Foto: Dark Sky

Windenergie

Eine neue Pflicht sorgt für Aufruhr

Mit dem aktuell in der Abstimmung befindlichen Energiesammelgesetz soll die bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung für Windenergieanlagen verpflichtend werden. Was die Branche im Grundsatz befürwortet, sorgt im Detail für mächtige Grabenkämpfe.

Inhaltsverzeichnis

Katharina Garus

Das Energiesammelgesetz befindet sich aktuell in der Abstimmung, soll noch im Dezember verabschiedet werden und bereits zum 1. Januar 2019 in Kraft treten. Dem Gesetzentwurf nach sollen Betreiber von Windenergieanlagen an Land, die nach den Vorgaben des Luftverkehrsrechts zur Nachtkennzeichnung verpflichtet sind, ihre Anlagen ab dem 1. Juli 2010 mit einer bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung (BNK) ausstatten.

Die Windenergiebranche begrüßt diese Tatsache unisono, da das nächtliche Dauerblinken der Anlagen immer wieder für Akzeptanzkonflikte mit der lokalen Bevölkerung sorgt. Anlagen, die nur dann blinken, wenn es wirklich nötig ist – nämlich dann, wenn sich tatsächlich ein Flugzeug nähert – werden grundsätzlich deutlich besser akzeptiert.

Radarsysteme für die bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung

Deswegen hat die Windenergiebranche auch ohne gesetzlichen Zwang bereits Systeme zur BNK entwickelt. Auf dem Markt erhältlich und von der Deutschen Flugsicherung zugelassen sind bisher drei Systeme: das Passiv-Radarsysteme Parasol sowie die Aktiv-Raradsystem von Dark Sky (vormals Airspex) sowie Quantec. Allen drei Systemen ist gemein, dass sie aus der Reflexion von Strahlungen Informationen über ein nahendes Flugzeug erhalten und die BNK dann einschalten.

Doch gerade diesen drei Unternehmen schmeckt gar nicht, was im ersten Gesetzentwurf steht. Denn dort heißt es, dass die BNK „durch eine Einrichtung zur Nutzung von Signalen von Transpondern von Luftverkehrsfahrzeugen“ erfüllt werden kann. Sie sehen in diesem Passus die Bevorzugung einer einzelnen Technologie, deren Sicherheit zudem zumindest Fragen offen lässt.

Deutsche Flugsicherung äußert Bedenken

Das Transponder-Modell basiert darauf, dass Flugzeuge über von ihnen mitgeführte Transponder Signale aussenden. Diese werden vom Windpark empfangen, der seine Hindernisbefeuerung anschaltet, sobald sich ein Flugzeug nähert. Das setzt voraus, dass ein sich dem Windpark näherndes Flugzeug einen Transponder an Board führt, dieser funktionsfähig und auch eingeschaltet ist. Eine entsprechende Pflicht gibt es aber nicht für alle Flugzeuge. Und vor allem unterliegt es nicht der Kontrolle und dem Einflussbereich des Windparkbetreibers, der aber auf der anderen Seite für die BNK verantwortlich ist.

Auch der Bundesrat hat in seiner Stellungnahme zum Entwurf des Energiesammelgesetzes Korrekturen angemahnt. In einem zweiten Gesetzentwurf haben CDU, CSU und SPD inzwischen reagiert und das Wörtchen „auch“ ergänzt: Die BNK soll nun „auch durch eine Einrichtung zur Nutzung von Signalen von Transpondern von Luftverkehrsfahrzeugen“ erfüllt werden können. Eine luftverkehrsrechtliche Genehmigung der Transponderlösung steht dennoch aus.

Trendresearch-Umfrage

Windindustrie setzt auf Europa und auf Asien

Windenergieunternehmen weltweit schätzen die Perspektiven der ausländischen Märkte zunehmend positiver ein – für Deutschland sinken die Erwartungen.

Foto: LUT & Energy Watch Group

Europäische Energiewende

100 Prozent erneuerbare Energie bis 2050 sind möglich

Eine neue wissenschaftliche Studie modelliert eine vollständige Energiewende in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr. Das Ergebnis: 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2050 wären möglich und dabei noch kostengünstiger als das derzeitige Energiesystem.

Foto: Bundesverband Wärmepumpe

Wärmewende

Deutschland braucht mehr als acht Millionen Wärmepumpen

Der Absatz von Wärmepumpen steigt seit Jahren immer weiter an. Der Bundesverband Wärmepumpe geht in diesem Jahr von einem langsamer wachsenden Markt aus als 2017. Damit die Bundesregierung ihre Klimaschutzziele schafft, wird das nicht ausreichen.

Foto: Siemens Gamesa

Offshore-Windkraft international

Taiwan will weniger für Offshore-Strom zahlen

Während ein Stromliefervertrag den zweiten Offshore-Windpark der Insel in trockene Tücher bringt, sind für andere Projekte nun Vergütungskürzungen im Gespräch.