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Kurzer Importweg von Energiecluster

Fabian Kauschke

Keine 40 Kilometer nördlich der deutschen Grenze wächst ein Energiecluster im dänischen Kassø. Im Herzen steht dabei eine Power-to-X-Anlage mit 52 Megawatt, die seit Mai 2025 E-Methanol auf industriellem Niveau produziert. In Summe entstehen hier 42.000 Tonnen E-Methanol pro Jahr. Versorgung erhält der Cluster durch einen 300-Megawatt-Solarpark. Doch dabei soll es nicht bleiben. Zusätzliche Elektrolysekapazitäten, Energiespeicher und Anlagen zur Produktion nachhaltiger Kraftstoffe sollen folgen. So umfassen Erweiterungspläne Batteriespeicher für den Solarpark und einen Elektrolyseur mit 150 Megawatt, der angedacht ist, Wasserstoff nach Deutschland zu liefern. Ambitionierte Pläne, die jedoch nach Einschätzung der Betreiber durch industrielle Abnehmer und regulatorische Gegebenheiten in Dänemark gerechtfertigt sind.

Zahlreiche Abnehmer zeigen Nachfrage

Beim Solar Park Kassø handelt es sich um ein Joint Venture von European Energy (51 Prozent) und Mitsui & Co. (49 Prozent). Das Joint Venture ist damit sowohl Eigentümer des Solarparks Kassø als auch der am selben Standort gelegenen E-Methanol-Anlage. Dabei fällt auf, dass die Anlage bewusst für den Gewinn von E-Methanol entwickelt wurde und grüner Wasserstoff erst als ein späterer Erweiterungsschritt des Clusters geplant ist. „E-Methanol besitzt eine deutlich höhere Energiedichte als Wasserstoff und lässt sich über große Entfernungen effizienter transportieren“, erklärt Simon Schrickel, Project Manager Power-to-X von European Energy. Als Ausgangsstoff für erneuerbare Kraftstoffe im Straßenverkehr, in der Luft- und Schifffahrt werden die Moleküle darüber hinaus in chemischen Anwendungen wie beispielsweise als Lösungsmittel bei der Herstellung von Kunststoffen verwendet.

42 Tausend Tonnen E-Methanol pro Jahr produziert die Power-to-X-Anlage in Kassø.

Die Anwendungsbreite zeichnet sich im Kundenportfolio der Anlage ab. Den Hauptteil nimmt das dänische Hafenlogistik- und Schifffahrtsunternehmen Maersk ab und nutzt das E-Methanol als Schifffahrtskraftstoff. Spielzeughersteller Lego und Gesundheitsunternehmen Novo Nordisk verwenden es zur Herstellung des technischen Kunststoffs POM. Im Rahmen des deutschen Forschungsprojekts DeCarTrans wurden 86 Tonnen des in Kassø produzierten E-Methanols in der Großpilotanlage der TU Bergakademie Freiberg zu synthetischem Benzin verarbeitet. Dabei entstanden verschiedene Benzinqualitäten, darunter RON95 E10, RON98 E10 und RON102 – kompatibel mit bestehender Infrastruktur und bestehenden Fahrzeugen.

Ein weiterer öffentlich bekannt gegebener Abnahmevertrag wurde mit dem Erdgas- und Erdölkonzern OMV geschlossen. Auch diese Vereinbarung wird bereits umgesetzt, und die erste Lieferung von E-Methanol ist bereits erfolgt. OMV nutzt ebenso wie Shell das RFNBO-konforme Methanol für den Ersatz von fossilem Methanol in der Biodieselherstellung oder als Beimischung zu Benzin. „Durch die Umsetzung der RED III in nationales Recht hat sich auch der deutsche Kraftstoffmarkt für Methanol geöffnet“, sagt Simon Schrickel.

