem Bereich schaffen und mit den nachgelagerten Verarbeitungsstufen einen signifikanten Teil der Wertschöpfungskette anziehen“, sagt Isabel Sünner, Leiterin Internationale Kooperation am HWWI. Neben infrastrukturellen Engpässen fehle es allerdings absehbar an qualifiziertem Personal, um den Rückbauprozess zu begleiten. „Wenn sich jedoch die Häfen und nachgelagerten Industrien jetzt zeitnah auf die kommenden Herausforderungen einstellen, ergibt sich ein neues Betätigungsfeld für die norddeutschen Standorte“, so Sünner.

Die Studie entstand im Projekt „DECOM Tools“. Dort arbeiten Partner aus Deutschland, Dänemark, Belgien, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und Norwegen über vier Jahre zusammen an ökologischen und innovativen Konzepten zum Rückbau von Offshore-Windenergieanlagen.

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