Foto: THM Partners LLP

Finanzierung

Senvion holt Chefmanager für Restrukturierung

Der deutsche Windturbinenhersteller Senvion hat einen Restrukturierungs-Chef für die Geschäftsführung berufen, um eine Finanzierungsnotlage zu bekämpfen.

Tilman Weber

Der Unternehmensberater und Managementexperte Neil Robson wird Chief Restructuring Officer (CRO) bei Senvion. Wie der Windturbinenbauer am Mittwochmorgen mitteilte, holt er Robson von der Londoner Restrukturierungs-Beratungsgesellschaft THM Partners für aktuelle „Finanzierungsverhandlungen“ holen. Der Interimsmanager ist Partner der Londoner Consultingfirma THM und war immer wieder mal als CRO, mal auch als CFO beziehungsweise Finanzierungschef-Manager bei unterschiedlichen Unternehmen im Einsatz. Ab wann und für wie lange Robson bei Senvion verantwortlich zeichnet, teilte das deutsche Unternehmen nicht mit. Jedenfalls soll der Londoner mit seinen Managementkünsten laut Senvion „zur Sicherstellung von Finanzierungslösungen“ beitragen, um für die Windkraftfirma ihr im Januar ausgerufenes Transformationsprogramm in Gang zu setzen.

Der Anfang 2019 neu angetretene Senvion-Chef Yves Rannou sagte dazu: „Wir haben einen klar definierten Maßnahmenplan, um das Unternehmen mittelfristig zu stabilisieren und zu stärken.“ Der Londoner Restrukturierungsspezialist werde die bei Senvion bereits „laufenden Finanzierungsgespräche mit wichtigen Stakeholdern als CRO erfolgreich vorantreiben."

Erst Mitte Februar erst hatte Senvion das als „Transformationsprogramm“ bezeichnete Maßnahmenpaket angekündigt. Es soll Ineffizienzen im Unternehme beseitigen, um auf die rückläufigen Margen im Windenergiegeschäft und den zeitgleich stark zunehmenden Termindruck aus schnell und kurzfristig eingehenden Aufträgen aus immer weiter entfernten Märkten zu reagieren. Nach Verzögerungen bei den Installationen neuer Senvion-Turbinen-Windparks hatte das Unternehmen kürzlich seine Umsatzprognose für das vergangene Jahr deutlich von prognostizierten 1,6 auf 1,45 Milliarden Euro und seine Gewinnerwartung von fünf auf drei Prozent an Gewinnmarge reduzieren müssen. Die Präsentation des Jahresabschlusses, ursprünglich in der vergangenen Woche geplant, hatte Senvion kurzfristig auf ein noch unbekanntes Datum verschoben.

Dabei erzielt der Windturbinenbauer durchaus noch immer viele Aufträge, wenn nicht sogar mehr denn je: So hatte Senvion Anfang Januar für das vierte Geschäftsquartal 2018 eine erneute Zunahme beim finanziellen Volumen der neu in einem Jahr eingegangenen Aufträge um drei Prozent auf 1,52 Milliarden Euro vermeldet. Gemessen an der bestellten Erzeugungskapazität hatte Senvion sogar um 16 Prozent höhere Auftragsvolumen verzeichnet als 2017 – so war das Volumen an bestellter Turbinenleistung von 1,74 auf 2,01 Gigawatt angewachsen. Schon 67 Prozent der 2018 erzielten neuen gesicherten Bestellungen hatten die Kunden für Windparks in sogenannten neuen Märkten gezeichnet. Das ist deshalb wichtig, weil angestammte traditionelle Senvion-Märkte wie vor allem Deutschland sowie auch weitere europäische Länder aufgrund einer restriktiven Politik inzwischen stark rückläufig sind. Die Orderpipeline soll sogar mit rund fünf GW prall gefüllt sein.

Allerdings konnte Senvion 2018 offenbar nur 1,1 GW installieren, und damit deutlich weniger als es den Auftragseingängen entspricht. Zudem machen dem Unternehmen wie auch anderen Wettbewerbern in der Branche die unter dem Druck weltweit neu eingeführter Ausschreibungssysteme stark fallenden Preise zu schaffen – insbesondere im Stammmarkt Deutschland.

Senvion meldete zwar zuletzt auch Aufträge mit Signalwirkung. So errichtet das Unternehmen laut einer Mitteilung vom Montag derzeit sowohl die am höchsten aufragende Windturbine Frankreichs mit einer Nabenhöhe von 200 Meter und 122 Meter Rotordurchmesser – Gesamthöhe demnach: 262 Meter –, und es wird nach Installation zweier Anlagen vom Modell 3.6M140 mit 3,6 Megawatt (MW) Leistung und 140 Meter Rotordurchmesser auch die dann größten Windturbinen in einem italienischen Windpark errichtet haben. Außerdem ging laut Mitteilung vom 1. März die schon länger erwartete Bestellung des ersten Offshore-Windparks Italiens über zehn Anlagen vom Drei-MW-Typ 3.0M122 ein.

Allerdings will und muss das Unternehmen das Tempo der Umstrukturierung offenbar verstärken und braucht dafür neue Finanzierungen. Zu den im Februar bekannt gegebenen Maßnahmen gehören die Refokussierung auf neue „attraktive Märkte“, bei denen es sich um Wachstumsmärkte handeln soll, dann eine Verschlankung des Produktportfolios sowie der Ausbau der Modularisierung der Windturbinenfertigung in leicht zu vervielfältigende Komponentenbauteile zur Kostenreduzierung. Außerdem stehen neue Sparmaßnahmen in Aussicht und eben die „Stärkung der finanziellen Basis gemeinsam mit Kreditgebern, um das Unternehmen während der Übergangsphase zu stabilisieren“.

Foto: Julia Nowak/Deutscher Bundestag

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