Graues Windenergiezubaujahr 2018: Welche Länder stechen hier positiv hervor?
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Wind Europe

Die vier Gewinner in Europas Windkraftausbau 2018

Der Einbruch Europas beim Windparkbau 2018 an Land auf nur noch neun Gigawatt kam erwartet. Nur vier Länder machen den Projektierern nun mehr Spaß.

Tilman Weber

Serbien, Norwegen, Italien und Schweden haben auf den ersten Blick nicht nur kulturell und gemessen an ihrer politischen Entwicklung wenig gemein. Auch in der Windenergie hat jedes Land eine ziemlich andere Vorgeschichte als das andere: Dem einen fehlt sie völlig, die eines anderen ist alt und hat dennoch lange Zeit nie richtig begonnen, die des dritten beschreibt nach Boomjahren einen völligen Einbruch und die des letzten war für die Branche lange Zeit schon wichtig. Und doch sind es nun genau die vier Länder in Europa, die 2018 besonders vielversprechende Zubaudaten der Windkraft erzielt haben.Ansonsten ist der jährliche Zubau der Windkraft an Land 2018 nach den neuesten Zahlen des Windenergieverbands Wind Europe 2018 von den 12,5 Gigawatt (GW) des Vorjahres auf 9 GW gefallen.

1. Serbien: Das Balkanland und nicht zur EU gehörende ehemalige Bürgerkriegsland der 1990-er Jahre hat seinen Start in die Windenergienutzung mit 356 Megawatt (MW) neu ans Stromnetz angeschlossener Windkraft mit einem Sprung wie aus dem Nichts eingeleitet. So hatten Windparkprojektierer in Serbien 2016 und 2017 erst die ersten 10 und dann die nächsten 8 MW errichtet. Doch den plötzlichen Zubau hatte Serbiens Energieminister Alexandar Antic Anfang vergangenen Jahres angekündigt: Das Land wolle 600 MW Erzeugungskapazität aus Erneuerbare-Energien-Anlagen errichten und spätestens Ende 2020 einspeisen lassen. 450 MW sollten dabei aus Windkraft stammen. Davon scheint nun ein großer Teil bereits verwirklicht. Ob Serbien es nach 2020 mit dem Ausbau der Erneuerbaren und der Windkraft weiter ernst meint, bleibt abzuwarten.

2. Norwegen: Das nördlichste skandinavische Land öffnete schon seit Anfang der 2000-er Jahre die Flächen für Windparkprojekte. Allerdings schwankte der Jahreszubau noch bis 2016 zwischen Inbetriebnahmen von meist wenig mehr als 100 MW, immer aber weit unter 200 MW und in anderen Jahren fast ausbleibenden Windturbineninstallationen einer Größenordnung von unter 100 MW bis sogar einmal nur 2 MW wie 2009. Doch schon 2017 waren 324 MW neu ans Netz gekommen. 2018 bauten die Errichterteams Windparks mit insgesamt 480 MW auf. Norwegen hat indes in den nächsten kommenden Jahren noch viel mehr vor. So soll gleich 2019 der Bau eines 288 MW großen Windparks abschließen der als eines von sechs Windfeldern des mehr als 1.000 MW großen Windkraft-Energieparks Fosen Vind entstehen wird. Den ursprünglichen Plänen gemäß soll auch das gesamte Windfeld schn ab 2020 ein Jahr später also einspeisen. Zudem plant der staatliche Ölkonzern Equinor einen größeren schwimmenden Windpark zur Direktversorgung einer Ölbohrinsel. Für die großen Pläne zum Windparkausbau an Land bleibt aber abzuwarten, ob eine Reform der Netzausbaufinanzierung der Windkraft nicht zugleich auch wieder Schwung wegnimmt. Die Reform legt Kosten des Netzausbaus und der Erhöhung der Netzspannung auf große Verbraucher und Energieerzeuger um.

3. Italien war seit spätestens Mitte der 2000-er Jahre ein Land, das der Windenergiebranche viel Hoffnungen machte. So bauten insbesondere Investoren und Kommunen im Süden der Halbinsel gerne viel Windkraft aus. Jährlich mehr als 400 bis sogar gut 1.200 MW kamen bis 2013 hinzu. Doch dann brach der Zubau 2014 auf gerade noch 100 MW fast ganz ein – wohl nicht zuletzt, weil die Sparvorgaben von der Europäischen Union für den Staatshaushalt des von hoher Staatsverschuldung geprägten Landes eine Windkraftförderung verunmöglichten. Nach vier Folgejahren mit Errichtungen jeweils von zwischen 200 und 300 MW ging es 2018 wieder eindeutig aufwärts: Der Zubau sprang auf 452 MW zurück.

4. In Schweden erhöhte sich das Tempo der Windkraft erstmals 2007 auf einen jährlichen Zubau von mehr als 200 MW. Schon 2009 sprang das Volumen der jährlichen Windkraftnetzanschlüsse auf mehr als 500 MW. Nach einem Hoch von mehr als 1.000 MW im Jahr 2014 flauten die Windturbinenerrichtungen im Land zwar mehr und mehr ab, auf schließlich nur noch 197 MW 2017. Doch ein Kompromiss zwischen sozialdemokratischer Regierung und konservativer Opposition erhöhte das Investorenvertrauen wieder: Die Politik verlängerte damit 2016 die Finanzierung der Windkraft mit grünen Zertifikaten, die große Energieverbraucher oder konventionelle Energieversorger in einem Zertikatemarkt kaufen müssen. Außerdem muss die Energienutzung bis 2030 um 50 Prozent effizienter werden. Schon 2040 muss die Energie ausschließlich erneuerbar erzeugt werden. Und 2045 soll die Nettoemission von Treibhausgasen sogar auf Null sinken. Nun investieren insbesondere Rentenfonds wieder in schwedische Windkaftprojekte. Nach Erwartungen des schwedischen Windenergieverbands Svensk Vindenergi wird 2019 zudem ein gewaltiges Schweden-Windkraft-Jahr. Demzufolge nämlich gehen in diesem Jahr allein womöglich 1,8 GW neu ans Netz.

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