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Indische Vogelstudie

Studie zu Windparks und Greifvögeln Basis für reißerische Berichterstattung

In Indien werden Vögel in Windparks untersucht und von einer Wochenzeitung eins zu eins auf Deutschland übertragen. Mit Wissenschaft hat das wenig zu tun.

Nicole Weinhold

In West Ghats in Indien hat eine Gruppe von Wissenschaftlern das Verhalten von Greifvögeln in Windparks untersucht. Sie kamen kurz gesagt zu dem Ergebnis, dass die Windparks Greifvögel wie Rotschwanzbussard, Gleitaar und andere Bussarde verdrängt, wodurch wiederum eine Zunahme an Eidechsen festgestellt wurde. In Deutschland hat eine Wochenzeitung das Thema aufgegriffen - was wissenschaftlicher Unfug ist, zumal nicht einmal das Verhalten einzelner Vogelarten in Windparks mit einander vergleichbar ist. Geschweige denn eine Untersuchung in Indien mit der dortigen Avifauna und Umgebungsflora. Zum anderen hat der Autor das Thema so zugespitzt formuliert, dass es sich zum Speer gegen die Windkraft geformt hat. Bären und Wölfe seien von Menschen in Siedlungsgebieten ausgerottet worden. Bei Vögeln übernehme dies nun die Windkraft, schreibt der Autor. Sachliche Berichterstattung sieht anders aus.

Gründliche Vogelschutzuntersuchungen

Dazu muss man wissen, dass in keinem anderen Land so gründliche Vogelschutzuntersuchungen vorgeschrieben sind wie in Deutschland, bevor ein Windpark gebaut werden darf. Und wenn ein Raubvogel sich später entscheidet, dass er in einem Windpark wohnen will, wird dieser unter Umständen sogar abgeschaltet. Die Windparkplaner haben durch die Ausschreibungen so niedrige Stromgestehungskosten erreicht, dass sich das Geschäft für viele gar nicht mehr rechnet. Gleichzeitig wird das Geschwulst an zusätzlich erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen und Untersuchungen immer größer. Klare Regeln fehlen, weil es kaum seriöse Studien zu dem Thema gibt. Juristen lassen sich zu Fehlentscheidungen vor Gericht hinreißen. Ein Mangel ist oftmal die Übertragung kleinster Untersuchungsräume auf die Allgemeinheit. Dabei haben Beobachungen in Windparks immer wieder massive Abweichungen von diesen Untersuchungsergebnissen gezeigt.

Klimaschützer und Artenschützer

Gleichzeitig muss man daran erinnern, dass die Windkraft eine der tragenden Säulen im Kampf gegen den Klimawandel ist. Darum gibt es Verträge wie das Pariser Klimaschutzabkommen, die die Nationen weltweit zum Umstieg auf Erneuerbare und zum Abschied von der Kohle bewegen sollen. Entsprechende Ziel wurden auch in Deutschland verabschiedet. Dieses Land braucht also die Windkraft, um seinen Beitrag zum Schutz des Weltklimas zu leisten. Gleichwohl steht die Windbranche ohne politischen Rückhalt immer wieder am Pranger, wenn Wochenzeitungen in populistischem Tonfall die Turbinen für den Tod von Tieren verantwortlich machen.

Hotspot der Biodiversivität

Untersucht wurde ein Gebiet in Indien, das als Hotspot der Biodiversität gilt. Dazu muss man sagen, dass in Vogelschutzgebieten und auf Vogelzuglinien in Deutschland gar keine Windparks gebaut werden dürfen.

In der Studie ist auch keinesfalls von der Ausrottung der Vogelwelt durch die Windkraft die Rede, wie es in dem Presseartikel anklingt, sondern lediglich davon dass die das Jagdverhalten der Greifvögel im Windpark einschränkt. In Deutschland werden Windparks nur dort gebaut, wo sie keine geschützten Raubtiere verdrängen. Tauchen solche Tiere später auf, so meiden sie entweder den Windpark oder sie leben dort. Dabei kommt es durchaus vor, dass Tiere in die Rotoren geraten und verenden. Aber nicht mehr Tiere als an Fensterscheiben oder Autobahnen oder durch wilde Katzen sterben. Fenster, Straßen und Katzen leisten derweil keinen Beitrag zum Klimaschutz.

Einen Schritt weiter gedacht, muss auch berücksichtigt werden, dass der Klimawandel längst der größte Artenkiller geworden ist. Ein Beitrag zum Klimaschutz ist auch Artenschutz.

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