Trinasolar-Chef de la Viña im Interview mit ERNEUERBARE-ENERGIEN-Chefredakteurin Nicole Weinhold.
Trinasolars Europa- und Latam-Chef Gonzalo de la Viña über 20 Jahre Wandel und die Frage, ob chinesische Technik wirklich ein Risiko ist.
Nicole Weinhold
Herr de la Viña, wie ist Ihre Einschätzung der Messe in diesem Jahr?
Gonzalo de la Viña: Wenn ich auf dem Messestand bin, merke ich ehrlich gesagt nichts davon. Die Gespräche und die Stimmung sind positiv. Vielleicht spielt die Diskussion um Frau Reiche eine Rolle, weil keiner so richtig weiß, was im Argen liegt – aber spüren tut man das nicht. Von den Aufträgen und den Projekten, die wir hier besprechen, sehe ich nicht, dass es Probleme beim Absatz gibt.
Für Deutschland heißt es, die Solarfreiflächen hätten ein noch größeres Problem als die Windenergie, weil so stark ausgebaut wurde, dass man kaum noch Netzanschlüsse findet.
Gonzalo de la Viña: Das hört man, aber so richtig spüren wir das nicht. Was wir sehen, ist der Trend zu Speichersystemen. Kunden sagen mir deutlich: Projekte rechnen sich vor allem mit Speicher – in Deutschland, aber auch in anderen Ländern. In Deutschland hängt das mit den negativen Strompreisen zusammen. Und die Leute wollen Day-Trading machen. Das kommt dazu.
In Spanien ist der Speicher in Kombination mit der Photovoltaik Pflicht, oder?
Gonzalo de la Viña: Hoffen wir, dass es kommt. Wir hören von vielen Plänen, umgesetzt ist aber noch wenig. Spanien wartet darauf, dass die Europäische Union die Regulierung freigibt – das wird für dieses Jahr erwartet. Spanien braucht das definitiv. Dort gab es letztes Jahr diesen großen Vorfall, den Blackout. Die Verbindung von Spanien nach Frankreich, zur europäischen Grenze, ist eingeschränkt und müsste verbessert werden. Deshalb sind Speicherlösungen für Spanien ungemein wichtig
Wenn man sieht, wie rechts und links von Deutschland mit der Energiewende umgegangen wird – gibt es da klügere Ansätze?
Gonzalo de la Viña: Deutschland war ja immer der Fels in der Brandung bei den Ländern, die auf erneuerbare Energien setzen –auf Deutschland war immer Verlass, anders als in manchen Ländern, je nach Regierung. Was ich in Deutschland gerade ein bisschen schade finde: Man bekommt das Gefühl, dass eine Bremse eingelegt wird. Ich bin selbst Konsument. Ich habe selbst eine Anlage gebaut, und an der erfreue ich mich seit zwei Jahren wirklich jeden Tag. Ich habe einige Artikel gelesen, in denen kritisiert wird, dass man die Unterstützung kürzt. Das macht mir schon Sorge. Gerade im privaten Bereich ist es für mich das Logischste der Welt, sich eine Anlage aufs Dach zu bauen.
Seit zwei, drei Jahren, vielleicht seit Trump, spüre ich eine antichinesische Einstellung, leider auch in Europa.
Muss man etwas nur oft genug schlechtreden, damit es negativ wirkt?
Gonzalo de la Viña: Genau. Ich weiß nicht, ob Deutschland ein Sonderfall ist, aber wenn man hier negativ über etwas spricht, geht die Stimmung gleich runter.
Sie feiern 20 Jahren Trinasolar in Europa. Da gab es Höhen und Tiefen – Stichwort Altmaier-Delle, Undertaking. Wie hat sich Ihr Unternehmen entwickelt?
Gonzalo de la Viña: Ich bin seit elf Jahren bei Trina, habe also nicht alles miterlebt, aber einiges. Damals kam das Undertaking und der Minimum Import Price – das war eine riesige Delle im Geschäft. Damals wurden die Chinesen scharf beäugt. 2011, 2012 wurde unter Philipp Rösler die Vergütung zusammengestrichen. Wir haben da einiges erlebt. Trotzdem: Im Solarbereich gibt es immer wieder Überraschungen. Wenn ein Markt runtergeht, wächst ein anderer. Italien, Spanien, dann Deutschland, dann ging Deutschland 2012 runter – aber dafür wuchs ein anderer Markt. Aus europäischer Perspektive gab es nie eine richtige Delle.
Und das Undertaking?
