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10.04.2013

Solarenergie in Deutschland

Jeder Zehnte Arbeitsplatz ist weg

In den Solarenergiebranchen in Deutschland gingen im vergangenen Jahr 24.500 Arbeitsplätze verloren. Der Beschäftigungsrückgang betrifft alle vor allem die Hersteller von Solarzellen und Photovoltaikmodulen. Neben den Modulherstellern werden in Zukunft auch die Installateure unter Druck geraten. In den anderen Segmente sind ebenfalls Jobs verloren gegangen. Im vergangenen Jahr haben die Kunden weniger in die Solarenergie investiert als noch 2011.

First Solar Frankfurt
First Solar Frankfurt - Allein mit der Schließung der Produktionslinien von First Solar in Frankfurt (Oder) hat die Photovoltaikbranche 1.2000 Arbeitsplätze verloren. Das sind etwa fünf Prozent der gesamten Jobverluste in der Photovoltaik im vergangenen Jahr.
Allein mit der Schließung der Produktionslinien von First Solar in Frankfurt (Oder) hat die Photovoltaikbranche 1.2000 Arbeitsplätze verloren. Das sind etwa fünf Prozent der gesamten Jobverluste in der Photovoltaik im vergangenen Jahr.
First Solar

In den Solarenergiebranchen in Deutschland sind im vergangenen Jahr 11,6 Prozent der Arbeitsplätze verlorengegangen. Im Jahr 2011 haben die Branchen noch 125.000 Mitarbeiter in der Produktion von Anlagenkomponenten, bei Installationsunternehmen und beim Betrieb und der Wartung der Anlagen beschäftigt. Ein Jahr später waren es nur noch 100.500 Beschäftigte. Am stärksten betroffen ist die Photovoltaikbranche. Die hat im letzten Jahr fast 21 Prozent ihrer Arbeitsplätze eingebüßt. Waren im Jahr 2011 noch 110.900 Personen mit der Produktion, Installation sowie dem Betrieb und der Wartung von Solarstromanlagen beschäftigt, sank deren Zahl im vergangenen Jahr auf 87.800. In der Solarthermie ist die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze von 12.100 auf 11.100 gesunken. Auch die Anbieter von solarthermischen Kraftwerken mussten Jobs abbauen. In diesem Segment waren 2011 noch 2.000 Menschen beschäftigt. Die Zahl der Jobs sank im vergangenen Jahr auf 1.600. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und der Prognos AG im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMU). Am stärksten sind die Bundesländer im Osten von den Arbeitsplatzverlusten betroffen. Das gilt nicht nur die Produktion der Anlagenkomponenten, sondern auch die Installation von neuen Systemen.

Investitionen sinken

Als Gründe für den massiven Arbeitsplatzabbau nennen die Autoren der Studie die unsicheren politischen Rahmenbedingungen für den Bau von Solaranlagen und die weltweiten Überkapazitäten bei den Produzenten von Photovoltaikmodulen. Die haben zu weiter sinkenden Preisen und damit auch zu sinkenden Margen geführt. Trotz des immensen Zubaus an Photovoltaikleistung in Deutschland von 7,6 Gigawatt gingen die Investitionen in die Anlagen im Vergleich zum Jahr 2011 um 26 Prozent auf insgesamt 11,2 Milliarden Euro zurück. Die durch die Installation der Generatoren ausgelösten Arbeitsplatzeffekte bei den Handwerkern und Projektentwicklern konnten dabei nur kurzfristig die Beschäftigungsrückgänge durch Insolvenzen und Übernahmen bei den Modulbauern und Zellproduzenten überdecken.

Märkte brechen weg

In der Solarthermie war vor allem der sinkende Bau von Anlagen Schuld für den Arbeitsplatzabbau. In Deutschland sank der Zubau auf das Niveau von 2010. Europaweit schätzt die European Solar Thermal Association (ESTIF), dass acht Prozent weniger Systeme gebaut wurden. Im Bereich der solarthermischen Kraftwerke (concentrated solar power – CSP) hat sich das gesamte Geschäftsumfeld im vergangenen Jahr deutlich verändert. In Spanien – bisher der größte CSP-Markt – kam fast vollständig zum Erliegen. Auch der Markt in den USA ist weggebrochen, nachdem einige große Projekte nicht mehr als solarthermische Kraftwerke sondern als Photovoltaikanlagen realisiert wurden. Die neuen Märkte in Marokko, Südafrika und Indien sind aber noch zu klein, um die Verluste in Spanien und den USA zu kompensieren. Insgesamt haben die deutschen Unternehmen in diesem Segment im vergangenen Jahr 160 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Das sind 20 Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor.

Von Insolvenzwelle heimgesucht

Die Photovoltaikbranche wurde im vergangenen Jahr von einer Insolvenzwelle heimgesucht. Insgesamt wurden 17 Unternehmen oder Unternehmensteile in der Modulproduktion geschlossen. „Lediglich sieben sind auf eine Insolvenz von insgesamt fünf Unternehmen zurückzuführen“, heißt es im Bericht. „Die restlichen zehn Unternehmensteile oder Tochterunternehmen wurden von den Mutterkonzernen geschlossen.“ Prominentestes Beispiel ist das Werk von First Solar in Frankfurt an der Oder. Positiv vermerken die Autoren der Studie, dass viele der eingereichten Insolvenzen nicht zu einer Schließung der betroffenen Standorte und Unternehmen geführt haben. Einige wie beispielsweise Q-Cells in Thalheim wurden von neuen Investoren aufgekauft. Die haben den Betrieb in wesentlichen Teilen weitergeführt.

Ein Drittel weniger Module

Insgesamt ging die Modulproduktion in Deutschland auf eine Kapazität von 2,1 Gigawatt zurück. Das ist etwa ein Drittel weniger als noch ein Jahr zuvor. Um die gleiche Größenordnung nahm die Fertigung von Solarzellen ab. Sie betrug 2012 nur noch etwa zwei Gigawatt. Aber auch die Wechselrichterhersteller haben sich bei der Produktions zurückgehalten. Im vergangenen Jahr verließen Geräte mit einer Gesamtleistung von 11,6 Gigawatt die deutschen Werkhallen. Das sind etwa zwölf Prozent weniger als 2011.

Keine Besserung in Sicht

Mittelfristig ist keine Besserung in Sicht. „In der Photovoltaikbranche wird die Konsolidierung weitergehen“, prophezeien die Autoren der Studie. „Die anhaltenden weltweiten Überkapazitäten werden wohl auch 2013 die Preise weiter nach unten treiben, wobei viele Akteure der Branche erwarten, dass dies nur noch bis etwa Mitte des Jahres anhalten wird. Es bleibt die Frage, auf welchem Niveau die Preise sich am Ende einpendeln werden.“ Der prognostizierte Rückgang der Nachfrage wird vor allem die Installateure und Projektierer betreffen. Schließlich sind das keine Leistungen, die im Ausland eingekauft werden. Aber die kleinen Unternehmen können auch nicht auf ausländische Märkte ausweichen. Der Druck, der auf die Handwerker und Planer durch den massiven Rückgang der Einspeisevergütung lastet, schlägt sich jetzt schon nieder. Sie haben sich bereits auf die Suche nach neuen Geschäftsmodellen gemacht und verkaufen Photovoltaikanlagen zunehmend unabhängig von Förderinstrumenten. (Sven Ullrich)