Foto: Volkmar Otto - FNR

Bundeswettbewerb

Bioenergie-Kommunen: 100 Prozent sauber, regional und gemeinsam

Sieger des Bundeswettbewerbs für Bioenergie-Kommunen 2019 sind Asche, Fuchstal und Mengsberg. Sie beteiligen alle Bürger vorbildlich.

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Wie heißt es so passend? "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." Das haben sich auch die Teilnehmer des Bundeswettbewerbs Binenergiekommune 2019 gesagt - lange bevor sie ihre Bewerbung losschickten. Sie alle arbeiten seit Jahren an der Umgestaltung ihres Dorfes oder ihres Stadtteils in Richtung saubere, dezentrale Energieversorgung.

Bioenergiekommunen für Strom und Wärme

Gewonnen haben Asche in Niedersachsen (gut 300 Einwohner), Fuchstal in Bayern (1.700 Einwohner) und Mengsberg in Hessen (840 Einwohner) - drei Kommunen, die die Energiewende 4.0 mit Sektorkopplung und moderner Technik - und vor allem mit fast der gesamten Dorfgemeinschaft gemeinsam gestalten. Sie erzeugen Strom und Wärme bedarfsgerecht mit flexibilisierten Biogasanlagen und kombinieren diese mit Holz-, Solar-und Windenergie und Elektromobilität. Strom- und Wärmeüberschüsse werden gespeichert und zum Heizen genutzt. „Mit dem Wettbewerb Bioenergie-Kommunen zeichnet unser Bundesministerium bereits zum fünften Mal Pioniere der Energiewende aus, engagierte Kommunen, die sich für den Klimaschutz und erneuerbare Energien einsetzen“, sagte Uwe Feiler, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundeslandwirtschaftsministerin,während der öffentlichen Prämierung der Preisträger (je 10.000 Euro Preisgeld).

200 Bioenergiedörfer in Deutschland

Rein rechnerisch erzeugen viele der rund 200 Bioenergiedörfer in Deutschland schon heute mehr als 100 Prozent ihres Strom- und Wärmebedarfs aus regionaler Bioenergie und weiteren erneuerbaren Quellen „Klimaschutz und Energiewende sind ohne Bioenergie und ohne das Engagement der Bürger vor Ort nicht denkbar“, erklärte Feiler.

Wie sieht der Energiemix in Asche aus?

Das niedersächsische Asche deckt seinen Wärmebedarf zu 75 Prozent aus Biomasse und den Strombedarf zu 333 Prozent. Dies ergibt eine Gesamt-Bedarfsdeckung zu 248 Prozent aus Biomasse. 5 Prozent des Wärmebedarfs und 32 Prozent des Strombedarfs werden aus anderen Erneuerbaren wie Solarthermie und PV gedeckt.

Hackschnitzelheizung und flexible Biogasanlage

Die Biogasanlage wird flexibilisiert betrieben. Die Spitzenlast im Wärmenetz wird im Winter von der Hackschnitzelheizung abgedeckt. Aus PV-Strom wird der Strombedarf der Heizungsanlagen/Pumpen zur Nahwärmeversorgung durch die Bioenergie Asche eG gedeckt. Die Wärmeübergabe in Haushalten erfolgt ohne Wärmetauscher, so dass Strombedarf eingespart wird. Das gesamte System ist hydraulisch optimiert.

Fuchstal: 1.200 Prozent Bedarfsdeckung

Die Bioenergie-Kommune Fuchstal/Leeder (Bioenergiedorf Leeder in der Gemeinde Fuchstal) im Landkreis Landsberg am Lech in Bayern. hat 98 Prozent der Leederer Haushalte an das Wärmenetz angeschlossen oder sie nutzen Biomasse in dezentralen Holzheizungen zur alleinigen oder anteiligen Wärmebereitstellung. Rund 64 Prozent des Wärmebedarfs werden aus Biomasse gedeckt (auch aus Holz-Zentralheizungen wie Pellet- und Hackschnitzelheizungen sowie Scheitholzkessel). Zudem wird Strom in Biogas-BHKW erzeugt. Die Bioenergie-Bedarfsdeckung für Strom beträgt 73 Prozent. 1.200 Prozent Bedarfsdeckung wird in Leeder mit anderen Erneuerbaren Energien (Windkraft, PV) erreicht.

5.000m³-Wärmespeicher

Mit dem Leuchturm-Projekt Energiezukunft Fuchstal werden Maßnahmen zum Ausbau der Erneuerbaren und zu Systemintegration und Sektorenkopplung verfolgt. Die Biogas-BHKW-Anlage wird flexibilisiert und somit netz- und systemdienlich betrieben. Viele Bürger erzeugen Strom in PV-Anlagen. Der Bürgerwindpark soll bei negativen Strompreisen über Elektro-Heizer und 5.000m³-Wärmespeicher für die erneuerbare Wärmebereitstellung genutzt werden. 600 MWh vorwiegend im Winter abgeregelter Strom (gem. Datenauswertung 2017 u. 2018) können dann fossile Energieträger bei der Wärmebereitstellung ersetzen.

2.950 m² großes Solarthermiefeld in Mengsberg

Bioenergie wird in Mengsberg aus einem Holzhackschnitzelheizwerk und einem Bio-Flüssiggaskessel bereitgestellt. Weitere erneuerbare Wärme liefert ein 2.950 m² großes Solarthermiefeld. Erneuerbaren Strom erhält Mengsberg aus seinen 4 Windkraftanlagen von zusammen 12 MWel Leistung sowie zahlreichen PV-Dachanlagen mit zusammen 1,25 MWel. Mengsberg ist damit auf dem besten Weg, sich CO2-neutral und erneuerbar mit Biomasse aus regionaler Herkunft sowie PV und Windkraft zu versorgen.

Die Bürger von Mengsberg sind als Genossen sowohl an Energiezentrale und Wärmenetz als auch an der (als eine von vier) vollständig als Bürgerwindkraftanlage errichten Windkraftanlage beteiligt. Mit dem Förderverein Hallenbad und der PV-Eigenverbrauchsanlage auf dem Hallendach unterstützen die Bürger sehr engagiert weitere Vorhaben zur erneuerbaren, CO2-neutralen Energieerzeugung vor Ort.

Genossen für Bioenergie und Wind

Die Bioenergiegenossenschaft Mengsberg eG hat 150 Mitglieder und 6 Mio. Euro in die Wärmeversorgung investiert. Die 65 Mitglieder der Bürgerwindenergieanlage Mengsberg eG haben 5 Mio Euro in die im Mengsberger Wald errichtete Windkraftanlage investiert.

Asche, Fuchstal und Mengsberg haben bewiesen, dass die Energiewende in der Region längst stattfindet, während die Bundespolitik derzeit in einigen Bereichen wenig zum Gelingen der Energiewende beiträgt. Die Kommunen verraten, wie die Energiewende vor Ort nicht nur zum wirtschaftlichen Erfolg wird, sondern auch noch Spaß macht. Mehr dazu hier.

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