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Neue Studie der Irena – ein Kommentar

Sonne und Wind können es preiswerter als bestehende Kohlekraftwerke

Eine aktuelle Studie der Irena zeigt, dass neue Solar- und Windkraftanlagen Strom preiswerter liefern als abgeschriebene Kohlekraftwerke. Das zeigt: Ein schneller Kohleausstieg ist die kostengünstigste Variante, die Energiewende zu gestalten.

Seit zehn Jahren sinken die Kosten für den Strom aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen – etwas, das die fossile Stromproduktion nie hinbekommen hat. Auf diese Weise ist der Ökostrom immer wettbewerbsfähiger geworden. Schon längst können neue Solar- und Windkraftanlagen den Strom preiswerter produzieren als neue Kohlekraftwerke. Lange Zeit konnten die abgeschriebenen Kohlemeiler mit ihrem teilweise hoch subventionierten Brennstoff noch gegen die Ökostromanlagen konkurrieren. Denn diese Kraftwerke sind inzwischen abgeschrieben und es gehen nur noch die Brennstoff- und andere Betriebskosten in den Stromgestehungpreis ein. Doch auch das ist inzwischen vorbei, wie eine neue Studie der Internationalen Agentur für Erneuerbar Energien (Irena) herausgefunden hat.

17.000 Solar- und Windprojekte analysiert

Die Analysten der Irena haben sich 17.000 Photovoltaik- und Windkraftprojekte angeschaut, die gerade errichtet oder geplant sind. Sie haben die Gestehungskosten für den mit diesen Anlagen produzierten Strom mit den Stromkosten von bestehenden Kohlekraftwerken verglichen. Das Ergebnis: Die Ökostromanlagen können zunehmend bestehende Kohlekraftwerke preislich unterbieten. Denn im Schnitt kosten neue Photovoltaik- und Windkraftwerke an Land weniger als die Betriebserhaltung von vielen bestehenden Kohlekraftwerken. „Die Auktionsergebnisse deuten auf eine Beschleunigung dieses Trends hin, was für einen vollständigen Ausstieg aus der Kohle spricht”, betonen die Analysten der Irena.

Sonnenstrom wird 42 Prozent preiswerter

Die Daten sprechen eine eindeutige Sprache. So ist der Preis für Strom aus Solarparks in den vergangenen zehn Jahre um 82 Prozent gesunken. Allein im Jahr 2019 ging er um 13 Prozent zurück und kostet im Schnitt nur noch 68 Dollar pro Megawattstunde. Die Stromgestehungskosten werden weiter sinken und im Jahr 2021 durchschnittlich bei 39 Dollar pro Megawattstunde liegen. „Das ist abermals ein Rückgang um 42 Prozent im Vergleich zu den gewichteten Stromgestehungskosten des Jahres 2019 und liegen mehr als ein Fünftel unter den Stromgestehungskosten des billigsten fossilen Wettbewerbers – der Kohlekraftwerke”, schreiben die Analysten in ihrem Bericht.

Kosten für Windstrom sinken

Auch die Windkraft an Land hat mit einem Preisrückgang innerhalb von zehn Jahren um 39 Prozent gut mitgezogen und der Strompreis liegt jetzt bei durchschnittlich 53 Dollar pro Megawattstunde. Die Preise sinken im Jahr 2021 voraussichtlich auf 43 Dollar pro Megawattstunde. Mit einem Preisrückgang um 29 Prozent innerhalb von zehn Jahren und einem derzeitigen Durchschnittspreis von 115 Dollar pro Megawattstunde ist die Offshore-Windkraft ebenfalls auf dem gleichen Weg wie die anderen Technologien. Denn deren Gestehungskosten werden bis 2023 auf 82 Dollar pro Megawattstunde sinken.

Zäsur in der Energiewende

Damit ist die Richtung eindeutig, die auch die Bundesregierungen einschlagen sollte, wenn sie es ernst meint mit ihrer Maßgabe, die Energiewende so preiswert wie möglich zu gestalten. Statt neue Kohlekraftwerke in Betrieb zu nehmen, sollten lieber die Hürden für den Zubau der Erneuerbaren abgeschafft werden, damit die Kohlekraftwerke schneller vom Netz gehen können. Sie sollte sich die Empfehlung von Francesco La Camera, dem Generaldirektor der Irena zu Herzen nehmen. „Wir haben eine Zäsur in der Energiewende erreicht. Neue Kohlekraftwerke und ein Großteil der bestehenden Kohleverstromung sind sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich nicht mehr zu rechtfertigen”, sagt er mit Blick auf die Ergebnisse der Studie. „Erneuerbare Energien kristallisieren sich zunehmend als günstigste Quelle für neue Stromkapazitäten heraus und bieten ein enormes Potenzial zur Ankurbelung der Weltwirtschaft und Schaffung von Arbeitsplätzen.“

Bremser beim Kohleausstieg treiben die Stromkosten

Die Studie zeigt eindeutig: Jeder, der beim Kohleausstieg bremst, tut das zu Lasten der Stromkunden. Denn die müssen weiterhin den im Vergleich zur Ökoenergie zunehmend teuren Kohlestrom weiter finanzieren. Die Stromkunden können nicht von den weltweiten Preissenkungen der Photovoltaik und der Windenergie profitieren. In den nächsten Jahren werden Kohlekraftwerke in den verschiedenen Ländern dieser Erde mit einer Gesamtleistung von 1.200 Gigawatt ihren Strom teurer produzieren als die Solar- und Windkraftwerke. Allein die Stilllegung der teuersten Kohlemeiler mit einer Gesamtleistung von 500 Gigawatt können zu Kosteneinsparungen im Stromsystem in einer Höhe von 500 Milliarden Dollar führen.

Schnell aus der Kohle aussteigen

La Camera rät deshalb, dass sich die Kohleverstromer so schnell wie möglich von ihren Altanlagen verabschieden, die zunehmen unwirtschaftlich werden. Völlig widersinnig ist schon sein Jahren der Bau neuer Kohlekraftwerke – zumindest, wenn man dabei auf die Kosten für diejenigen ahcten will, die diesen Strom verbrauchen sollen. Klar ist schon lange, das jüngst ans Netz gegangene neue Steinkohlekraftwerk Datteln 4 wird sie niemals am Strommarkt behaupten können. Selbst dann nicht, wenn es mit billiger Kohle aus Kolumbien befeuert wird, die die Bergarbeiter dort unter widrigsten Umständen zu Tage fördern.

Datteln entpuppt sich als Fehlinvestition

Sicherlich war das 2007, als der Bau des Kraftwerkes begonnen hat, so noch nicht abzusehen. Doch angesichts der Lernkurve, die die Photovoltaik und auch die Windkraft seit 2010 vorgelegt hat, hätten die Investoren in das Kraftwerk umsteuern müssen. Zumal die Erzeugungskapazität wohl auch gar nicht mehr gebraucht wird. Denn mit seinen 1,1 Gigawatt ist das Kraftwerk zwar ziemlich leistungsstark. Doch in dieser Zeit sind allein Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von fast 40 Gigawatt entstanden. Selbst die begrenzte Flexibilität eines neuen Kohlekraftwerks ist mit Blick auf die marktfähigen Speichertechnologien und anderen Lösungen, die bereits existieren, nicht mehr notwendig.

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