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Biolandwirt Sven Geelhaar wird in Zukunft nicht nur vor den Toren von Berlin sein Land bestellen, sondern auch zwischen Solarmodulen ackern. Denn auf der Fläche in Schönefeld südlich der Metropole haben die Berliner Stadtgüter, Goldbeck Solar und Elysium Solar eine riesige Agri-PV-Anlage in Betrieb genommen.
Bis zu 30 Prozent mehr Stromertrag
Auf einer Fläche von 76 Hektar der Berliner Stadtgüter haben die Installateure insgesamt 74.064 bifaziale Solarmodule auf einer Trackerunterkonstruktion montiert. Da die Module dem Lauf der Sonne folgen, liefern sie mit einer Leistung von satten 48 Megawatt 25 bis 30 Prozent mehr Stromertrag als fest aufgestellte Module. Ein zweiter Vorteil ist, dass die Anlage vorwiegend in den wirtschaftlich wichtigen Tagesrandzeiten ihren Strom liefert, der dadurch besser vermarktbar ist. Denn die Anlage ist in Nord-Süd-Richtung aufgebaut, sodass die Module täglich von Osten nach Westen drehen. Zudem sinkt in diesem Fall das Risiko, dass der Netzbetreiber bei Netzengpässen abregelt.
Landwirtschaft zwischen den Modulen
Ein dritter Vorteil ist, dass Sven Geelhaar auf der Fläche weiterhin Ackerbau betreiben kann. Der Landwirt betreibt das Landgut Geelhaar in Chorin und hat die Ackerfläche in Schönefeld gepachtet. Für die landwirtschaftliche Nutzung der Fläche sind die Modulreihen mit einem Abstand von elf Metern zueinander aufgestellt.
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Dadurch entsteht eine Bearbeitungsbreite zwischen den Modulen von neun Metern – ausreichend für die Maschinen, mit denen der Landwirt auf der Fläche arbeitet. Dadurch bleiben gut 90 Prozent der ursprünglichen Fläche weiterhin für die Nahrungsmittelproduktion. Zudem können die Module in die waagerechte Position gedreht werden. Dann liegen sie in einer Höhe von 3,50 Metern, sodass Sven Geelhaar auch mit größeren Maschinen darunter arbeiten kann.
Biodiversität im Blick
Direkt unter den Modultischen haben Goldbeck Solar und Elysium Solar artenreiche Wildblumenstreifen mit regional erzeugtem Saatgut angelegt. Dadurch entstehen Lebens- und Rückzugsräume für Insekten und Kleintiere. Zudem stellt Berliner Stadtgüter in der Nähe der Ortslagen Ragow und Deutsch Wusterhausen, nur wenige Kilometer südlich von Schönefeld, 17 Hektar ihrer Flächen als Ausgleichsmaßnahme zur Verfügung. Dort wurden Voraussetzungen für die Ansiedlung von Brutvögeln geschaffen, insbesondere von Feldlerchen.
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Mehr Akzeptanz mit Agri-PV
Das Agri-PV-Projekt soll unter anderem vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) sowie der Technischen Universität Dresden wissenschaftlich begleitet werden. „Unsere ganzheitliche Projektentwicklung aus Solarenergie, biologischer Landwirtschaft mit Begleitforschung sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität und regionaler Teilhabe auf derselben Fläche setzt neue Maßstäbe für Akzeptanz bei der Energie- und Agrarwende“, beschreibt Richard Härtel, bei Elysium Solar fürs operative Geschäft zuständig, einen weiteren Vorteil der Agri-PV.
Schutz für Boden und Pflanzen
Doch auch für die Landwirtschaft selbst bietet die Agri-PV einen riesigen Vorteil. Denn die Solarmodule schützen die Fläche unter ihnen vor Austrocknung und damit auch vor Erosion, was gerade in der inzwischen sehr trockenen Region südlich von Berlin wichtig ist. Andererseits schützt das Dach aus Solarmodulen die Pflanzen auch vor Starkregen und extremer Sonneneinstrahlung. „Wir brauchen innovative Lösungsansätze für die Folgen der Klimaveränderung“, betont Sven Geelhaar. „Ein Weiter-so auf den Brandenburger Böden ist zukünftig kaum möglich“, weiß der Biolandwirt. „Agri-PV hat mich schon immer interessiert. Ich freue mich über die Chance, diese neue Form des Landwirtschaftens auszuprobieren.“
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Für die Berliner Stadtgüter ist es die erste Agri-PV-Anlage auf einer ihrer Flächen und ein Pilotprojekt mit Vorbildcharakter. „Boden ist eine wertvolle und knappe Ressource. Mit diesem Projekt zeigen wir, wie sich regionale Landwirtschaft, Energiewende und Biodiversitätsförderung auf einer Fläche in Einklang bringen lassen“, betont Geschäftsführerin Katrin Stary.