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Chinas Windkraft wächst weiter – trotz deutlicher Abkühlung

China hat von Januar bis Juni 2026 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 38,7 Gigawatt (GW) neu installiert. Für sich genommen ist das ein gewaltiger Ausbau: Mehr als 65 Prozent aller weltweit in diesem Zeitraum hinzugekommenen Windkraftleistung entfielen auf das Land. Ende Juni verfügte China nach Angaben der World Wind Energy Association (WWEA) über insgesamt rund 730,5 GW. Das entspricht etwa 52 Prozent der global installierten Leistung.

Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 hat sich das Tempo allerdings deutlich verringert. Damals kamen in China 51,4 GW hinzu; der diesjährige Wert liegt ungefähr ein Viertel darunter. Er übertrifft wiederum die Zubauten der entsprechenden Zeiträume 2024 mit 25,8 GW und 2023 mit 23,8 GW deutlich.

Von einem dauerhaften Abschwung lässt sich aus einem einzelnen Halbjahr deshalb nicht sprechen. Der Vergleich zeigt vor allem, wie außergewöhnlich hoch das Tempo Anfang 2025 war. Auch mit geringerem Zubau bleibt China der mit Abstand größte Markt für neue Windkraftanlagen.

Eine globale Entwicklung mit chinesischem Schwerpunkt

Chinas Bedeutung reicht weit über die eigenen Stromnetze hinaus – zumindest für die Ausbauzahlen. Weltweit sank der Windkraftzubau im ersten Halbjahr 2026 von 71,3 auf 58,9 GW. In China allein ging er um rund 12,6 GW zurück. Der chinesische Rückgang ist damit nahezu so groß wie das gesamte weltweite Minus.

Gleichzeitig nahm die Konzentration bei den Neuinstallationen etwas ab. Im ersten Halbjahr 2025 entfielen laut WWEA fast 80 Prozent des globalen Zubaus auf China, 2026 waren es noch rund 66 Prozent. Das liegt nicht nur am langsameren chinesischen Ausbau: Die USA legten mit 6,3 GW stark zu, Deutschland erreichte 3,3 GW.

Diese Verschiebung sollte nicht mit einem Machtwechsel verwechselt werden. China verfügt bereits über einen enormen Anlagenbestand und installiert weiterhin in sechs Monaten mehr neue Leistung als jedes andere Land. Selbst große prozentuale Zuwächse kleinerer Märkte ändern an diesem Vorsprung zunächst wenig.

Ausblick: Die Jahresbilanz ist noch offen

Für China nennt der WWEA-Halbjahresbericht keinen eigenen Zubauwert für das Gesamtjahr 2026 und keine nationale Prognose bis 2030. Ein belastbarer Schluss auf Chinas künftiges Jahrestempo wäre daher aus den vorliegenden Angaben nicht möglich. Maßgeblich wird sein, wie viele Projekte im zweiten Halbjahr hinzukommen.

Für den Weltmarkt erwartet der Verband 2026 insgesamt rund 173 GW neue Windkraftleistung. Dieses Ziel setzt nach dem schwächeren Jahresstart eine deutliche Beschleunigung voraus. Wegen Chinas Größe dürfte sein Ausbau erheblich dazu beitragen, ob die Prognose erreicht wird. Zugleich zeigen die Ergebnisse aus den USA und Deutschland, dass die Weltbilanz nicht ausschließlich von China abhängt.

Über den aktuellen Zubau hinaus stellt sich eine zweite Frage: Kann sich ein breiterer Kreis von Ländern dauerhaft als großer Windkraftmarkt etablieren? Die WWEA sieht die geografische Konzentration als Herausforderung. Chinas Halbjahreszahlen machen deutlich, warum: Wenn ein einziges Land rund zwei Drittel aller neuen Anlagen stellt, prägen schon Veränderungen seines Ausbautempos die globale Schlagzeile.