Gonzalo de la Viña: Das war eine Katastrophe für uns. Aber wir konnten uns schnell wieder sammeln. Trina war einer der Ersten, der Fabriken in Vietnam und Thailand aufgebaut hat. Das hat uns geholfen, zurückzukommen. Europa ist für uns nach wie vor ein sehr wichtiger Markt – und das bleibt so, egal was passiert.
Sie haben hier auch investiert.
Gonzalo de la Viña: Ja. 2018 haben wir den Tracker Hersteller Nclave aus Viana (Spanien) übernommen, die heutige Trina Tracker. Wir sind außerdem an Holosolis beteiligt, einem französischen Modulhersteller – eine kleine Beteiligung, aber entscheidend ist das Involvement. Wir haben Lizenzierungsvereinbarungen, unterstützen sie beim Aufbau des Geschäfts und der Fabrik. Ich selbst sitze im Board von Holosolis. Wir sind eben nicht nur einer, der zum Verkaufen kommt – sondern wir investieren in Europa. Ich glaube das ist wichtig.
300 Mitarbeitende hat Trina in Europa. Vor elf Jahren waren es nur 60.
Europa will chinesische Firmen aus der Förderung nehmen, aus Angst vor Cyberangriffen. Was denken Sie?
Gonzalo de la Viña: Schwierige Frage. Seit zwei, drei Jahren, vielleicht seit Trump, spüre ich eine antichinesische Einstellung, leider auch in Europa. Ich bin ich eher für freien Handel. Aber wir passen uns den Gegebenheiten an – das haben wir beim Undertaking gemacht, das machen wir auch jetzt. Wir arbeiten eng mit europäischen Herstellern zusammen, etwa bei Wechselrichtern und PCS, gerade im Batteriebereich. Ich kann nicht ändern, was politisch entschieden wird, ich kann es nur verfolgen. Ein Risiko aus China sehe ich nicht – darüber kann man streiten, aber wir sind für jede Art von Kollaboration offen.
DieChinesenkönntendasNicht-Intelligente liefern, und die Europäer bauen die Intelligenzein.Odergehtesdarum,dassdieEuropäer einen geschützten Markt wollen?
Gonzalo de la Viña: Das macht zum Teil Sinn. Die Pandemie hat gezeigt, dass wir nicht zu abhängig von einzelnen Ländern sein dürfen. Aber wir als Trina sind für jede Kollaboration offen. Wenn sich politisch etwas tut, dass wir hier investieren müssen oder unser Know-how einbringen sollen, wie wir das im Modulbereich zum Beispiel mit Holosolis bereits tun – sehr gerne. Da gibt es keine Schranke für uns.
Ist eine Zellfabrik in Europa denkbar?
Gonzalo de la Viña: Wenn wir eine Fabrik in Europa aufbauen sollten oder müssten, machen wir das sehr gerne - mit europäischen Partnern. Aber das führt natürlich zu höheren Preisen. Das muss man ganz klar sagenWas es nicht gibt, ist zum Beispiel ein Toaster für 49 Euro und in Europa hergestellt. Niemand möchte 500 Euro für einen Toaster zahlen, wenn er ihn anderswo für 49 bekommt. Ich finde es ein wenig naiv zu glauben, wir könnten alles auf einmal günstig in Europa produzieren.
Wie war Ihr Blickwinkel vor elf Jahren, als Sie zu Trina kamen?
Gonzalo de la Viña: Trina (Europa) hat sich sehr verändert. Als ich anfing, waren wir 60 Mitarbeitende, heute fast 300, die nur im Modulgeschäft tätig waren. Damals lastete das Undertaking auf uns, das war stimmungsmäßig nicht toll. Seitdem ging es stetig nach oben. 2018 sagte unser CEO: Wir wollen Lösungen anbieten, ein Tracker-Hersteller soll dazukommen. Wir haben uns für Europa entschieden – nicht für China, wo es ein Zehntel oder weniger gekostet hätte –, weil er von europäischer Qualität überzeugt ist. 2020 kamen Speicher dazu und vor zwei Jahren Wasserstoff. Diese Transformation finde ich als Mitarbeiter extrem spannend.
Gibt es eine ähnliche Entwicklung in China?
Gonzalo de la Viña: Ja, alles startet in China. Erst nach ein, zwei Jahren kommen die Produkte ins Ausland, in der Praxis getestet, reif für den professionellen Markt in Europa. Beim Wasserstoff haben wir in China schon Projekte gemacht, in Europa hält sich das Interesse noch zurück – es ist ein Zukunftsprodukt. Aber wir machen ausschließlich Erneuerbare. Da sind wir sehr stark. Wir feiern 20 Jahre, und ich bin überzeugt, wir werden auch die nächsten 20 Jahre erfolgreich sein.
Gonzalo de la Viña,
Geschäftsführer Trinasolar Europa und Latam
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