Planer und Kommunen können Wind-, Solar- und Speicherprojekte erfolgreich finanzieren – mit neuen Konzepten und Modellen.
Nicole Weinhold
Die Finanzierung von Projekten mit erneuerbaren Energien hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Aus Bankensicht zeigt sich ein differenziertes Bild: Während Wind- und Solarprojekte inzwischen weitgehend standardisiert und zuverlässig finanzierbar sind, bleibt die Finanzierung von Batteriespeichern komplex und risikobehaftet.
Banken mit langjähriger Erfahrung in der Projektfinanzierung – etwa die DKB, Umweltbank oder GLS – arbeiten daran, die Abläufe bei klassischen Wind- und Photovoltaikprojekten erheblich zu beschleunigen. Durch Spezialisierung der Teams und klare Zuständigkeiten wird die Bearbeitung effizienter.
Die DKB etwa hat ihre internen Strukturen so angepasst, dass Vertrieb, Vertragsgestaltung und Projektbetreuung zum Teil parallel arbeiten. Damit lassen sich Finanzierungszusagen und Auszahlungen schneller umsetzen. Gleichzeitig hat die Bank die Anforderungen an Nachweise und Dokumente in einer Art One-Stop-Shop konzentriert. Zahlreiche Unterlagen – etwa Nachweise zu Kabeltrassen, technische Betriebsführungsverträge oder Marktstammdaten-Meldungen –, werden in einem zusammengefassten, übersichtlichen Dokument abgefragt. Dadurch verkürzt sich die Vorbereitungs- und Prüfungszeit erheblich.
Schwieriger gestaltet sich die Situation im Bereich Batteriespeicher. Hier befinden sich Banken noch in einer Aufbau- und Lernphase. Batteriespeicher gelten als Schlüsselkomponente für die Energiewende, doch ihre Finanzierung ist deutlich anspruchsvoller als bei Wind oder PV.
Ein wesentliches Problem ist die Unsicherheit der Erlösmodelle. Speichererträge hängen stark von der Marktentwicklung, von Arbitrage-Spreads und regulatorischen Veränderungen ab. Während Einspeisetarife bei Wind- und Solaranlagen stabil planbar sind, basieren Batteriespeicher häufig auf sogenannten Merchant-Modellen – also reiner Vermarktung. Diese Erlöse sind volatil und über längere Zeiträume schwer prognostizierbar.
Finanzierung nur für Bestandskunden
Banken reagieren darauf mit konservativen Ansätzen. Viele Institute finanzieren Speicher nur bei ihren erfahrenen Bestandskunden, die sich in der Branche bereits bewährt haben. Eigenkapitalquoten zwischen 20 und 30 Prozent sind üblich, bei Grünstromspeichern oft noch höher. Die Kreditlaufzeiten liegen in der Regel zwischen zehn und zwölf Jahren; in Ausnahmefällen länger, etwa wenn Speicher in größere Energieparks integriert sind. Die technische Komplexität birgt zusätzliche Risiken: Nicht die Batteriezellen selbst, sondern ihre Peripherie – Klimatisierung, Lüftung oder Steuerungssysteme – gilt als störanfällig und kann Ausfälle verursachen. Hinzu kommt die Abhängigkeit vom Netzanschluss: Ohne verbindliche Zusage kein Kredit. Banken bestätigen, dass sie erst auszahlen, wenn der Netzanschluss gesichert und zeitlich konkret benannt ist.
So wie sich die Finanzierung von Technologien wie Speichern als herausfordernd erweist, ist die Finanzierung der Energiewende auch nicht für alle Marktteilnehmer gleich. Kommunen tun sich zum Teil besonders schwer bei dem Thema.
Der neue Infrastrukturfonds ist ein wichtiges Signal: Er soll privates Kapital mobilisieren und Stadtwerken in Form von Eigenkapital bereitstellen.
