Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch

„Betreiber erwarten belastbare Nachweise zur Verwertung“

Was sind Ihre jüngsten Innovationen?

Mika Lange: Wir haben unser Leistungsspektrum konsequent auf die Anforderungen des Repowering-Marktes ausgerichtet. Dazu gehören insbesondere die Entwicklung von Konzepten zur Wiederverwendung von Komponenten und zur hochwertigen Verwertung von Abfällen sowie die Weiterentwicklung mobiler Verfahren zur Zerlegung von Rotorblättern direkt auf der Baustelle. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung von Dokumentations- und Nachweisprozessen, um Betreibern und Projektierern maximale Transparenz und Rechtssicherheit bei Rückbau- und Verwertungsprozessen zu bieten.

Stellen Sie es sich so vor: Unser Rückbau schafft erst die Voraussetzungen für den Neubau. Wir kommen schnell in eine Verzahnungslage, in der sich der Rückbau und der Neubau in der Flächensituation im Windpark und in den jeweiligen Bauabschnitten miteinander verzahnen. Das betrifft auch die Arbeitssicherheit, den Umweltschutz und die Termintreue.

Wir haben unser Leistungsspektrum konsequent auf die Anforderungen des Repowering-Marktes ausgerichtet.

Mika Lange, Geschäftsführer, neowa

Foto: neowa

Wobei sind Sie derzeit besonders gefragt?

Mika Lange: 95 Prozent unserer Projekte stehen heute im direkten Zusammenhang mit Re­powering-Vorhaben. Dabei übernehmen wir die Planung, Koordination und Umsetzung komplexer Rück­bauprojekte einschließlich Infrastruktur, Fundamentrückbau, Stoffstrommanagement und Recycling. Besonders prägend ist die zunehmende Größe und Komplexität der Projekte. Betreiber erwarten heute neben dem sicheren Rückbau vor allem belastbare Nachweise zur Verwertung, transparente Materialströme sowie eine termin- und genehmigungssichere Projektabwicklung als Voraussetzung für den zügigen Neubau moderner Anlagen. Dafür haben wir nach ISO 9001, 14001 und 45001 sowie Entsorgungsfachbetriebeverordnung zertifizieren lassen.

Was sind jüngste Leuchtturmprojekte?

Mika Lange: Ein aktuelles Leuchtturmprojekt umfasst den Rückbau von 21 Windenergieanlagen in einem logistisch und organisatorisch anspruchsvollen Umfeld. Die Besonderheit liegt in der Vielzahl beteiligter Eigentümer sowie in infrastrukturellen Engpässen, die eine präzise Abstimmung von Rückbau, Logistik, Materialabfluss und nachgelagerten Repowering-Maßnahmen erfordern. Das Projekt steht beispielhaft für die zunehmende Komplexität moderner Rückbauvorhaben und die Bedeutung einer integralen Projektsteuerung. Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist der Rückbau von Windenergieanlagen mit Hybridtürmen, bei denen ein spezielles Rückbauverfahren, die sogenannte Sprengfaltung, zum Einsatz kommt.

Haben Sie als Rückbauer ein spezielles Altanlagenbesitzer-Beteiligungsmodell?

Mika Lange: Als Rückbau- und Recyclingdienstleister entwickeln wir keine eigenen Beteiligungsmodelle. Wir unterstützen jedoch Projektierer und Betreiber durch transparente Verwertungs- und Rückbaukonzepte dabei, belastbare Entscheidungsgrundlagen für Eigentümer, Investoren und weitere Stakeholder zu schaffen.

Wie regeln Sie das Recycling? Wie hoch ist die Quote der Wiederverwendung?

Mika Lange: Unser Ziel ist eine möglichst hohe Wiederverwendungs- und Recyclingquote. Bereits in der Planungsphase analysieren wir sämtliche Komponenten und Materialien hinsichtlich ihrer Wiederverwendungs-, Vermarktungs- und Recyclingpotenziale. Neben dem klassischen Recycling von Stahl, Kupfer und Aluminium betreibt neowa einen eigenen Anlagen- und Komponentenhandel mit Lagerkapazitäten und eigener Vermarktungsplattform. Als zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb dokumentieren wir sämtliche Stoffströme und Verwertungswege lückenlos und arbeiten ausschließlich mit zertifizierten und auditierten Partnern zusammen.

Für wen und mit wem arbeiten Sie?

Mika Lange: Unsere Kunden sind Betreiber von Windparks, Projektentwickler, Energieversorger, Investoren, Hersteller sowie weitere Akteure entlang der Wertschöpfungskette der Windenergie. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit Recyclingunternehmen, Entsorgern, Logistikern und Spezial-Servicepartnern zusammen. Seit 2024 ist neowa Teil der Vidia-Gruppe und bildet gemeinsam mit der Schwestergesellschaft Ven-to …

… ein dänischer Rotorblattdienst …

Mika Lange: … den Kern einer integrierten Windenergie-Serviceplattform, die Leistungen über den gesamten Lebenszyklus von Windenergieanlagen bündelt. Der Fokus verschiebt sich zunehmend von der reinen Entsorgung hin zur nachweisbaren Kreislaufwirtschaft. Betreiber, Investoren und Finanzierer erwarten Transparenz über CO₂-Wirkungen, Recyclingquoten, Materialströme und Wiederverwendungspotenziale. Rückbauunternehmen werden künftig nicht mehr ausschließlich an Kosten und Terminen gemessen, sondern auch an Dekarbonisierung und Ressourcenschonung. Dies deckt sich mit dem strategischen Ansatz der Vidia-Gruppe, die auf Skalierung von Klimalösungen in emissionsintensiven Branchen abzielt.

Tags