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Sturm über Deutschland

-83 Euro für eine Megawattstunde Strom

Sturmtief Herwart hatte Deutschland am Wochenende fest im Griff: Entwurzelte Bäume, Überschwemmungen, die Bahn stellte teilweise ihren Zugverkehr ein. Und an der Strombörse? Dort hat Herwart ebenfalls einiges durcheinander gebracht. Am Sonntag stürzten die Preise auf minus 83 Euro pro Megawattstunde. Am Samstag fiel auch zudem ein Rekord: Die in Deutschland installierten Windenergieanlagen leisteten erstmals mehr als 39.000 MW.

Sturm Windenergieanlage
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Creative Commons CCO

Es kam einiges zusammen, um die Preise so abstürzen zu lassen. Sturmtief Herwart fegte am Sonntag mit Windgeschwindigkeiten bis zu 170 Kilometern pro Stunde über den Norden und den Osten Deutschlands. Damit stieg die Produktion der Windenergieanlagen laut der Strommarktplattform Smard auf nächtliche Spitzenwerte von bis zu 40.000 MWh gegenüber einem Gesamtverbrauch von 55.000 MWh. Im Laufe des Morgens fiel dann zwar die Erzeugung von Windstrom auf knapp 27.000 MWh, gleichzeitig sank der Verbrauch auf gut 40.000 MWh, so dass negative Strompreise von 83 Euro pro Megawattstunde gezahlt werden mussten, um den Strom über die Börse zu verkaufen.

Windenergie knackt 39-GW-Grenze

Höhere Mengen- und Leistungsrekorde hatte es bereits am Samstag gegeben. Am Abend knackten die Windenergieanlagen in Deutschland die Rekordmarke von 39.000 MW, meldet das Portal energate unter Berufung auf Daten der Netzbetreiber. Die Produktion lag am Samstag bei 719 Mio. kWh onshore und 80,5 Mio. kWh offshore. Wegen des höheren Stromverbrauchs rutschten die Preise aber nicht so stark ins Minus. Der Tiefpreis lag bei -31,42 Euro/MWh um 15 Uhr am Samstagnachmittag.

Über die Gründe für die negativen Strompreise wird wie immer heftig gestritten. Während meist reflexartig die erneuerbaren Energien verantwortlich gemacht werden, kritisieren andere fehlende Möglichkeiten zur Speicherung des Stroms und das Durchlaufen konventioneller Kraftwerke trotz Einspeisevorangs. „Für die Betreiber von konventionellen Kraftwerken lohnt es nicht, in Zeiten der Stromschwemme die Anlagen runterzufahren. Die zahlen lieber Minuspreise“, zitiert Welt online die EEX.

Datenplattform Smard

Wer sich selbst ein Bild machen will: Aufbereitet und nachzulesen sind die Daten auf der seit Juli zugänglichen Online-Plattform Smard. Sie wird von der Bundesnetzagentur betrieben und ständig aktualisiert, so dass die zentralen Strommarktdaten für Deutschland, teilweise auch für Europa, nahezu in Echtzeit dargestellt werden können. Erzeugung, Verbrauch, Großhandelspreise, Im- und Export und Daten zu Regelenergie können für unterschiedliche Zeiträume ermittelt und kombiniert abgerufen werden.

Auf die Datenqualität legt die Bundesnetzagentur nach eigenen Angaben besonderen Wert. Smard beziehe die Daten direkt vom Verband der Europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E). Nur durch die Bundesnetzagentur geprüfte Daten werden veröffentlicht. (Katharina Wolf)