Foto: Areva Multibrid/Jan Oelker

Studie des HWWI

Rückbau offshore: In Deutschland noch lange kein Thema

Noch ist viel Zeit, bis die ersten deutschen Offfshore-Windparks abgebaut werden. Warum sich die Häfen trotzdem vorbereiten sollten, hat eine Studie ermittelt.

Inhaltsverzeichnis

Katharina Wolf

Die Offshore-Windenergie ist - gerade auch in Deutschland - ein noch junge Industrie. Trotzdem sollte sich die Branche bereits jetzt Gedanken um Rückbau und Entsorgung der Anlagen machen. Bis 2023 müssen in der gesamten Nordsee mehr als 200 Turbinen zurückgebaut werden, ermittelte eine Marktanalyse des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI).

Die ersten Anlagen müssen 2020 zurückgebaut werden

Windenergieanlagen sind in der Regel auf eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren ausgelegt. Deshalb scheint der Zeitpunkt ihres Rückbaus noch weit entfernt - zumal in Deutschland, wo erst 2010 mit Alpha Ventus der erste Windpark im Meer ans Netz ging. Aber das täusche, so die Hamburger Wissenschaftler. Denn andere Länder starteten früher: In Dänemark gingen zwischen 2000 und 2009 rund 300 Windenergieanlagen offshore ans Netz, Großbritannien nahm 2003 mit North Hoyle die ersten 30 Anlagen in Betrieb.

Der Marktanalyse zufolge wird deshalb die Anzahl infrage kommender Windkraftanlagen ab 2020 stetig zunehmen. „Die Zahl der betroffenen Anlagen ist unerwartet groß“, sagt Mirko Kruse, Ökonom am HWWI. Die Analyse zeige, dass 22 Offshore-Windturbinen im Jahr 2020, 80 Turbinen 2022 und 123 Turbinen 2023 ausgewechselt oder zurückgebaut werden müssen.

Jetzt können Standards gesetzt werden

Und darin liegt ein Chance: Es bestehe jetzt die Möglichkeit, den globalen Standard zum Rückbau dieser Anlagen zu setzen, heißt es in der Analyse der HWWI. Voraussetzung für eine erfolgreiche Abwicklung seien neben abgestimmten logistischen Prozessen und neuartigen Recycling-Verfahren für Verbundmaterialien in den Flügeln auch eine entsprechende Infrastruktur.

Norddeutschland kann Anlaufstellen schaffen

„Insbesondere Norddeutschland kann mit seinen Seehäfen wichtige Anlaufstellen für zukünftige Aktivitäten in diesem Bereich schaffen und mit den nachgelagerten Verarbeitungsstufen einen signifikanten Teil der Wertschöpfungskette anziehen“, sagt Isabel Sünner, Leiterin Internationale Kooperation am HWWI. Neben infrastrukturellen Engpässen fehle es allerdings absehbar an qualifiziertem Personal, um den Rückbauprozess zu begleiten. „Wenn sich jedoch die Häfen und nachgelagerten Industrien jetzt zeitnah auf die kommenden Herausforderungen einstellen, ergibt sich ein neues Betätigungsfeld für die norddeutschen Standorte“, so Sünner.

Die Studie entstand im Projekt „DECOM Tools“. Dort arbeiten Partner aus Deutschland, Dänemark, Belgien, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und Norwegen über vier Jahre zusammen an ökologischen und innovativen Konzepten zum Rückbau von Offshore-Windenergieanlagen.

Forschungsprojekt„Seeoff “ entwickelt Handbuch

Auch anderswo sind die ersten Standards bereits in Arbeit. Seit 2018 forscht das Projekt „SeeOff“ der Universität Bremen zum Thema Rückbau und Repowering von Offshore-Windparks. Ziel ist, die am Rückbau beteiligten Unternehmen zu befähigen, effiziente Rückbaustrategien zu ermitteln und ein Rückbauhandbuch zu entwickeln.

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