Die Marktoffensive Erneuerbare Energien hat ein standardisiertes Vertragsmuster für virtuelle Stromlieferverträge (virtual Power Purchase Agreements – vPPA) entwickelt. Es ist schon das zweite Vertragswerk des Gemeinschaftsprojekts der Deutschen Energieagentur (Dena) und der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Schon vor einigen Monaten hat die Marktoffensive Erneuerbare Energien eine standardisierte Vertragsvorlage für physische PPA entwickelt.
Stromhandel über die Börse
Die beiden Vertragswerke unterscheiden sich hinsichtlich der Lieferstruktur. Während sich die physischen PPA auf eine Stromlieferung aus einer Erzeugungsanlage mit Direktleitung zum Verbraucher beziehen, wird beim virtuellen PPA der Ökostrom über die Börse gehandelt. Die Verbraucher als Vertragspartner gleichen dabei die Marktdifferenz zwischen Marktpreis und festem Vertragspreis aus, das sogenannte Settlement. Gemeinsam ist beiden Varianten der Stromlieferung die Absicherung der Belieferten gegen Strompreisrisiken, das sogenannte Hedging, sowie die Übertragung von Herkunftsnachweisen. Mit Letzteren weisen die Unternehmen ihre grüne Stromversorgung nach.
Vor- und Nachteile der virtuellen PPA
Virtuelle PPA bieten Vor- und Nachteile für die Energielieferung. So lassen sie sich unkompliziert in bestehende Stromlieferverträge und ohne Auswirkungen auf Bilanzkreise einbetten. Auf diese Weise können die verbrauchenden Unternehmen den Strom aus mehreren Standorten beziehen. Das funktioniert auch über verschiedene Gebotszonen und Netze hinweg. In einem virtuellen PPA kann diese Form des Strombezugs dennoch in einen einzigen Vertrag einfließen.
SFV unterstützt Betreiber von Altanlagen beim Weiterbetrieb und Recycling
Allerdings haben die Stromproduzenten keine Pflicht, den Strom zwingend zu liefern. Schließlich dient das Netz als Puffer. Dies führe dazu, dass die virtuellen PPA im Regelfall regulatorisch als Energiederivat oder Finanzinstrument einzustufen seien, erklären die Expert:innen von der Dena. Das könne mit besonderen Verpflichtungen bei Bilanzierung und Finanzberichterstattung einhergehen.
Verträge sind komplex
Allerdings werden die virtuellen PPA für den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung immer wichtiger. Deshalb haben sich die Partner dieses Themas angenommen und den standardisierten Vertrag entwickelt. „Der marktgetriebene, ungeförderte Zubau der erneuerbaren Energien über PPA wird immer wichtiger“, begründet Corinna Ender, Vorsitzende der Geschäftsführung der Dena. „Virtuelle PPA sind in Deutschland und Europa vergleichsweise wenig verbreitet und aufgrund der vertraglichen Komplexitäten besonders herausfordernd. Das neue Vertragsmuster verringert die Transaktionskosten für Marktakteure und trägt dazu bei, das Modell für mehr Unternehmen branchenübergreifend in Deutschland zugänglich zu machen.“
Sonne für Industrie in Italien
Begleitdokumente erklären das Modell
Neben dem eigentlichen Vertragsmuster hat die Marktoffensive Erneuerbare Energien noch mehrere Begleitdokumente entwickelt. Diese sollen Unternehmen bei der Prüfung der individuellen Eignung von virtuellen PPA unterstützen. Diese Begleitdokumente behandeln ausführlich Vor- und Nachteile der beiden Modelle PPA und vPPA. Sie klären über wichtige rechtliche Aspekte wie finanzielle Bilanzierungsfragen auf. Vertragsmuster und Begleitdokumente wurden gemeinsam mit den Anwaltskanzleien DLA Piper und Gunnercooke sowie den Beratungsunternehmen Pexapark und Deloitte ausgearbeitet.
Die Marktoffensive Erneuerbare Energien informiert Unternehmen im Rahmen eines Webinars über die verschiedenen Möglichkeiten der direkten Stromliefervereinbarung mit den Ökostromproduzenten. Den Mustervertrag inklusive der Begleitdokumente finden Sie auf der Webseite der Marktoffensive.