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Solarexperten: Wie Wechselrichter, Speicher und KI zusammenwirken.
Tilman Weber
Konzepte für umfassende Solarversorgung von Haushalten und Gewerbe prägen Ihr neues Portfolio. Erfinden Sie sich als einst reiner Wechselrichterspezialist neu?
Wolfram Krause: Es ist eher so, dass wir eine Photovoltaik-Lösung mit der superguten Hardware, die wir schon lange haben, jetzt mit einer Software zur Gesamtlösung integrieren. Im Gewerbebereich, dem sogenannten C&I, integrieren wir seit Kurzem Batteriespeicher, was wir im Residential-Umfeld der Hauseigentümer schon länger haben. Es ist die logische Erweiterung unseres Programms, nicht dessen Neuerfindung. Durch geänderte Rahmenbedingungen funktioniert die PV-Anlage nämlich nicht mehr einfach als Volleinspeiserin, die zum garantierten sehr hohen Tarif dem Netzbetreiber den Strom in die Leitungen exportiert. Sondern sie dient primär dem Eigenbedarf. Dieser Fokus erfordert Speicher, um besser die Stromproduktion auf die Stromnutzung der Netzkunden anzupassen. Und es braucht die Energiemanagement-Funktion, die steuert, vielleicht steuerbare Verbraucher einbindet, auch Elektroautos smart lädt.
Sie entwickeln nun diese Technik, weil sich Gewerbe, Läden, Büros mit großen eigenen Rechnerkapazitäten ebenso wie Eigenheime und sogar Mieterinnen und Mieter hochgradig selbst versorgen wollen?
Wolfram Krause: Bisher war die Eigenverbrauchsnutzung der PV am stärksten im Heimbereich. Durch Innovationen und die Kostendegression bei Speichern sehen wir, dass das jetzt auch im C&I-Bereich zunimmt. Und auch das Mieterstrom-Segment ist extrem im Wachstum in den letzten Jahren.
Die Batterien für Haushalte lassen sich auf bis zu 80 Kilowattstunden skalieren.
Foto: SolarEdge
Schon bei den Heimspeichern lassen Sie nun mit Ihrem neuen System Nexis weitreichende Skalierungen zu. Können Sie bildhaft erklären, wie weit das reicht?
Wolfram Krause: Schauen wir hier zuerst auf unseren Wechselrichter Solaredge Nexis für Haushalts- und kleine C&I-Kunden, der sich im Bereich von 8 bis 20 Kilowattstunden einstellen lässt. Die Batterie kommt in Blöcken von 5 Kilowattstunden nominell mit 3,5 Kilowatt – und es lassen sich bis zu 16 Blöcke kombinieren, also zu Speichern mit bis zu 80 kWh hochskalieren. Ab zum Beispiel 2 Stacks mit jeweils bis zu 4 Blöcken und zwei Mal 14 kW, lässt sich aus entsprechend viel angeschlossener PV-Leistung die Batterie mit 28 kW laden. Beim Entladen lassen sich die vollen 20 kW nutzen, die der Wechselrichter leisten kann. Hiermit decke ich im Haushaltsbereich mit einem Produkt alles ab bis zum großen Landhaus mit sehr hohem Bedarf, vielleicht noch mit Verbrauchern wie Poolheizung oder elektrisch beheizter Wintergarten. Und die Batterie kann diese hohen Anforderungen an Laden und Entladen abdecken. Vorher war die Batterielade- und Entladeleistung unseres Systems auf 5 kW beschränkt. Nun kann bei sehr viel Solarstromproduktion die Batterie günstig laden und umgekehrt auch Lastspitzen versorgen.
Worin steckt technologisch die Innovation?
Wolfram Krause: Die Batteriezellen bleiben Lithium-Eisenphosphat-Technik, LFP, aber die Batteriearchitektur ist neu. In jedem der Blöcke steckt ein Batterieoptimierer, der aus jedem Block das Optimum herausholt.
Ihren C&I-Speicher für kleine und mittlere Unternehmen bieten Sie in Skalierungen auf bis zu vier Megawattstunden an. Was ist die Innovation im C&I-Gewerbebereich?
Jacques van der Bijl: Um es erst aus der Konsumentensicht des Gewerbes zu sehen, brauchen diese Kunden vor allem erhöhte Effizienz: die Möglichkeit, ihre Energieproduktion während des Tages zu nutzen – nicht nur, wenn die Sonne scheint. Aber auch die Fähigkeit, durch komplexe Verfahren geschickt zu planen, um grünes Licht fürs Exportieren des Stroms ins Netz zu erhalten. Das wird in manchen Regionen aufgrund der hohen Anzahl von PV-Einspeisern ins Netz immer schwerer. Viele Anlagen sind mit Limitierungen belegt, die am Tage das Einspeisen von PV-Strom begrenzen. Wir bieten daher passende Speicherlösungen für Kunden mit größerem Bedarf an Pufferleistung und auch größerem Energiebedarf an. Hier ist unsere Referenz nun 197 Kilowattstunden Speicherkapazität, wobei wir die Wechselrichterleistung für den Stromexport auf bis zu 100 Kilowatt pro Block erhöhten. Relevant ist auch die Netzbetreibersicht, weil in manchen Regionen die Zulassung einer erhöhten PV-Kapazität am Gebäude immer komplexer wird. Lösungen wie Peak Shaving – bei dem Batterien überschüssige PV-Produktion zwischenspeichern und Verbrauchsspitzen versorgen – ermöglichen es C&I-Kunden, innerhalb ihrer bestehenden Netzanschlusskapazität zu operieren. Das beseitigt den Engpass bei der Beschaffung zusätzlicher Netzkapazität und ermöglicht es ihnen, schneller ans Netz zu gehen, ihre Energieversorgung früher zu elektrifizieren und ihren Schadstoffausstoß zu senken.
