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Netzinfrastruktur 2035

Szenario: Energiewende braucht Netze - aber auch für Wasserstoff

Die Übertragungsnetzbetreiber haben einen Szenariorahmen für den Stromnetzausbau bis 2035 und 2040 vorgelegt. Aber der reicht nicht - und was ist mit Gas?

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NIcole Weinhold

Immerhin. Die Bundesnetzagentur hat heute den Trassenkorridor für den südlichsten Abschnitt in Bayern der Gleichstromverbindung Suedostlink festgelegt. Der 121 Kilometer lange und 500 bis 1.000 m breite Trassenkorridor beginnt bei Pfreimd, verläuft westlich von Schwandorf, quert die Donau bei Pfatter und endet am Kernkraftwerksstandort Isar. Die Gleichstromverbindung wird in diesem Abschnitt ausschließlich als Erdkabel realisiert. SuedOstLink besteht aus insgesamt vier Teilabschnitten. Der Trassenkorridor für den letzten Abschnitt (Wolmirstedt – Eisenberg) wird voraussichtlich ebenfalls noch im ersten Quartal 2020 genehmigt. Die Inbetriebnahme des Suedostlinks ist für das Jahr 2025 geplant.

Netzbetreiber sehen massiv steigenden Strombedarf

Nach allen Planungsänderungen und Widerständen aus Bayern ist das schon ein wichtiger Schritt nach vorn. Positiv auch, dass die vier Übertragungsnetzbetreiber einen Szenariorahmen für den Stromnetzausbau bis in die Jahre 2035 und 2040 vorgelegt haben. In zwei der drei Szenarien für 2035 spielen weder Braun- noch Steinkohle aus energiewirtschaftlicher Sicht eine Rolle am regulären Markt. Sie sehen wie eigentlich alle Fachverbände der Energiewirtschaft einen mit der Sektorkopplung und Elektrifizierung von Mobilität und Wärme einhergehenden steigenden Stromverbrauch - im neuen C2035-Szenario in einer Höhe von 729 TWh.

Klimaziele von Paris werden mit jetzigem Fahrplan verfehlt

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) kritisiert allerding, dass weiterhin keines der vorgelegten Szenarien die Anforderungen des Pariser Klimaschutzabkommens erfüllen könne. Anstatt ökologisch und ökonomisch kontraproduktiver Restriktionen brauche der Erneuerbaren-Ausbau in allen Technologien und allen Größen einen neuen Aufbruch, um das 65-Prozent-Ziel der Bundesregierung im Jahr 2030 zu erreichen und das Energiesystem auf Treibhausgasneutralität umzustellen. Die Windenergie an Land im Norden unnötig modellhaft zu deckeln, den Ausbau von Photovoltaik-Freiflächen künstlich abzubremsen und die flexiblen Potenziale der Bioenergie nicht umfassend zu nutzen, stelle völlig unnötige Hemmschuhe für die Energiewende dar, so Simone Peter, Präsidentin des BEE.

BEE fordert jährlich zehn Gigawatt Solarzubau

Der BEE hatte bereits 2009 mit einem Szenario einen Blick auf die Energiewelt des Jahres 2020 geworfen. Dabei wurden trotz unterschiedlicher Entwicklungen in den einzelnen Branchen zwei Kenngrößen zielgenau getroffen: Der Bruttostromverbrauch von 595 Terawattstunden (TWh) und der Anteil erneuerbarer Energien von 47 Prozent, der zum Ende des Jahres 2020 realistisch ist. Vergangenes Jahr hat der BEE sein Szenario 2030 aktualisiert. Zwei Stellgrößen sind wieder klar benannt: Ein auf 740 TWh steigender Bruttostromverbrauch, der zu 481 TWh aus erneuerbaren Energien gedeckt wird, wenn das Ziel der Bundesregierung von 65 Prozent bis 2030 erreicht werden soll. In der Folge müssen die Zubauzahlen für erneuerbare Energien entsprechend ausgerichtet werden: pro Jahr 10 Gigawatt (GW) Photovoltaik, 4,7 GW Windkraft an Land, 1,2 GW Windkraft Offshore, 0,6 GW Biomasse und je 50 Megawatt Wasserkraft und Geothermie.

DUH fordert Fahrplan für erneuerbares Gas

Auch das Gasnetz spielt eine zunehmend wichtigere Rolle im Zuge der Sektorkopplung, weil Wasserstoff aus Power-to-Gas-Anlagen dort eingespeist werden muss. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert als Grundlage für eine klimaverträgliche Gasnetzplanung einen Fahrplan für erneuerbares Gas und politische Richtungsentscheidungen für dessen Verwendung. Dazu erklärt Nadine Bethge, Stellvertretende Bereichsleiterin Energie und Klimaschutz der DUH: „Während die Parameter für Erzeugung und Verbrauch bei der Stromnetzplanung immer feiner abgestimmt werden und die Klimaschutzziele einen immer höheren Stellenwert bekommen, spielen klimapolitische Vorgaben bei der Gasnetzplanung so gut wie keine Rolle. Das öffnet Tür und Tor für fossile Gasprojekte, die mit den Klimazielen nicht vereinbar sind. Wir brauchen einen Fahrplan für erneuerbares Gas. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier muss schnellstmöglich konkrete Ziele für den Anteil von erneuerbarem Gas an der Gaserzeugung über mehrere Jahre bis 2050 festsetzen."

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