Foto: Phoenix Contact

Rotorblattüberwachung

Modulare Überwachung: Individuell passend

Die Stärke der Rotorblattüberwachung liegt bei Phoenix Contact im modularen Aufbau.

Nicole Weinhold

Oliver Pukall, Industriemanager Erneuerbare Energien bei Phoenix Contact, erklärt die Funktionsweise einer modularen Rotorblattüberwachung.

Wie muss der Kunde sich die modulare Rotorblattüberwachung vorstellen, die Phoenix Contact anbietet?

Oliver Pukall: Phoenix Contact bietet eine modulare Rotorblattüberwachung aus Blitzstrommessung, Eiserkennung und Lastüberwachung an, Blade Intelligence genannt. Wenn am Windpark-Standort wegen der dortigen klimatischen Bedingungen kein Eis auftritt, dann kann der Betreiber auf die Eiserkennung verzichten. Treten viele Blitze auf, ist unsere LMS-Blitzdetektion wichtig für ihn.

Ist Eisdetektion überhaupt noch Thema?

Oliver Pukall: Auf jeden Fall. Wir werden oft nach Eiserkennungssystemen gefragt. Denn wenn die Anlagen wegen Eis abgeschaltet werden müssen, können unnötig lange Standzeiten die Erträge schmälern. In manchen Regionen verlangen die Behörden eine Abschaltung während der Kälteperiode, wenn keine Eiserkennung vorhanden ist.

Wie funktioniert Ihr Eiserkennungssystem?

Oliver Pukall: Die Sensoren werden von außen appliziert, ohne Beschädigung des Blatts. Dadurch können sie präzise dort messen, wo das Eis entsteht. Sie erkennen die Eisschichtdicke als auch die Temperatur und senden die entsprechenden Daten an einen Empfänger im Maschinenhaus. Der Betriebsführer kann die Daten aufgrund des webbasierten Managements überwachen oder Standardprotokolle übernehmen die Kommunikation zur Betriebsführung. Das System bietet die Möglichkeit, eine optional vorhandene Rotorblattheizung optimiert einzuschalten. Viele Betreiber wollen aber nur wissen, ob die Anlagen produzieren können oder gestoppt werden müssen. Diese Informationen können über einfache Start-/Stopp-Signale verwertet werden. Der Kunde kann sich zunächst für eine reine Eiserkennung entscheiden. Das vorhandene System lässt sich einfach erweitern. Das GL-zertifizierte System ist so in der Lage, bei einem Eisevent die Anlage automatisch zu stoppen und bei Eisfreiheit wiederanlaufen zu lassen. Die Ertragsverluste bleiben somit gering.

Wie werden die Sensoren montiert?

Oliver Pukall: Der Kunde kann die Montage im Rahmen eines Rundum-sorglos-Pakets von uns durch unsere Partnerunternehmen vornehmen lassen. Eine Umsetzung durch seinen etablierten Rotorblatt-Service ist ebenfalls möglich. Damit man sich das vorstellen kann: Es handelt sich um kleine Sensoren, die mit einer Folie aufgeklebt werden. Sie verfügen über eine Solarzelle und einen Speicher, sodass sie selbst in schattigen Regionen bis zu 1.000 Stunden autark arbeiten können.

Wie sieht es bei dem Blitzschutzsystem aus? Wo werden die Sensoren angebracht?

Oliver Pukall: Das Monitoring-System dient dem permanenten Erfassen und Auswerten von Blitzeinschlägen. Dadurch werden detaillierte Daten der einzelnen Blitzströme gewonnen und können zur Beurteilung der tatsächlichen Belastung einer Anlage herangezogen werden. Eine präventive Wartung ist also möglich. Die Sensoren werden direkt auf dem Ableiter in der Blattwurzel montiert. Sie arbeiten mit einem optischen System nach dem Faraday-Effekt und sind daher resistent gegen elektrische Einflüsse.

Gibt es von außen nicht sichtbare Events?

Oliver Pukall: Ja, das kommt vor. Die aufgenommenen Daten zum Blitzevent werden mit Zeitstempel versehen und lassen sich beispielsweise über OPC UA der Betriebsführung zur Verfügung stellen. Der Betriebsführer kann den Service dann darauf hinweisen, dass das Blatt inspiziert werden muss.

Dritte Funktion ist das Lastmonitoring. Werten Betriebsführer Daten selbst aus?

Oliver Pukall: Nein. Viele große Kunden wollen das selbst machen, aber das muss nicht sein. Wer sich damit nicht auseinandersetzen will, der bekommt von uns die aufbereiteten Daten. Zukünftig werden wir auch ein Portal mit aufbereiteten historischen Daten anbieten, weil zahlreiche Betreiber sich gerne selbst einen Überblick verschaffen.

Für welche Windturbinen ist das System?

Oliver Pukall: Unsere Lösung lässt sich in neuen Turbinen sowie auch in Bestandsanlagen nachträglich und zuverlässig integrieren. Für Bestandsanlagen bieten wir komplette Lösungen an, die eigentlich nur noch in der Anlage montiert werden müssen.

Web-Wegweiser: https://www.phoenixcontact.com

Dieser Text ist Teil eines Specials in unserem aktuellen Printheft. Dort finden Sie weitere Informationen rund um das Thema.

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