Die Energiewende stellt Deutschlands Kommunen vor enorme finanzielle Herausforderungen. In den kommenden zwei Jahrzehnten müssen Milliardenbeträge in Strom- und Gasnetze, Wasser- und Abwassersysteme sowie in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert werden. Viele kommunale Unternehmen geraten dabei an ihre finanziellen Grenzen – klassische Kreditfinanzierungen sind dafür kaum möglich. „Mit den traditionellen Stadtwerk-Bilanzen wird das für viele Stadtwerke nicht oder nur schwer zu stemmen sein“, warnt Alexandra Sausmekat, Rechtsanwältin und Steuerberaterin mit Fokus auf die Energiewirtschaft und Partnerin bei Baker Tilly. „Sie benötigen dringend neue Lösungen wie die Zuführung von Eigenkapital, etwa durch Instrumente wie Joint Ventures oder die Mobilisierung von Hybridkapital über Fondsstrukturen, um weiter Kredite für Projekte aufnehmen zu können.“ Baker Tilly begleitet Städte und kommunale Versorger bei der Suche nach zukunftsfähigen Finanzierungsstrukturen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassische Kredite, sondern um strategische Partnerschaften zwischen öffentlicher Hand und privaten Investoren. „Wir helfen Kommunen, die hohen Investitionen für die Energiewende zu finanzieren, indem wir Projektpartnerschaften (Joint Ventures) mit privaten Kapitalgebern strukturieren und so die finanziellen Risiken vom Kerngeschäft trennen“, erläutert Sausmekat. Neben der rechtlichen und steuerlichen Umsetzung unterstützt das Beratungsunternehmen auch bei der Nutzung von Förderprogrammen wie der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW), die Zuschüsse von bis zu 40 Prozent bietet.
Eine weitere Option seien innovative Finanzierungswege über den Kapitalmarkt. „Wir können auch zu grünen Finanzinstrumenten beraten, etwa um Eigenkapital über Schuldscheine oder Green Bonds zu beschaffen“, so Sausmekat weiter. Ziel sei es, Finanzierungsquellen zu diversifizieren und die kommunale Bonität zu schützen.
Gerade Kommunen mit angespannten Haushalten müssen laut Sausmekat strategisch festlegen, wie sie ihre Versorger auf die Zukunft ausrichten wollen. „Kommunen müssen entscheiden, ob sie kurzfristige Gewinnausschüttungen zur Haushaltssanierung nutzen oder die Gewinne im Versorger behalten, um die eigene finanzielle Basis für die notwendigen Großinvestitionen im Zuge der Energiewende zu stärken.“ Wenn die Innenfinanzierung ausgeschöpft sei, könne die professionelle Auslagerung großer Projekte in Joint Ventures helfen, externes Kapital zu gewinnen und gleichzeitig die Bonität des Kerngeschäfts zu sichern.
Der Infrastrukturfonds als Chance
Ein weiteres Signal für eine wachsende Offenheit gegenüber neuen Finanzierungsmodellen ist der geplante Infrastrukturfonds des Bundes. Heinrich Thiele, ebenfalls Partner bei Baker Tilly, sieht darin einen wichtigen Schritt: „Der neue Infrastrukturfonds ist ein wichtiges Signal: Er soll privates Kapital mobilisieren und Stadtwerken in Form von Eigenkapital bereitstellen. Das würde eines ihrer größten Probleme lösen, denn eine höhere Eigenkapitalquote verbessert unmittelbar die Kreditwürdigkeit und schafft Spielräume für Investitionen.“ Allerdings bleibe abzuwarten, wie die praktische Umsetzung aussehe. „Ob der Fonds angenommen wird, hängt wesentlich von der Ausgestaltung ab“, sagt Thiele.
Fest steht: Der Bedarf an neuen Finanzierungswegen ist groß. Die Energiewende verlangt Investitionen in Milliardenhöhe – ohne kreative Konzepte wie Fondsmodelle werden Kommunen die anstehenden Aufgaben kaum bewältigen können.