Unterquote sorgt für Marktentwicklung

Mit dem Kabinettsbeschluss zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote führt die Bundesregierung erstmals eine Unterquote für erneuerbare Kraftstoffe nicht biogenen Ursprungs ein, die beginnend bei 0,1 bis 2040 auf zehn Prozent angehoben werden soll. Genau diese Bestimmung wirke sich auf die Nachfrage aus Deutschland positiv aus. Abnehmende Unternehmen sind damit in der Pflicht, gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Aufgrund des steigenden Prozentsatzes der Unterquote erwartet das Joint Venture einen sich langfristig stark entwickelnden Markt in Deutschland. Ebenso werden weitere Länder folgen, um die Vorgaben der Europäischen Union zu decken. Außerdem könnten sich somit die Pipelinevorhaben zwischen Dänemark und Deutschland beschleunigen.

In diesem Fall würde der Strom, nicht länger den Anforderungen an Zusätzlichkeit, zeitlicher Korrelation und Stromabnahmeverträgen unterliegen.

Simon Schrickel, Project Manager Power-to-X von European Energy

Um dieser Nachfrage nach erneuerbaren Kraftstoffen gerechtzuwerden, wurde European Energy im Rahmen des Wasserstoff-Auktionsmechanismus der deutschen Bundesregierung in Verbindung mit der Europäischen Wasserstoffbank als eines von drei Projekten für eine Förderung ausgewählt. Die Förderung von bis zu 228 Millionen Euro soll dabei helfen, die Erweiterungspläne des Energieclusters zu unterstützen, um in Dänemark zusätzliche Wasserstoffproduktionskapazitäten von 150 Megawatt aufzubauen. Die Auszeichnung sei darauf ausgerichtet, die Entwicklung und den Import von erneuerbarem Wasserstoff und Wasserstoffderivaten zu beschleunigen, um die Dekarbonisierung von Industrie und Verkehr in Europa voranzutreiben. Dieses Förderinstrument würde eine wichtige Rolle dabei spielen, die Kostenlücke zwischen erneuerbarem Wasserstoff und fossilen Alternativen zu schließen und Investitionen in neue Produktionskapazitäten zu unterstützen.

Dänischer Standortvorteil

Aufgrund dieser Kostenlücke zwischen erneuerbaren und fossilen Molekülen leidet parallel zum grünen Wasserstoff auch Methanol. Aktuell ermitteln verschiedene Analysen einen ungefähr dreifach so hohen Preis von E-Methanol zu fossilem Methanol. Eine Senkung des Preises wird aufgrund von Marktentwicklungen und Infrastrukturausbauten vorhergesehen. Dafür sei jedoch ein langfristig verlässlicher Rahmen erforderlich. Dieser müsse ausreichend ambitionierte und verbindliche Abnahmeziele, sowie Sanktionen bei Nichteinhaltung verbinden. „Unsere Erfahrungen in Kassø haben gezeigt, welche Auswirkungen einzelne Gesetzesänderungen wie die Umsetzung der RED III entfalten können. Jede Infragestellung oder Abschwächung von Klimazielen und Verpflichtungen zur Emissionsminderung verringert die Bereitschaft von Produzenten, Kunden und Investoren, verbindliche finanzielle Verpflichtungen einzugehen“, beschreibt Simon Schrickel.

Wo deutsche Projekte aktuell unter den Anforderungen durch die europäischen Bestimmungen zu kämpfen haben, sieht European Energy eher einen Marktvorteil. Da die Anforderungen an die RFNBO-Zertifizierung bei der Planung berücksichtigt wurden und jetzt umgesetzt werden, wird der für den Anlagenbetrieb erforderliche Strom aus dem direkt angeschlossenen Solarpark bezogen und durch Stromabnahmeverträge mit Windenergieanlagen ergänzt. Mit Blick in die Zukunft ergebe sich in Dänemark ein besonderer Standortvorteil, wenn der Schwellenwert von 90 Prozent im Stromnetz überschritten wird, bevor strengere Vorschriften in Kraft treten: „In diesem Fall würde der Strom, der zur Herstellung von RFNBO-Wasserstoff und dessen Derivaten verwendet wird, nicht länger den Anforderungen an Zusätzlichkeit, zeitlicher Korrelation und Stromabnahmeverträgen unterliegen.“ Ein Ziel, das Dänemark vermutlich deutlich schneller erreichen wird als Deutschland, weshalb der Import von E-Methanol und grünem Wasserstoff wie in Kassø in Zukunft noch mehr an Relevanz gewinnen sollte.

Foto: European Energy A/S