Folgen Sie mit dem Gewerbespeicher auch der deutschen Neuregelung, dass Speicher den Sonnenstrom bei Smart-Meter-Abrechnung ins Netz rückspeisen können? Und dass sie den vergütet bekommen, auch wenn die Batterien auch Graustrom aus dem Netz holen, was sich bei Stromtiefpreisen in Erzeugungsspitzenzeiten lohnt?
Jacques van der Bijl: Ja, definitiv. Überall wo nun dynamische Stromverbrauchstarife greifen, werden unsere C&I-Kunden den Strom bei Tiefstpreisen aus dem Netz nehmen und das Einspeisen auf Zeiten verlegen, in denen ihre Energie benötigt wird.
Peak Shaving – bei dem Batterien überschüssigePV-Produktion zwischenspeichern und Verbrauchsspitzen versorgen – ermöglicht es C&I-Kunden innerhalb ihrer Netzanschlusskapazität zu operieren. Das ermöglicht es ihnen, schneller ans Netz zu gehen.
Foto: SolarEdge
Sie kombinieren Ihre Systeme aber auch mit Leistungsoptimierern und KI, warum?
Wolfram Krause: Wir legen sehr großen Wert auf die elektrische und digitale Sicherheit unserer Produkte. Wesentlicher regulatorischer Treiber für Cyber Security sind die Vorgaben der „Nis-2-Direktive“ von 2025. Zusätzlich fokussieren wir sowohl auf die elektrische Sicherheit wie auch auf Optimierung und Effizienz. Unsere Leistungsoptimierer bringen nämlich nicht nur mehr Ertrag, sondern eben auch Sicherheitsfunktionen wie Safe DC und Sense-Connect. Das ist wichtig für Installateure: Die Optimierer beschränken die Ausgangsspannung auf 1 Volt pro Modul und vermeiden im Leerlauf Strangspannungen von mehreren 100 Volt. Es gibt Vorteile auch im Monitoring. Sense-Connect überwacht die Temperaturen der Verbindungsstecker, sowohl im Strang als auch am Nexis-Wechselrichter. Verbunden damit ist das automatische Erkennen von durch fehlerhafte Steckverbindungen drohenden Lichtbögen und die Abschaltung des Systems, als AFCI bezeichnet. Auch bei der Batterie haben wir mit Thermo-Shield ein Sicherheitskonzept, was über Sensoren und mechanische Eigenschaften den Stromspeicher vor Überhitzung schützt. Und zur Optimierung der Stromproduktion gleichen die Leistungsoptimierer die Ungleichheiten der Erzeugung zwischen den Modulen aus. Sie bringen selbst bei reinen Süddächern laut VDE-Studie vier Prozent mehr Ertrag. Bei schwierigen Dächern mit Gauben, Ost-West-Ausrichtung, Verschattung durch Bäume wachsen die Vorteile auf mehr als zehn Prozent. Für die Batterie bringt der Optimierer uns Verbesserungen im Wirkungsgrad und im Betrieb ein. Und die KI-Algorithmen stärken das Energiemanagement.
Insbesondere steht in Deutschland in Bezug auf Dach-Photovoltaik wohl außer der Abschaffung der EEG-Vergütung auch eine Pflicht zur Stromdirektvermarktung bei künftiger Netzeinspeisung an. Wie beraten Sie Ihre Kunden hierzu technologisch?
Wolfram Krause: Das sind genau die offenen Fragen. Die Direktvermarkter skalieren bisher nicht im Rahmen ihres technischen Konzepts auf unter 100 kW: Wie werden diese Kapazitäten nun angebunden und vermarktet? Hier müssen wir komplett neue Konzepte entwickeln und Partner finden, um sie umzusetzen. Dies dürfte mich die nächsten sechs Monate sehr beschäftigen.
Effizienter Eigenverbrauch
Wechselrichterhersteller Solaredge will mit neuem Technik-Portfolio nun Konzepte zur umfassenden und wirtschaftlichen Solarversorgung von Haushalten und Gewerbe liefern. Das Experten-Gespräch mit Wolfram Krause, Senior Director Residential Product Europe, und Jacques van der Bijl, Senior Director Commercial Product Europe, beide von Solaredge, über das künftige kluge Verhältnis und Zusammenspiel von Batteriespeichern, Steuerung und Solarstromerzeugung.
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