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Ein Mann, ein Fjord – viele Elektroautos

Fabian Kauschke

Fast 30 Prozent der Pkw-Neuzulassungen in Deutschland waren im Juli 2026 Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb. Ein Jahr zuvor waren es noch weniger als 20 Prozent. Diese Entwicklung könnte mit vielen externen und internationalen Ereignissen begründet werden. Ein Blick auf die eigenen Voraussetzungen lohnt sich dennoch. Schließlich verfügt Deutschland aufgrund seiner heimischen Automobilindustrie über vielversprechende Grundbedingungen für eine weiter ansteigende Transformation auf der Straße. Dennoch prägt das Gefühl, dass die Elektromobilität woanders schon viel weiter fortgeschritten ist, beispielsweise in China. Wenn nach europäischen Vorbildern gesucht wird, fällt der Blick schnell auf Norwegen. Dort dominieren Elektrofahrzeuge schon seit Jahren die Neuzulassungen. Obwohl das Land andere Voraussetzungen in Bezug auf die Energieverfügbarkeit besitzt, können Vergleiche Erkenntnisse darüber liefern, was Deutschland für den nächsten Schub noch benötigt. Wie unterscheiden sich also die Marktdaten und Strategien beider Länder in Bezug auf die Infrastruktur und die Gesetzgebung?

In der Anzahl Spitze, im Anteil Mittelfeld

Ein erster großer Unterschied zeigt sich bei einem Blick auf die Zulassungszahlen. So erreichte der Anteil von Elektroautos an den Neuzulassungen im Juli 2026 einen Wert von 97,6 Prozent. Im gesamten Jahr 2025 waren es 95,9 Prozent. Bereits 2020 wurde als erstes Land überhaupt eine Quote von über 50 Prozent erreicht, die seitdem stetig angestiegen ist. In Deutschland waren es zum gleichen Zeitpunkt lediglich 6,7 Prozent. Immerhin hat sich der Anteil bis heute fast verfünffacht.

97,6 Prozent der Pkw-Neuzulassungen in Norwegen waren im Juli 2026 vollelektrisch.

Das fällt besonders auf, wenn man den aktuellen Bestand an Elektrofahrzeugen in der Europäischen Union betrachtet. So verfügte Deutsch­land im ersten Quartal nach Zahlen der Europäischen Kommission über mehr als 2,1 Millionen rein­elektrische Fahrzeuge und ist damit Spitzenreiter. Nur Frankreich bewegt sich mit 1,7 Millionen in einer ähnlichen Größenordnung. Der Pkw-Bestands­anteil liegt damit bei etwas über 4 Prozent und ist im oberen Mittelfeld zu finden. Dänemark, Schweden und die Niederlande sind in dieser Hinsicht bereits weiter. Für Norwegen liegt der Anteil von Elektrofahrzeugen am Pkw-Bestand laut Zahlen des norwegischen Statistikamtes im Jahr 2025 bei 32,2 Prozent. Insgesamt waren damit 945.000 Elektrofahrzeuge registriert. Das zeigt, dass Deutschland prozentual noch Nachholbedarf hat, aufgrund der Einwohnerzahlen aber zumindest einen Vorteil bei den absoluten Zahlen hat. Zeigt sich dieses Verhältnis auch in der Infrastruktur von Ladesäulen?

Schnelllader verändern Nutzungsverhalten

In Deutschland stehen Fahrerinnen und Fahrern von Elektroautos inzwischen 204.078 öffentliche Ladepunkte zur Verfügung. Von Juni 2025 bis Juni 2026 wurden 26.978 neue öffentlich zugängliche Ladesäulen errichtet. Das entspricht einem Wachstum von 16 Prozent innerhalb eines Jahres, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mitteilt. Besonders schnell geht derzeit der Zubau von Schnellladesäulen voran. Hier hat der Verband eine Steigerung um rund 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum registriert. Insbesondere der Ausbau von Ultraschnellladern mit einer Ladeleistung ab 150 Kilowatt habe stark zugenommen.

Im Abgleich mit den Zulassungszahlen der Elektrofahrzeuge gibt der BDEW außerdem an, dass jeder Elektromobilfahrer innerhalb von durchschnittlich fünf Minuten den nächsten Ladepunkt erreicht. Eine Studie des Verbands Transport & Environment zeigt zudem, dass bis auf Malta alle EU-Mitgliedstaaten die europäischen Vorgaben für den Ausbau der Ladeinfrastruktur erfüllen. Zudem würden die meisten EU-Länder ihre Ziele für Schnellladepunkte entlang der Hauptverkehrsachsen erreichen.

26 Tausend Ladepunkte sind innerhalb eines Jahres in Deutschland neu gebaut worden.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Norwegen. Aktuell gibt es dort etwas über 31.000 Ladepunkte, darunter rund 10.750 Schnellladepunkte. Ein Bericht des Ladebetreibers Recharge deutet zudem darauf hin, dass sich mit dem weiteren Ausbau das Nutzungsverhalten wandelt. So sei die Zahl der Ladevorgänge im Jahr 2025 um 11 Prozent gestiegen, was ausschließlich auf ultraschnelles Laden zurückzuführen ist. Die Nutzung von Blitzlade-Stationen mit einer Ladeleistung von 150 kW und mehr hat demnach um 26 Prozent zugenommen und macht inzwischen rund 80 Prozent aller Ladevorgänge aus. In Deutschland erfüllen bislang rund 43.000 Ladestationen diese Leistungsanforderungen. Ein verändertes Nutzungsverhalten ist auch hier denkbar, wenn Blitzlade-Stationen besonders auf Arbeitswegen und Hauptverkehrsachsen verfügbar wären.

Langfristige Strategie statt kurzzeitiger Förderung

Ein Wachstumseffekt kann in Deutschland aktuell durch Förderungen beobachtet werden. Die staatliche Kaufprämie für Elektroautos stößt auf große Resonanz: Seit dem Start des Antragsportals am 19. Mai 2026 sind beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bereits mehr als 100.000 Förderanträge eingegangen. Für das Programm stellt die Bundesregierung bis 2029 insgesamt drei Milliarden Euro bereit. Damit sollen 800.000 Fahrzeuge unterstützt werden. Die maximale Förderung beträgt 6.000 Euro für reine E-Autos.

In Norwegen profitieren Elektrofahrzeuge durchgehend von Preisvorteilen, beispielsweise bei der Maut auf Straßen und für Fähren. Die Deutsch-Norwegische Handelskammer führt den Erfolg der Elektromobilität auf langfristige politische Rahmenbedingungen wie Steuererleichterungen zurück. Der norwegische Erfolg beruhe auf dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Einerseits sorge eine konsistente Regulierung für Planungssicherheit, sowohl auf Seiten der Verbraucher als auch bei Investitionen in die Infrastruktur. Andererseits sei der Ausbau der Ladeinfrastruktur frühzeitig vorangetrieben und kontinuierlich an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst worden. Dies ist eine Strategie, die nicht auf kurzzeitigen Förderungen beruht, sondern einen durchgehenden Plan für die Elektromobilität vorgibt.

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