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PPAs: Zwischen Wachstum und Neuausrichtung

Nach Jahren dynamischen Wachstums bremsen steigende Marktvolatilität und negative Börsenpreise die Entwicklung langfristiger Power Purchase Agreements (PPA) - der deutsche PPA-Markt steht vor einem Wendepunkt. Gleichzeitig entstehen neue Chancen, da Speicherintegration sowie flexiblere Vermarktungs- und Preismodelle im PPA-Umfeld zunehmend in den Mittelpunkt der Marktentwicklung rücken. Auch Energieversorger wie Uniper beschäftigen sich mit diesen Entwicklungen und den daraus resultierenden Anforderungen an PPAs im Geschäft mit erneuerbaren Energien sowie im klassischen Vollversorgungsgeschäft.

Der deutsche PPA-Markt im Wandel

Nach mehreren Jahren starken Wachstums sank die Anzahl neu abgeschlossener PPAs im Jahr 2025 um nahezu 50 Prozent. Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern Ausdruck struktureller Marktveränderungen. Treibende Faktoren sind der massive Ausbau erneuerbarer Energien, die gestiegene Volatilität an den Strombörsen sowie die Zunahme der Stunden mit negativen Strompreisen. Parallel dazu verändert sich die Nachfrageseite: strukturierte und stärker auf den Verbrauch abgestimmte Modelle gewinnen insbesondere bei kleineren und mittelgroßen Unternehmen an Bedeutung. Dennoch sind flexible Lieferprofile beispielsweise as-Forecasted oder Nominated-Strukturen im PPA-Markt weiterhin gefragt und müssen durch den Residuallieferanten des Abnehmers in das Beschaffungsportfolio des Kunden integriert werden. Das steigende Stromangebot erhöht zudem den Wettbewerbsdruck zwischen Anlagenbetreibern und stärkt gleichzeitig die Verhandlungsposition der Abnehmer. Besonders in Stunden hoher Einspeisung sinken die erzielbaren Marktwerte deutlich, während gleichzeitig die Risiken für Betreiber steigen. Hinzu kommt, dass mit dem Auslaufen bzw. der Einschränkung der EEG-Vergütung bei negativen Preisen zusätzliche Erlösunsicherheiten für Anlagenbetreiber entstehen.

Vor dem Hintergrund von Marktunsicherheiten verschieben sich PPA-Abschlüsse zu kürzeren Laufzeiten von bis zu drei Jahren.

PPAs werden kurzfristiger

Energieversorger wie Uniper agieren im PPA-Markt als Erzeuger und als Dienstleister. Das Unternehmen entwickelt und betreibt Erneuerbare-Energien-Anlagen. Zugleich übernimmt Uniper Strommengen aus wetterabhängigen Erzeugungsanlagen seiner Kunden, strukturiert diese und speist sie bedarfsgerecht wieder in das Stromsystem ein. Während PPAs in der Vergangenheit überwiegend durch langfristige Vertragsstrukturen geprägt waren, verschiebt sich der Fokus vor dem Hintergrund zunehmender Marktunsicherheiten hin zu kürzeren Laufzeiten von bis zu drei Jahren. Insbesondere bei Post-EEG-Anlagen ergeben sich meist kurze Laufzeiten von etwa einem Jahr. Damit gibt das Unternehmen ausgeförderten Anlagen neue wirtschaftliche Perspektiven und ermöglicht deren Weiterbetrieb im Markt. Die Reich GmbH aus Bayern setzt zum Beispiel auf einen solchen Vertrag für ausgeförderte Anlagen: Gemeinsam mit Uniper wurde das bestehende Stromportfolio um ein Wind-PPA ergänzt. Rund sieben Gigawattstsunden (GWh) Grünstrom aus Brandenburg wurden integriert und entwickelten sich zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor für den Automobilzulieferer.

