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Co-Location: Warum Daten den Unterschied machen

Photovoltaik-Anlagen galten lange als Sinnbild für einfache, planbare Energieerzeugung: Sonne scheint, Strom fließt, fertig. Doch diese simple Rechnung geht nicht mehr auf. In Zeiten volatiler Märkte, neuer Redispatch-Anforderungen und steigender Netzentgelte wird Flexibilität zur neuen Währung und reine Einspeisung unzureichend. Gleichzeitig wächst weltweit der Bedarf an Speicherkapazitäten. Laut der Internationalen Energieagentur wird sich die installierte Leistung bis 2030 versechsfachen. Für Betreiber bedeutet das, dass Erzeugung und Speicherung zusammen gedacht werden müssen. Genau hier kommt Co-Location ins Spiel.

Zwei Erlösquellen, eine Herausforderung

Aktuelle Studien zeigen, dass Co-Location die interne Rendite (IRR) gegenüber reinen PV-Anlagen um sechs bis acht Prozent steigern kann. Ein Beispiel, wie dies erzielt werden kann, ist Arbitrage: Strom wird gespeichert, wenn er günstig ist, und verkauft, wenn die Preise steigen. Gerade in Märkten mit starken Preisfluktuationen oder restriktiven Netzzugangsregeln wird Co-Location zum Wettbewerbsvorteil.

Doch nur weil sich Batteriespeicher (BESS) und PV-Anlage einen Standort teilen, heißt das nicht, dass sie auf die gleiche Weise betrieben werden können. PV-Anlagen sind weitgehend passiv. Es geht hauptsächlich darum, die Energieproduktion zu verfolgen und zu überprüfen, ob die erwartete Leistung mit der tatsächlichen Leistung übereinstimmt.

Ein BESS hat eine völlig andere technische Umgebung. Der Unterschied im Betriebsverhalten zeigt sich vor allem in den Daten. Ein BESS besteht aus zahlreichen Komponenten wie Batteriemodulen, Wechselrichtern oder Kühlsystemen. Jeder dieser Bausteine produziert Daten – bis zu hundertmal mehr als eine PV-Anlage. Damit unterliegt ein BESS einem viel komplexeren Energiemanagement, was dazu führt, dass Betreiber die Anlage in Echtzeit optimieren und zusätzliche Betriebsgrößen im Blick behalten müssen. Kein Wunder also, dass viele Fachleute im BESS-Betrieb den Umgang mit Daten als eine ihrer größten Herausforderungen nennen.

Dennoch sind diese Daten essenziell, denn sie geben Auskunft über Performance und Alterung und zeigen, wie der Betrieb effizienter laufen kann. Ohne klare Datenstrategie riskieren Betreiber Fehlentscheidungen, Ertragsverluste und kostspielige Systemanpassungen.

Damit Co-Location funktioniert, braucht es eine durchdachte Datenstrategie

Umfassende Datenstrategie entscheidet

Damit Co-Location funktioniert, braucht es also eine durchdachte Datenstrategie über den gesamten Lebenszyklus eines Speichers. Diese beginnt schon in der Planungs- und Ausschreibungsphase, in der Betreiber klare Anforderungen definieren sollten: Welche Daten sind notwendig, in welchem Format und welcher Frequenz sollen sie bereitgestellt werden, und wer hat langfristig Zugriff? Diese Grundlagen verhindern spätere Lücken und schaffen Transparenz.

Denn mit Co-Location entstehen viele zusätzliche Datenströme: Betreiber überwachen nicht nur die PV-Erzeugung, sondern auch das Laden und Entladen des Speichers, den Verbrauch am Standort und den Stromfluss zum und vom Netz. Jeder dieser Punkte liefert eigene Messwerte. Diese Daten kommen in Echtzeit, brauchen exakte Zeitstempel und müssen in einem System zusammenlaufen, damit Teams sie auswerten und sinnvoll nutzen können.

Deshalb kommt es im Betrieb darauf an, Daten vollständig, synchronisiert und bereinigt zu halten. Hier stoßen manuelle Prozesse schnell an Grenzen und der Einsatz der richtigen Technologie wird erfolgsentscheidend: Moderne Datenprogramme strukturieren nicht nur die Datenflut, sondern prognostizieren auch Ausfälle, bevor sie auftreten, verhindern Leistungsabfälle und Vertragsstrafen und fassen Kennzahlen in automatisierten Reports zusammen.

Vom Konzept zur Realität: Ein Praxisfall

Ein beispielhafter Blick auf Interenergy in der Dominikanischen Republik zeigt, wie wichtig Datenanalyse bei Co-Location ist. Das Unternehmen betreibt große Photovoltaikanlagen und hat Batteriespeicher integriert, um das Netz auf erneuerbare Energien umzustellen.

Anfangs verließ sich Interenergy auf Rohsignale aus ihrem SCADA-System (Supervisory Control and Data Acquisition). Ohne eine einfache Möglichkeit, die Daten aus dem BESS zu verarbeiten und zu interpretieren, blieben Probleme wie Ungleichgewichte oder ungenutzte Komponenten oft unerkannt. Dem Team fehlten klare Leistungs- und Alterungskennzahlen. Das erschwerte die Feinsteuerung des Systems und die Abstimmung mit den O&M-Teams. Nun hat der Betreiber eine robustere Datenstrategie eingeführt, einschließlich einer Plattform zur kontinuierlichen Überwachung des Systems. Damit kann InterEnergy den Speicherzustand laufend optimieren. Es erkennt Probleme, bevor sie sich verschlimmern, sieht Alterungstrends früh und kann Wartungen proaktiv einplanen. O&M und Betrieb stimmen sich enger ab, was Ausfallzeiten verkürzt. So bleibt die gesamte Anlage im Alltag stabil.

Datenkompetenz als Schlüssel zum Erfolg

Co-Location eröffnet PV-Betreibern neue Erlösmöglichkeiten. Speicher sind dabei keine Plug-&-Play-Erweiterung, sondern datengetriebene Systeme. Es braucht Analysen und verlässliche Prognosen zu Performance, Gesundheitszustand und Ertragsmöglichkeiten. Wer diese Datenkompetenz aufbaut, ist in einer besseren Lage, Erträge zu steigern und macht seine Anlagen in einem zunehmend flexiblen Energiemarkt zukunftssicher.

Autor:
Yogender Chhibber,
Senior Product Manager des Datenplattform-Teams bei Twaice

Foto: TWAICE

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