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„Wir wollen, dass europäische Standorte nachhaltig partizipieren“

Als Zulieferer von Großwälz- und Blattlagern und Drehsystemen zum Stellen der Rotorblätter sind Sie wichtiger Industriepartner der Meereswindkraft. Sind Sie auch bereit für ihr Wachstum weltweit?

Andre Härtel: Wir sind als thyssenkrupp rothe erde ein weltweit agierendes Unternehmen. Wir haben Standorte auf fast allen Kontinenten, Antarktis und Australien ausgenommen. Wir sind auch in den sogenannten Bestkostenländern Indien und China stark vertreten und können dort Komponenten für die Offshore-Windkraft fertigen. In Deutschland bauen wir in Lippstadt die Großlager. Die Versorgung mit Ringen erfolgt aus dem Werk Dortmund. Wir sind für Durchmesserbereiche im Hauptlager bis 6,5 Meter aufgestellt, was perspektivisch Turbinen mit etwa 35 Megawatt Leistung entspricht. Bei Pitchlagern gibt es im unsegmentierten Bereich nach oben praktisch keine Grenze: Dort können wir Ringe bis 9,6 Meter einsetzen. Derzeit liegen diese bei etwa 4 bis 5 Meter. Durch den Technologieswitch von Kugel- auf Rollenlager wachsen diese Durchmesser trotz zunehmender Blattlängen aktuell kaum. Der Switch ist ein laufender Prozess. Einzelne OEMs haben ihn früher adaptiert, andere etwas später. Das Rollenlager kann mehr Lasten aufnehmen als ein Kugellager, ist aber anspruchsvoller im Pitchen. Theoretisch sind wir so in Asien und in Europa vollumfänglich aufgestellt.

Wie gut können Sie dem Wachstum folgen?

Andre Härtel: In China erleben wir dieses exponentielle Wachstum bereits, dort beliefern wir Offshore-Turbinen mit diesen Komponenten und sind Partner bei State-of-the-Art-Turbinen mit 15 bis 20 Megawatt Turbinenleistung.

Mit Ihrer innovativen Pitch-Bearing-Unit wollen Sie auch die starke Größenzunahme der Windturbinen begleiten. Wie das?

Patrik Böttcher: Diese PBU ist der Zusammenschluss aus Lager, Pitch-System und allen notwendigen Komponenten zum Verstellen der Rotorblätter. Wir sprechen von einer geschlossenen Baugruppe, die „ready to run“ geliefert wird und vor Ort nur noch angeschlossen werden muss. Sie umfasst die Verstellmechanik, das Schmiersystem, die Pitch-Elektronik und weitere Komponenten. Als komplettes System senkt sie den Aufwand auf der Baustelle erheblich. Zudem erlaubt die Baugruppe eine Modularisierung: Mit angepassten PBUs kann dieselbe Nabe für unterschiedliche Blattdurchmesser genutzt werden. Das führt zu Skaleneffekten. Gleichzeitig kann die Nabe einfacher ausgelegt werden, da viele Funktionsflächen an ihr entfallen.

Der Markt ist stark kostengetrieben. Wie belegen Sie, dass die PBU günstiger ist als standardisierte niederpreisige Einzelteile?

Patrik Böttcher: Die Montagezeit auf der Baustelle durch Fachkräfte ist ein wesentlicher Kostenfaktor. Die PBU wird über eine einfache Flanschverbindung an der Nabe montiert. Das spart Lohnkosten. Hinzu kommt die vereinfachte Lieferkette: Der OEM kauft ein Produkt statt vieler Einzelkomponenten. Das reduziert Stücklistenpflege und Abstimmungsaufwand mit Lieferanten.

Sie härten auch Lager und Zahnräder nach jüngsten Verfahren und bieten Instandhalten an. Warum ist das Offshore so wichtig?

Lars Büttner: Wir bieten für unsere Rotorlager die Ganzflächenhärtung der Laufbahnen an. Somit können die Lager ohne ungehärtete, weiche Stelle ausgeführt werden, was für diesen Anwendungsfall mit vollständigen Umdrehungen des Rotors ja entscheidend ist. Darüber hinaus sind wir mit dem von Ihnen angesprochenen Instandhaltungsdienst im Offshore-Bereich nah am Kunden. Unsere Serviceabteilung führt vor Ort Inspektionen, Analysen und Messungen durch. Für demontierte Lager bieten wir in unseren Werken, soweit möglich, Instandsetzungen an und speziell für Blattlager seit jüngster Zeit komplette, einbaufertige Baugruppen …

Jan Schroeter: Das ist unser Tower-Ready-Modul, ein einbaufertiges Blattlager inklusive aller Komponenten wie Schmierung, Sensorik und Versteifungselemente. Als Aftermarket-Produkt lässt es das Altlager plug and play austauschen. Es wird nicht wie früher komplex de- und wieder montiert. Stillstandzeiten der Anlagen und Aufwand beim Kunden lassen sich klar reduzieren. Unsere Zielgruppen fürs Tower-Ready-Modul sind primär Betreiber und unabhängige Service Provider.

Die EU verlangt mehr qualitative Ausschreibungen, damit die heimische Industrie mehr punkten kann. Ist das gut für Sie?

Andre Härtel: Wir wünschen uns, dass europäische Standorte nachhaltig an der Windkraft partizipieren und nicht einzig Kostendruck aus Asien ausgesetzt sind. Aber es ist im Moment für uns Zulieferer schwer zu bewerten, wie diese Mechanismen dann wirken. Das wird auf einzelne Bauteile runtergebrochen werden müssen. Unser Wunsch wäre, um beim Blattlager zu bleiben, dass 50 Prozent aller gesourcten Komponenten für Offshore-Wind europäisch sein müssen. (tw)

Andre Härtel,
Manager Aftermarket & Services
thyssenkrupp rothe erde

Foto: thyssenkrupp rothe erde

Patrik Böttcher,
Project Manager Engineering Energy
thyssenkrupp rothe erde

Foto: thyssenkrupp rothe erde

Lars Büttner,
Manufacturing & Technology
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Foto: thyssenkrupp rothe erde

Jan Schroeter,
Head of Module Assembly
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Foto: thyssenkrupp rothe erde