Batteriespeicher: Neuer Bestandteil von PPA-Strukturen

Gerade jetzt, da klassische Vertragsmodelle zunehmend an ihre Grenzen stoßen, werden Batteriespeicher verstärkt als langfristige strategische Investition betrachtet. Insbesondere das Zusammenspiel mit PPAs trägt dazu bei, dass erneuerbare Energien systemdienlich in den Markt integriert und Preisrisiken reduziert werden können. Denn Speicher ermöglichen eine Glättung der Einspeiseprofile, indem erzeugter Strom zwischengespeichert und zeitversetzt ins Netz eingespeist wird. Dadurch können Betreiber flexibler auf Preissignale reagieren und Strom gezielt in Hochpreisphasen vermarkten. Gleichzeitig profitieren Abnehmer von höherer Planungssicherheit, da sich Lieferprofile optimal an den tatsächlichen Bedarf anpassen und Energieflüsse verlässlicher kalkulieren lassen.

Unternehmen setzen weiterhin auf PPAs, um ihre Klimaziele zu erreichen, ESG-Anforderungen zu erfüllen und sich gegen volatile Strompreise abzusichern.

Möglich sind bei PPAs kurz- und langfristige Vertragslaufzeiten, abgestufte Liefermengen, zugeschnitten auf den Verbrauch, sowie unterschiedliche Preis- und Liefermodelle, die sich problemlos in die Beschaffungsstrategie einfügen lassen. In der Regel erfolgt zunächst der Abschluss eines PPA, gefolgt vom Einsatz eines Speichers. Auf diese Weise lässt sich der Stromverbrauch grün stellen, während gleichzeitig Stromnebenkosten wirksam gesenkt werden. Aktuell ist zu beobachten, dass PPAs auch direkt mit Speicherintegration abgeschlossen werden, etwa in Form von Solar-PPA-Strukturen mit angebundenen Batteriespeichern am Solarpark zur Überbrückung von Erzeugungsschwankungen. Diese sogenannten Co-Location-Modelle, bei denen Erzeugungsanlage und Speicher kombiniert werden, bieten zusätzliche Stabilität und ermöglichen eine flexiblere Vermarktung des erzeugten Stroms.

Stadtwerke bauen PPA-Geschäft aus

Auch Stadtwerke greifen zunehmend auf PPAs zurück. Ein aktuelles Beispiel ist ein kürzlich abgeschlossener Vertrag zwischen Uniper und den Stadtwerken Wolfenbüttel, bei dem die Stadtwerke jährlich rund 9 GWh Windstrom aus niedersächsischen Onshore-Windkraftanlagen beziehen. Zum Einsatz kam ein Pay-as-Forecasted-PPA, bei dem die Abrechnung auf Basis der prognostizierten Stromproduktion erfolgt. Zudem zeigt sich im Stadtwerkeumfeld ein deutliches Interesse an der Kombination von PPAs für PV-Parks und Leasingmodellen, etwa dem sogenannten Tolling für benachbarte Batteriespeicher. Angefragt werden insbesondere Anlagen, die in den Jahren 2027 und 2028 ans Netz gehen sollen. Hier verzeichnete Uniper in den letzten zwölf Monaten Vermarktungsanfragen für mehr als 150 Megawatt Erzeugungsleistung.

Neue Dynamiken durch Flexibilität

Die aktuell eingeschränkte wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit in vielen Industrien in Deutschland führt dazu, dass PPAs derzeit teilweise weniger nachgefragt werden. Trotz dieser Marktabkühlung bleiben PPAs ein zentrales Instrument der modernen Energieversorgung. Unternehmen setzen weiterhin auf PPAs, um ihre Klimaziele zu erreichen, ESG-Anforderungen zu erfüllen und sich gegen volatile Strompreise abzusichern. Kurzfristige Zurückhaltung ändert dabei nichts an der strukturellen Entwicklung: PPAs gewinnen weiter an Bedeutung, sowohl als eigenständiges Instrument als auch perspektivisch in Kombination mit Flexibilitätslösungen.

Autor:
Nils Beenen, Managing Director, Uniper Energy Sales GmbH

Foto: uniper

Wind, Solar und Speicher an einem Standort sorgen für Stabilität.

Foto: uniper

Wind, Solar und Speicher an einem Standort sorgen für Stabilität.

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