Der politisch gewollte Windenergieausbau in der Europäischen Union (EU) bis 2030 auf eine Erzeugungskapazität von 425 Gigawatt (GW) wäre trotz massivem Rückstand bei den tatsächlichen Netzanschlüssen neuer Windparks durch Repowering zu schaffen. Auch eine drohende Verzögerung von 20 Prozent des zu erwartenden Zubaus von Datenverarbeitungszentren in den USA mangels ausreichender Stromversorgung ließe sich mit dem Austausch alter leistungsschwacher Windparks gegen moderne Hochleistungs-Windturbinen bis 2030 wettmachen. Zu diesem Schluss kommt die Studie des US-amerikanischen Zulieferunternehmens für Windpark-Brandschutztechnik Firetrace International.
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Die nun vorgestellte statistische Bewertung des Windkraft-Repowering-Potenzials in Europa und in den USA bis 2030 „Take Two: Securing Wind´s second life“ kommt zum Schluss, dass ein Repowering das Windenergieziel der EU bequem noch erreichen ließe. Das Repowering müsse lediglich zu etwas mehr als einer Verdopplung der rückzubauenden Erzeugungskapazität führen. Dabei berücksichtigte Firectrace International nur Erzeugungskapazitäten solcher Altwindenergieanlagen, die aufgrund ihrer fortgeschrittenen betrieblichen Laufzeit eine Entscheidung zwischen Rückbau, Weiterbetrieb oder Windparkerneuerung erfordern.
Ohne Repowering wird es nicht gehen
Die Autoren rechnen vor, dass beide Ziele ohne Repowering nicht mehr zu erreichen wären: das Klimaschutz-getriebene Windkraftausbauziel der Europäischen Union und das US-Ziel einer modernen weltwirtschaftlich dominierenden Volkswirtschaft mit großen Kapazitäten zur elektronischen Datenverarbeitung.
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So sollen die Mitgliedsländer der EU bis 2030 Windparks mit zusammen 425 GW betreiben, haben allerdings nun nur fünf Jahre davor erst eine Erzeugungskapazität von 291 GW erreicht. Selbst wenn die Mitgliedsländer nun wie vom europäischen Windenergieverband Wind Europe weiterhin optimistisch angenommen künftig jährlich 22 GW neu ans Netz anschließen, würden 2030 EU-Windenergieanlagen mit erst 344 GW einspeisen. Dabei sind diese 22 GW womöglich schon unrealistisch, angesichts von im vergangenen Jahr nur 15 GW neu in Betrieb genommener EU-Windkraft.
In den USA wiederum klafft ohne realitätsnahe und dennoch weitreichende Vision, wie sich die nationale Stromversorgung bis 2030 deutlich ausweiten lässt, eine große Stromversorgungslücke. So würde die heutige Stromerzeugung im Land um 170 GW zu wenig Erzeugungsnennleistung ans Netz bringen, um die zu erwartende Spitzenlast im Jahr 2030 abzudecken, schreibt Firetrace International. Hinzu kämen außerdem die 41 GW derjenigen alten Windparks, die ihr zwanzigstes Betriebsjahr erreichen und vor einer altersbedingten Beendigung ihrer Betriebszeit stehen. Firetrace International rechnet als Folge der drohenden Stromversorgungslücke mit 20 Prozent weniger ausgebauten Datenzentren in den USA bis 2030, als an Datenzentrenkapazität sonst zu erwarten wäre. Dabei berücksichtigen die Autoren allerdings bereits die von Marktexperten erwarteten Lieferverzögerungen für geplante neue Gaskraftwerke in den USA.
In Europa wiederum werden 30 Prozent der heute einspeisenden Windparks durch ihr 2030 erreichtes Betriebsalter von mindestens 20 Jahren vom Aus bedroht sein. Dort ergibt sich aus dieser Erzeugungskapazität ein Repoweringpotenzial von 86 GW – gemessen an der Nennleistung dieser vom Aus bedrohten Altanlagen. Würde diese Kapazität also durch konsequentes Repowering mit einer Verdoppelung der Nennleistung ersetzt, ließe sich die Lücke bis zum EU-2030-Windkraftziel schließen.
Dass eine so große Repowering-Kampagne machbar ist, wollen die Studienautoren einerseits mit schon existierenden Szenarien anderer Branchenanalysten belegen. Andererseits begründen sie die Realisierungschancen mit einer hohen Attraktivität des Repwerings für Investoren. Alleine schon die zu erwartenden kürzeren Planungszeiten könnten die Investoren überzeugen, weil vorhandene Netzanschlüsse und hohe Akzeptanz der schon an Windenergienutzung gewohnten Bevölkerung die Planungs- und Bearbeitungszeiten deutlich senken. Zugleich müssten die Regierungen sehr schnell die Finanzierungsmodelle für Repoweringprojekte überdenken und gegebenenfalls neu gesetzlich regeln. Die in den USA üblichen Steuernachlässe entweder auf Projekt-, Material- oder Kapitalkosten sowie alternativ auf Betriebskosten könnten gut funktionieren, schreiben die Autoren. Allerdings könnten diese fürs Repowering aufgrund komplexer Regelungsmechanismen mehrfach zu Phasen führen, in denen die Investoren immer wieder Finanzierungsentscheidungen bis auf weiteres zurückstellen, um Änderungen der Rahmenbedingungen abzuwarten.